OTS0167   10. Juni 2011, 11:47

Raiffeisen-Leasing Kamingespräch: Intelligente Mobilität in urbanen Räumen - BILD


Raiffeisen-Leasing Kamingespräch zum Thema: Intelligente Mobilität in urbanen Räumen (08.06.2011) vergrößern

BILD zu OTS - Personen v.l.n.r. Mag. Peter Engert (Sprecher der Geschäftsführung der Raiffeisen Leasing), Mag.a Maria Vassilakou (Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung) und Peter Rabl (Journalist).

Wie wird die Mobilität der Zukunft, eingedenk der
bereits bestehenden Ressourcenverknappung und ambitionierten
Klimaschutzziele, aussehen? Zumal kaum ein Gebrauchsartikel so
emotional aufgeladen ist wie das eigene Auto.

Jede Beschränkung, die einen Komfortverlust oder auch nur dessen
theoretische Möglichkeit nach sich ziehen könnte, führt zu heftiger
Ablehnung. Stattdessen werden auch im städtischen Bereich immer mehr
Autos pro Haushalt gezählt, dazu kommen hunderttausende tägliche
Einpendler. Durch die Zersiedelung des ländlichen Raumes wird sich
dieser Strom noch verstärken. Ein Phänomen, das alle Großstädte der
Welt betrifft. Das aktuelle Kamingespräch, initiiert von der
Raiffeisen-Leasing, widmete sich dieser Thematik aber im besonderen
in der heimischen Metropole und lud dazu die Wiener
Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr,
Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung, Mag.a Maria
Vassilakou, zu einem Gedankenaustausch in das kürzlich eröffnete
Sofitel Vienna Stephansdom. 150 Besucher verfolgten gespannt die
Diskussion zwischen Mag. Peter Engert, Geschäftsführer und Sprecher
der Raiffeisen-Leasing und der grünen Vizebürgermeisterin, die vom
Journalisten Peter Rabl moderiert wurde.

Mit der Frage nach dem Umsetzungsstand der grünen
verkehrspolitischen Visionen startete Rabl gleich in die Diskussion.
Für Vassilakou sind vor allem die Ereignisse der vergangenen Monate -
wie zum Beispiel Fukushima - fast eine glückliche Fügung: "Wir
brauchen eine Trendwende im Denken und Handeln, und jetzt endlich
zerbricht man sich in allen Großstädten den Kopf. Es gibt drei
Problemfelder: die Zersiedelung der Umlandgemeinden, sprich
Pendlerproblematik, den Klimawandel und die Energieversorgung, wobei
eines mit dem anderen zusammenhängt. Drei Fragen stellen sich daher
für mich: Muss man ein Auto besitzen? Nicht unbedingt, wenn man
Car-Sharing stärker propagiert! Braucht jeder einen eigenen Garten?
Nein, wenn das Wohnumfeld genügend Grün- und Erholungsland bietet!
Welche smarte Technologie leitet die Trendwende ein, ohne den
Aufschwung der Wirtschaft abzuwürgen und die Finanzen der Kommunen
noch mehr zu belasten? Für mich ist es der forcierte Ausbau
Erneuerbarer Energien."

"Eine Verbesserung der Verkehrsbilanz ist mit der Elektromobilität
sehr rasch zu realisieren", entgegnete Engert. "Es gibt bereits jetzt
attraktive Angebote an Firmenkunden und Private. Doch viele
Automobilhersteller haben die Tendenz, Neuentwicklungen
hinauszuzögern, damit sich die bereits bestehenden Produktionsstraßen
amortisieren. Wir müssen daher Druck machen, damit die Produzenten
schneller neue Modelle entwickeln."

Wien wird in den nächsten Jahren die 2-Millionen-Einwohnergrenze
überspringen. Für Vassilakou als Verkehrsstadträtin ist der neue
Stadtteil Aspern eine einmalige Herausforderung, ein ganzes
Stadtviertel so zu planen, dass die Abhängigkeit vom eigenen Auto
reduziert wird. "Car-Sharing und Elektromobilität werden bereits in
die Planung integriert. Beispielsweise soll jeder Parkplatz in den
Garagen als Stromtankstelle nutzbar sein."

