- 20.06.2011, 09:40:45
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Wirtschaftskriminalität: Täter oft langjährige Mitarbeiter in Führungsposition
Linz/Wien (OTS) - Budgetkürzungen, Leistungsdruck und oft
lückenhafte Kontrollmechanismen verleiten insbesondere langjährige
Mitarbeiter in Führungspositionen zu betrügerischen Handlungen. KPMG
hat für die aktuelle internationale Studie "Who is the typical
fraudster?" ein Täterprofil erstellt und die häufigsten Delikte
erhoben.
348 Fälle aus 69 Ländern wurden für die Studie analysiert. In 87 %
der Fälle ist der Täter männlich und in einer Führungsposition (82
%), meist im Finanzbereich oder Vertrieb. In 76 % der Delikte ist der
Täter zwischen 36 und 55 Jahren. Der Hauptteil entfällt auf die
Altersgruppe zwischen 36 und 45 Jahre (41 %). Knapp zwei Drittel der
Täter sind bereits fünf Jahre im Unternehmen, ein Drittel sogar zehn
Jahre, wenn die Straftat aufgedeckt wird.
"Unter einem Betrüger stellt man sich landläufig einen habgierigen
und hinterlistigen Menschen vor, der keine Möglichkeit ungenützt
lässt, sich zu bereichern. Unsere Studie zeigt jedoch, dass der
'typische' Täter in einer führenden Funktion arbeitet, oft schon mehr
als zehn Jahre im Unternehmen ist und hohes Vertrauen genießt.
Personen, die länger im Unternehmen sind und eine Führungsposition
haben, können viel einfacher Kontrollmechanismen übergehen. Sie
kennen die Prozesse und wissen, worauf sie achtgeben müssen",
beschreibt KPMG-Geschäftsführer Gert Weidinger das Täterprofil, das
auch auf österreichische Fälle zutrifft.
Die wenigsten Mitarbeiter kommen mit dem Vorsatz ins Unternehmen,
einen Betrug zu begehen oder sich auf Kosten des Unternehmens zu
bereichern. Oft führen Veränderungen der persönlichen Lebensumstände
oder zu hoch gesteckte Arbeitsziele und Leistungsdruck dazu, einen
Betrug zu begehen.
Veruntreuung und Beschaffungskriminalität am häufigsten
Die häufigsten Delikte sind Veruntreuung von Vermögenswerten oder
Beschaffungskriminalität (43 % der 348 untersuchten Fälle).
KPMG-Geschäftsführer Michael Nayer ergänzt: "Auch gefälschte oder
geschönte Zahlen im Finanzreporting sowie die Ausstellung falscher
Rechnungen, um sich persönliche finanzielle Vorteile zu verschaffen,
zählen zu den Delikten. Die Annahme von Bestechungsgeldern für die
Unterzeichnung von überhöhten Projektkosten ist ebenfalls eine
beliebte Praktik, genauso wie geheime Absprachen zwischen
Lieferanten, die zu überhöhten Preisen führen."
Die Praktiken sind oft simpel, werden aber gut verschleiert.
International gab es in 61 % der Fälle Mittäter, meist direkte
Geschäftspartner wie Kunden, Lieferanten oder Berater. In Österreich
wurde die Hälfte der Delikte mit Mittätern begangen, die andere
Hälfte allein. Signifikant ist auch, dass sich in 74 % der Fälle die
Täter schwache Kontrollmechanismen der Unternehmen zunutze machten.
Warnsignale oft ignoriert
Kriminelle Handlungen zeichnen sich häufig im Vorfeld ab. Die
Studie zeigt, dass weltweit 56 % der kriminellen Handlungen ein oder
mehrere Alarmsignale vorausgingen. In Österreich war dies bei 48 %
der Fall. In den untersuchten Fällen wurden jedoch nur 6 % davon
nachverfolgt, in Österreich nur 5 %.
Zur Aufdeckung der Fälle führen oft anonyme Hinweise aus dem
Unternehmen oder von Geschäftspartnern. Dazu Gert Weidinger: "Die
Einrichtung einer Hotline oder eines E-Mail-Postfaches zum Deponieren
anonymer Hinweise kann zum frühen Aufdecken krimineller Fälle
beitragen. Gerade in Österreich steht man der Kultur des sogenannten
'Whistleblowing' jedoch noch sehr skeptisch gegenüber. Insbesondere
gilt es, Gegner im Unternehmen, die darin eine Einrichtung zum
Mobbing sehen, zu überzeugen. In der Praxis zeigt sich, dass das
'Vernaderungsrisiko' im Unternehmen bei gleichzeitiger Einführung von
ethischen Richtlinien und Standards minimal ist."
Werden kriminelle Handlungen aufgedeckt, erfolgt meist keine
Kommunikation nach außen. Die Studie zeigt jedoch, dass mehr als die
Hälfte der Fälle auch intern nicht kommuniziert wurde. Dabei könnte
gerade intern das Management klar Stellung beziehen und so zusätzlich
zur Installation solider Kontrollmechanismen den Weg für eine
Null-Toleranz-Kultur gegenüber ungesetzlichen Handlungen ebnen. "Ein
erster Schritt wäre zum Beispiel die Durchführung unangekündigter
Stichprobenprüfungen. Ein wirksames Mittel, um kriminellen Handlungen
im Unternehmen entgegenzusteuern - und das mit relativ geringen
Kosten", schließt Michael Nayer.
Studie und Fotos zum Download finden Sie hier:
http://www.ots.at/redirect/kpmg1
Rückfragehinweis:
Iris Zeppezauer, Unternehmenskommunikation KPMG, Tel. +43 (0)732 6938 2157, [email protected]
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