- 28.06.2011, 13:34:31
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Prof. Oskar Negt warnt bei AKNÖ-Dialogforum: Grenzen der Flexibilisierung erreicht
AKNÖ-Präsident Haneder: Mitbestimmung auch in globalisierter Wirtschaft notwendig
Wien (OTS) - "Wo der Wille zur Gerechtigkeit fehlt, bricht eine
Gesellschaft auseinander", warnte der deutsche Sozialphilosoph Prof.
Oskar Negt heute beim AKNÖ-Dialogforum in Hirschwang a. d. Rax vor
einem Abbröckeln des Sozialstaates als Folge der ökonomischen Krise.
Wenn die Konjunktur wieder anspringt, wird es trotzdem nicht so sein
wie vor der Krise, sagte Negt vor einem Forum von
ArbeitnehmerInnen-Vertretern, darunter zahlreichen Betriebsräten aus
Niederösterreich.
Negt sieht nicht nur eine ökonomische Krise sondern eine "kulturelle
Erosionskrise, in der auch früher hochgehaltene Werte verloren
gehen". Die Krise reißt Errungenschaften des Sozialstaates mit sich.
Eine Folge der neoliberalen Jahre sind unter anderem zerstörte
sozialstaatliche Bindungen aber auch oft generationenlange Bindungen
an Unternehmen.
Fortschreitende Polarisierung der Gesellschaft
Der bekannte Sozialphilosoph sieht als Folge der neoliberalen Jahre
auch eine fortschreitende Polarisierung und "neue Schichtenbildung"
in der Gesellschaft. Nicht nur der Gegensatz zwischen Arm und Reich
wird größer, auch die Polarisierung zwischen den Zentren mit immer
besserer Infrastruktur und der Peripherie, die langsam "verödet" geht
zu Lasten großer Bevölkerungsteile.
Für viele Menschen sind die Leistungsansprüche nicht mehr erfüllbar,
sie richten ihren Zorn nach innen, weil sie keine andere
Möglichkeiten mehr sehen, sich Gehör zu verschaffen. Oskar Negt: "Das
Angstpotential steigt und führt zu einem enormen Anstieg von
psychischen Krankheiten." Für die Gewerkschaften wäre es eine neue
Aufgabe, "die Empörung zu organisieren".
AKNÖ-Präsident Hermann Haneder sieht noch einen langen Weg zur
Wirtschaftsdemokratie: "Die Mitbestimmung sollte auch in einer
globalisierten Wirtschaft gestaltet werden können." Die Wurzel der
Wirtschaftsdemokratie bleiben die Betriebsräte direkt am
Arbeitsplatz, "den Überbau bilden dann die europäischen
Betriebsräte", so Haneder.
Infineon-Chef Kircher-Kohl: "Mehr mit Wirtschaftsdemokratie
beschäftigten"
Monika Kircher-Kohl vertrat die Meinung, dass "Unternehmen gut
beraten sind, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Dazu
gehören sowohl die Eigentümer als auch die MitarbeiterInnen und das
gesellschaftliche Umfeld." Sie rät dazu, sich mehr mit
Wirtschaftsdemokratie zu beschäftigten.
Maria Jespen vom europäischen Forschungsinstitut der Gewerkschaften
forderte "mehr Transparenz auf europäischer Ebene. Derzeit fallen
viele Entscheidungen hinter verschlossenen Türen und wer für wen
arbeitet ist oft unklar".
AUA-Betriebsrat Junghans kritisierte als Diskutant am Podium des
Dialogforums Hirschwang, dass "wir uns schon in der Geiselhaft von
großen Konzernen und Analysten befinden".
Der Politologe Ferdinand Karlhofer (Uni Innsbruck) hält den
österreichischen Weg für richtig, sozialpolitische Errungenschaften
auch gesetzlich abzusichern. "Sonst sind die sozialpolitischen
Fortschritte wieder weg."
(Schluss).
Rückfragehinweis:
AKNÖ Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (01) 58883-1252
mailto:[email protected]
http://noe.arbeiterkammer.at
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