OTS0250   29. Juni 2011, 14:08

Architekturzentrum Wien eröffnet Ausstellung über den russischen Ausnahmekünstler und -architekten Alexander Brodsky

Eröffnung heute Abend ab 19 Uhr mit anschließendem Sommerfest im Az W-Hof


Alexander Brodsky ist die herausragende Figur einer
künstlerischen und architektonischen Position, die seit Jahrzehnten
an der Schnittstelle von Architektur und Kunst arbeitet und täglich
die Grenzen zwischen diesen beiden Disziplinen überschreitet. Seine
architektonischen und künstlerischen Manifeste geben Zeugnis von der
Suche nach einer anderen russischen Identität. In seinen Projekten,
die von klarer Einfachheit und theatralischer Stärke geprägt sind,
niemals kitschig, niemals gestrig, verbindet er oft scharfe Kritik am
System gepaart mit feiner Ironie. Brodskys charakteristischer
"Humanismus des Unbedeutenden" (Alexei Muratov) zeigt sich
zurückhaltend in seiner Architektursprache, wenn er offensichtlich
verbrauchte oder gealterte Dinge in seine Arbeit einbaut.
Beispielgebend dafür ist der Wodka-Pavillon, entstanden für ein
zeitgenössisches Kulturfestival im Jahr 2003, welcher gänzlich aus
Fensterrahmen einer abgerissenen Fabrik errichtet wurde und
ausschließlich dem Ritual des Wodka-Trinkens dienen sollte.

Zur Ausstellung

Erstmals wird das international viel beachtete und im höchsten
Maße anerkannte Werk dieses Ausnahmekünstlers/-architeken auch in
Österreich zu sehen sein. Der Tradition treu bleibend,
Persönlichkeiten auszustellen, die unangepasst und abseits des
Mainstreams agieren, holt das Az W Alexander Brodsky nach Wien. Im
Herbst 2011 wird ein weiterer Protagonist der von Dietmar Steiner
kürzlich proklamierten "slow architecture" - der australische
Architekt und Pritzker-Preisträger Glenn Murcutt - mit einer großen
Werkschau im Az W präsentiert.

Für das Az W verwirklicht Alexander Brodsky eine die
Ausstellungshalle einnehmende Installation, die die BesucherInnen in
ihren Bann ziehen soll: Der Tag wird zur Nacht, die Dimensionen von
Raum und Zeit scheinen sich langsam aufzulösen, während man durch
eine künstlich geschaffene archäologische Wunderkammer schreitet. Die
eigens für das Az W gefertigte Installation stellt eine
Weiterentwicklung der Arbeit Brodskys mit Ilya Utkin dar, die 1990
für die Ausstellung "Between Spring and Summer: Soviet Conceptual Art
in the Era of Late Communism" in den USA realisiert wurde.

Das Az W zeigt - erstmalig in einer Ausstellung vereint - Arbeiten
Brodskys als Künstler und als Architekt. Die Installation ist
eingebettet in eine Vielzahl an Zitaten früherer Arbeiten - Skizzen,
Pläne, Zeichnungen und Beispiele seiner berühmt gewordenen "paper
architecture" zeigen die Bandbreite seiner Arbeit und das
Wechselspiel zwischen Kunst und Architektur. Fotografische
Interpretationen von Yuri Palmin - Fotograf und langjähriger
Wegbegleiter - veranschaulichen die unaufdringliche und
zurückhaltende Herangehensweise seiner Architektur. Sein Stil ist
durch einen starken Bezug zur traditionellen Bauweise unter Einsatz
lokaler Materialien charakterisiert. Brodskys architektonisches
Schaffen erstreckt sich derzeit ausschließlich auf Russland und seine
BauherrInnen bestehen aus einem kleinen Kreis wohlhabender
Individualisten, die sich dem herkömmlichen russischen Baustil
bewusst entziehen.

Zur Person Alexander Brodsky

1955 in Moskau als Sohn einer Künstlerfamilie geboren, studierte
er ab 1968 an der Moskauer Kunstschule und wechselte 1972 an das
Moskauer Architektur Institut. Bereits in den 1980er Jahren erlangte
Alexander Brodsky gemeinsam mit Ilya Utkin internationale Beachtung
als einer der herausragendsten Vertreter der russischen "paper
architects". Mit ihren utopischen und fantastischen Entwürfen suchten
sie Auswege aus der Tristesse in der Architektur der
Chruschtschow-Ära und der Zeit der Stagnation unter Breschnew. Mit
den großteils für Wettbewerbsausschreibungen angefertigten
Radierungen verweigerten sie ihre Teilnahme am staatlich
strukturierten und entseelten Produktionsprozess. Brodsky und Utkin
wurden in Folge weltweit ausgestellt und erlangten internationales
Ansehen. In den 1990er Jahren konzentrierte sich Alexander Brodsky
auf seine künstlerische Tätigkeit und zog 1996 nach New York.
Weltweit kann Brodsky auf eine beachtliche Anzahl von Ausstellungen -
sowohl einzeln als auch in jüngeren Jahren in Zusammenarbeit mit Ilya
Utkin - zurückblicken. Wahrscheinlich nicht zuletzt um dem Bauboom
des neuen Russland einen visionären Gegenpol entgegenzusetzen,
gründete er 2000, zurück in Moskau, sein unkonventionelles
Architekturbüro und begann mit der Realisierung von Restaurants,
Einfamilienhäusern und temporären Architekturinstallationen. 2010
wurde Brodsky mit einer der höchsten künstlerischen Auszeichnungen
Russlands, dem Kandinsky-Preis, gewürdigt.

Zur Ausstellung erscheint der hintergrund 50/51 mit vertiefenden
Texten zu Alexander Brodsky und seinem Werk in deutscher und
englischer Sprache. Hintergrund, die vierteljährlich erscheinende
Heftreihe des Az W - verbindet architekturtheoretische
Themenschwerpunkte mit der Dokumentation wesentlicher Inhalte des Az
W-Programms.

Im Rahmen der Ausstellung werden Fixführungen angeboten:
Jeweils Mittwoch, 06.07. / 20.07. / 03.08. / 17.08.2011 jeweils 18
Uhr, Tickets: 2 Euro

Dauer der Ausstellung:
30.06. - 03.10.2011

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0250 2011-06-29 14:08 291408 Jun 11 AZW0001 0702



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Mag. Ines Purtauf
Tel.: 01 522 31 15-23
purtauf@azw.at
www.azw.at

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