Engert ist davon überzeugt, dass das Auto in zehn Jahren mit
heutigen Maßstäben nicht mehr vergleichbar ist. "Die Frage ist: wie
schnell ändert sich das Bewusstsein der Konsumenten? Mobilität ohne
Komfortverlust ist der einzig gangbare Weg, um den Umstieg attraktiv
zu machen. Wir setzen auf Anreizsysteme, zum Beispiel Förderungen,
nicht auf Verbote, wie es den Grünen - Stichwort Verknappung -
vorschwebt."

Für Rabl fokussiert sich die Entscheidung auf die simple Frage,
wie erreiche ich am schnellsten mein Ziel. Und er stellt die
provokante Frage an Vassilakou: "Wenn man den Verkehr nicht
attraktiver machen kann, muss man dann das Auto fahren unattraktiv
machen?"

"Ich will die Menschen dazu gewinnen, selbst umzudenken", konterte
Vassilakou. "Von A nach B zu kommen ist oft schwierig in Wien, wo es
zudem viele Pendler gibt, denen keine Alternativen zum Auto geboten
werden. So hat sich unter anderem das Verkehrsaufkommen aus Mödling
in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Da sind sowohl Wien,
Niederösterreich als auch der Bund gefordert. Eine S-Bahn mit
15-Minuten-Intervallen würde hier eine große Entlastung bringen. In
der Stadt geht es oft schneller, sich auf das Rad zu schwingen als
mit dem Auto zu fahren, zumal der Stau ja mittlerweile ein ständiger
Begleiter geworden ist. Trotzdem werden die Autos in der Stadt immer
mehr. Die Frage ist: wie kann ich kostengünstiger, sauberer und
schneller vorankommen?"

Engert verweist auf die Positivbeispiele Salzburg Stadt und
Eisenstadt. In Salzburg kann die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
mit Fahrrädern und E-Bikes kombiniert werden. In Eisenstadt, derzeit
noch in der Konzeptionsphase, werden neue Wohnbauanlagen gleich für
'Elektromobilität on demand' ausgestattet.
Rabl verweist auf die unterschiedliche Förderungspraxis in den
Ländern, so gibt das Land Niederösterreich für den Umstieg auf E-Bike
& Co. doppelt so viel Geld aus als Wien.

"Die Förderungen für E-Bikes wurden bereits verdoppelt, zudem sei
der Fairness wegen erwähnt, dass die Regierung erst seit sechs
Monaten im Amt ist", wehrt sich Vassilakou gegen Vergleiche. Das
Fahrrad bleibt für die Politikerin das Stadtfahrzeug der Zukunft
schlechthin. "In Wien gibt es mittlerweile 1.700 km Radweg, aber
natürlich gibt es auch Lücken, deshalb widmen wir uns einem
Lückenschlussprogramm. Das Bessere ist der Feind des Guten: In
Sevilla ist innerhalb eines Jahres ein Radwegenetz aus dem Boden
gestampft worden, wodurch die Nutzung von null auf fünf Prozent
gestiegen ist. Klingt nach einer beeindruckenden Bilanz, aber wir
sprechen da von rund 70 km, und auch die Qualität der hiesigen
Radwege, auf denen auch Ältere und Kinder unterwegs sein können, kann
man sicher nicht vergleichen."

Wien ist durch die Krise hoch verschuldet, wirft Rabl ein.
Trotzdem sei eine Erweiterung des U-Bahnnetzes für viele die einzig
sinnvolle Option. Dazu Vassilakou: "Ich bin gegen diese Fixierung auf
die U-Bahn, deren Ausbau unglaublich viel Geld kosten würde, im
Gegensatz zur S-Bahn. Straßenbahnen kosten überhaupt nur einen
Bruchteil davon. Was spricht eigentlich gegen ein Metrosystem mit
überlangen Bussen?"

"Die Busspur wird mit Sicherheit den Individualverkehr
beschränken, weil wahrscheinlich eine Spur geopfert werden wird",
folgert Engert. "Was spricht dagegen, dem Beispiel anderer Metropolen
zu folgen und die Busspur auch für Elektrofahrzeuge freizugeben?"

