- 10.06.2011, 11:51:14
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Land Steiermark gibt 35.000 Rabenvögel zum Abschuss frei
VIER PFOTEN kritisiert: Tierfreundliche Methoden schützen Ernte besser
Wien (OTS) - Kaum ist das Ende der Krähenfallen in der Steiermark
beschlossen, wurde bekannt, dass das Land Steiermark mittels
Notverordnung 35.000 Rabenvögel zum Abschuss freigibt. Die
Tierschutzorganisation VIER PFOTEN kritisiert, dass derartige
Abschüsse die Ernten nicht schützen.
"Wir sind bestürzt über diese Nachricht", sagt Johanna Stadler,
Geschäftsführerin von VIER PFOTEN. "Gibt es doch zahlreiche
tierfreundliche Methoden, um die Ernte der Bauern zu schützen - etwa
anbautechnische Maßnahmen und Vertreibungsmaßnahmen. Der Abschuss der
Vögel führt nicht zum Ziel."
Mit der Vogelschutzrichtlinie wurde der Schutz aller Singvögel und
damit auch der Rabenvögel gesetzlich festgeschrieben, dennoch werden
seit Jahren Ausnahmen gemacht: So erteilte die Naturschutzbehörde
bisher eine landesweite Ausnahmegenehmigung zur Bejagung. Diese
Vorgehensweise war nicht vom EU-Recht gedeckt. Dies sieht nämlich
vor, dass jeder Fall einzeln geprüft, beurteilt und genehmigt werden
müsste. Dieser Aufwand scheint dem Land allerdings zu hoch, weshalb
eine Notverordnung erlassen wurde, die 25.000 Krähen, 5.000 Elstern
und 5.000 Eichelhäher zum Abschuss freigibt.
Dr. Helmut Ranftl, Biologe und Ornithologe, stellte schon vor
Jahren fest, dass Abschüsse nicht zielführend sind. Als Beispiel
nannte er das Beobachten der Bestandshöhen von Elstern, die nach
Abschüssen in der darauf folgenden Brutperiode eine besonders hohe
Siedlungsdichte aufwiesen. Dies liegt an der Organisationsstruktur
der Tiere, die aus einer Brutpopulation mit festem Revier und einer
Nichtbrüterpolulation ohne Revier besteht. Wo auch immer eine
Rabenkrähe oder ein Brutpaar erlegt wird steht sofort Ersatz aus der
Nichtbrüterpopulation zur Verfügung. Die schweizerische Vogelwarte
Sempach hält Massenabschüsse ebenfalls für ineffizient und rät
stattdessen zu anbautechnischen Maßnahmen und Vertreibungsmaßnahmen.
Sinnvoll ist eine Kombination aus anbautechnischen Maßnahmen mit
Vertreibungsmaßnahmen: Nach der Bodenbearbeitung, die die Tiere
anlockt, sollte 1-2 Tage gewartet werden, bevor ausgesät wird. Der
Zeitpunkt der Aussaat sollte dabei so gewählt werden, dass die Kultur
schnellstmöglich keimt und aufläuft. Außerdem sollte darauf geachtet
werden, dass auf der Oberfläche wenige Körner liegen bleiben. Während
der Wachstumsphase der Pflanzen sind Vertreibungsmaßnahmen durch
visuelle und akustische Reize (z.B. Gasballone, Knallapparate) eine
wichtige Ergänzung. Da Rabenvögel aber extrem intelligente Tiere sind
und sich schnell an solche Vertreibungsmaßnahmen gewöhnen, sollten
diese öfters gewechselt werden. In Deutschland sind Landwirte dazu
übergegangen, ihre Silofolien durch das Aufbringen von Altreifen,
über die ein Netz gespannt wird, zu schützen. So wird ein Anpicken
der Folie verhindert.
"Der Abschuss von Tausenden Rabenvögeln ist sinnlos und grausam",
sagt Johanna Stadler. "Wir fordern daher die steirische
Landesregierung dringend auf, sich mit anderen Möglichkeiten zum
Schutz der Bauern vor Ernteschäden auseinander zu setzen und
wissenschaftlich fundierte Methoden anzuwenden."
Rückfragehinweis:
VIER PFOTEN - Stiftung für Tierschutz
Anita Hauser, Programs AT
Tel: 0664 848 55 65
[email protected]
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