Vassilkou machte aus ihrer Einstellung zum Individualverkehr kein
Geheimnis und erklärt freimütig: "Auch ein Elektroauto ist ein Auto,
es befördert allzu oft nur eine einzige Person. Der Individualverkehr
soll nicht bevorzugt werden, beispielsweise durch die Nutzung der
Busspur. Es würde auch unser System konterkarieren. Die Ampelregelung
'Vorfahrt für Busse' wäre weg, und alles steht wieder im Stau. Mit
mir wird es sicher keine Freigabe der Busspur für E-Autos geben!"

Vassilakou sieht neben dem Fahrrad das größte Potenzial im
Car-Sharing. In kommunalen Fuhrparks und für Taxiunternehmen sind
Elektrofahrzeuge für sie durchaus sinnvoll. Hier kann sie sich sogar
Förderungen vorstellen, wenn es das Budget zulässt. "Aber meinen
persönlichen Bedarf deckt E-Mobility derzeit noch nicht ab, ich schau
mir das erst mal an. Inzwischen fahre ich weiterhin mit dem Rad.
Witterungsbedingt wohl manchmal auch mit dem eigenen Erdgas-Auto."

"Ich bin ein bisschen traurig, dass es so stockend vorangeht",
zeigt sich Engert enttäuscht. "Wenn der Industrie kein Anstoß von
politischer Seite gegeben wird, wird sich wenig ändern. Einer muss
halt anfangen!" Engert ist überzeugt davon, dass sich trotz
blockierender Haltung in der Politik in zehn Jahren schon 200.000
E-Autos auf Österreichs Straßen befinden könnten. Auf eine derartige
Hochrechnung lässt Vassilakou sich nicht ein, weil sie dies als reine
Zahlenspiele sieht. Für sie liegt die Zukunft in der Verbesserung und
Verdichtung des öffentlichen Verkehrs in Randlagen, dem weiteren
Ausbau des Radnetzes und einer Bewusstseinsänderung in der
Bevölkerung. "Vielleicht kommt es auch einfach dazu, dass sich eine
Familie überlegt, ob ein Zweitauto wirklich notwendig ist."

Bei der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde das
Gespräch um die politische Dimension erweitert. Vassilakou kündigte
eine große Car-Sharing-Aktion der Stadt Wien an, die unmittelbar
bevorstehe. Prof. Bernd Lötsch, vormaliger Generaldirektor des
Naturhistorischen Museums Wien und einer der Wegbereiter der
österreichischen Ökologiebewegung, meldete sich aus dem Publikum mit
der Sorge, dass die enorme Abhängigkeit von den Energieversorgern
dann die Politiker zwingen könnte, auch "Monsterprojekte"
durchzuwinken. "Andererseits haben wir bereits sehr früh, nämlich in
den 70er-Jahren, die Elektromobilität herbeigesehnt. Als
Brückentechnologie ist sie womöglich von entscheidender Bedeutung, um
überhaupt den nächsten Schritt setzen zu können."

Die Raiffeisen-Leasing, eine 100%ige Tochtergesellschaft der
Raiffeisen-Bankengruppe, ist seit über 40 Jahren erfolgreich im In-
und Ausland tätig. Das Angebot beinhaltet sämtliche Formen des Kfz-,
Mobilien- und Immobilien-Leasing, umfassende Dienstleistungen wie
Bau- und Fuhrparkmanagement sowie Bauträgergeschäfte,
Betreibermodelle und Contracting. Zusätzlich zu den klassischen
Leasingfinanzierungen hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren
verstärkt dem Thema der erneuerbaren Energien zugewandt und zählt in
diesem Segment bereits zu den größten Investoren in Österreich. Die
Palette reicht von Projekten im Bereich der Windkraft über
Biotreibstoffe-, Biomasse- sowie Photovoltaikanlagen bis hin zur
Wasserkraft. Darüber hinaus engagiert sich die Raiffeisen-Leasing für
den Einsatz ökologischer Antriebe bei Fahrzeugen sowie die Forcierung
von Elektromobilität.

Weitere Bilder unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/1936

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
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Hollandstraße 11-13,
1020 Wien
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Prok. Mag. Andrea Weber,
Leitung Marketing & PR
Tel: +43 1 716 01-8440,
Fax-DW 98440
E-Mail: andrea.weber@rl.co.at

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