• 10.06.2011, 08:52:41
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Sima: 50 Jahre "Beag aus Mist"

Deponie Rautenweg garantiert Sicherheit für die Wiener Abfallentsorgung

Wien (OTS) - Als "höchster Berg" der Donaustadt feiert die Deponie
Rautenweg dieser Tage ihren 50. Geburtstag. "Die Deponie ist heute
eine Hightech-Anlage und ein wesentliches Element der
Entsorgungskette, die die Stadt Wien in eigenen Händen hält und damit
Abfallentsorgung auf höchstem Umweltniveau garantierten kann", so
Umweltstadträtin Ulli Sima. Neben modernsten Entsorgungsmethoden
setzt die MA 48 auch auf Artenschutz auf der Deponie - so sie ist
Heimat von Bergziegen und der streng geschützten Haubenlerche.
Umweltstadträtin Ulli Sima präsentierte gestern Abend anlässlich des
Jubiläums das "Deponiebuch - Beag aus Mist".

Von der Mistgrube zur wichtigen Drehscheibe der Wiener
Abfallwirtschaft

Die Deponie Rautenweg ist die einzige kommunale Reststoffdeponie
Wiens. Das Areal umfasst eine Fläche von etwa 60 Hektar und besteht
seit den 1960er-Jahren. Ursprünglich wurde der Standort als
Schottergrube genutzt, die erste behördliche Bewilligung als Nutzung
des Standortes für die Ablagerung von Abfällen erfolgte 1961. Mit 14
Millionen Kubikmeter genehmigtem Schüttvolumen ist sie die größte
Deponie Österreichs. In den letzten 50 Jahren wurden ca. 10 Millionen
Kubikmeter an Abfällen abgelagert. Seit 1. Jänner 2009 dürfen laut
Deponieverordnung in Österreich keine unbehandelten Abfälle mehr
deponiert werden. "Die Stadt Wien hat vorgesorgt - mit der
Inbetriebnahme der Müllverbrennungsanlage Pfaffenau im Herbst 2008
ist die Ablagerung von Rest- und Sperrmüll Geschichte", betont Josef
Thon, Chef der MA 48. Mit der genehmigten Höhe von 45 m über
Straßenniveau ist der "Beag aus Mist", die Deponie Rautenweg, die
höchste Erhebung in der Donaustadt.

Ablagerung von Verbrennungsrückständen

Die Deponie dient heute nur noch der Ablagerung von Rückständen
aus den Wiener Müllverbrennungsanlagen. Aus einer Tonne Restmüll
entstehen bei der Verbrennung ca. 27 % Verbrennungsrückstände, das
heißt Schlacken und Aschen, welche 10 % des Volumens von Restmüll
aufweisen. Auch diese Abfälle müssen ordnungsgemäß entsorgt werden.
Nach einem Aufbereitungsschritt im nahegelegen Rinterzelt gelangen
jährlich über 200.0000 Tonnen Verbrennungsrückstände - befreit von
Eisen- und Buntmetallen - auf die Deponie Rautenweg.

Sicherung des Grundwassers bereits vor 25 Jahren

Im Juni 1986 erfolgte der Spatenstich für einen Meilenstein in der
Geschichte der Deponie: Die Sicherung des Standortes mit dem Wiener
Dichtwandkammersystem. Entlang der Grundgrenzen wurde die Deponie
durch zwei Dichtwände im Abstand von 8 m voneinander umschlossen. Es
erfolgt eine Trennung des Grundwassers innerhalb des Deponiekörpers
vom umliegenden Grundwasserkörper. Durch Verbinden der beiden
Dichtwände durch 49 Querschotten erfolgte eine Unterteilung des
Bereiches zwischen den beiden Dichtwänden in insgesamt 49
Dichtwandkammern, wobei jede jährlich auf Dichtheit überprüft wird.
Das abgepumpte Wasser wird in das Kanalsystem eingeleitet und in der
Kläranlage der Entsorgungsbetriebe Simmering (EbS) gereinigt. Durch
diese Maßnahmen wird gewährleistet, dass Wasser aus der Deponie nicht
unkontrolliert in die Umgebung austreten kann.

Mist wird zu Energie - Saubererer Strom aus Deponiegas

Bei den biologischen Abbauvorgängen entsteht auch heute noch
Deponiegas in Form von Methan. Dieses Gas hat einen sehr hohen
Heizwert, welches durch energetische Verwertung zu Strom genutzt
wird. 160 Gasbrunnen, 10 Kilometer lange Gassammelleitungen und eine
Verdichterstation sorgen als aktive Entgasungsanlage bereits seit
1994 dafür, dass aus dem ansonsten klimaschädlichen methanhältigen
Deponiegas sauberer Strom entsteht, welcher in das Netz der Wienstrom
eingeleitet wird. In den letzten 17 Jahren wurden ca. 191 Mio. m3
abgesaugt und daraus 328 Mio. kW/h Strom produziert. Diese
Energiemenge entspricht dem Jahresstrombedarf von rund 131.000
Haushalten. Da die biologischen Abbauprozesse in den Alt-Ablagerungen
mit der Zeit abnehmen und seit 2009 kein organisches "Futter" in Form
von unbehandeltem Restmüll mehr abgelagert wird, wird auch weniger
Deponiegas abgesaugt: Die Abnahme der biologischen Abbauprozesse in
den Altablagerungen geht einher mit dem abnehmenden Trend der
jährliche abgesaugten Deponiegasmenge und damit auch mit der
Stromerzeugung. Dennoch konnten 2010 noch 2.700 Haushalte mit Strom
versorgt werden. Aus heutiger Sicht kann auch in Zukunft, d.h. bis
zumindest 2025, Strom auf der Deponie Rautenweg sinnvoll verwertet
werden.

Fauna und Flora: Bergziegen fühlen sich wohl auf der Deponie

Die Deponie Rautenweg bietet für viele Pflanzen, Säugetiere, Vögel
und Insekten einen einzigartigen Lebensraum, aufgrund seiner
steppenartigen Beschaffenheit. Egal, ob Enten, Krähen, Rehe, Hasen,
26 Schmetterlingsarten, 47 Spinnenarten, 43 Laufkäferarten,
Heuschrecken etc., die Deponie Rautenweg bietet ein wunderbares
Rückzuggebebiet für viele Tierarten und eine einzigartige Vegetation.
Manche Tierarten haben sich genau wegen des Deponiebetriebes
angesiedelt, der ideale Lebensbedingungen liefert: Die Haubenlerche,
ein Halbsteppenvogel, welche eine gemäß Wiener Naturschutzgesetz
streng geschützte Art mit Lebensraumschutz im gesamten Stadtgebiet
ist.

Seit Anfang der Neunzigerjahre ist die Deponie auch Lebensraum für
Pinzgauer Bergziegen. Sie halten den Bewuchs niedrig und dienen als
so genannte Bioindikatoren. Zu Beginn der Neunziger Jahre stand die
prinzipielle Überlegung im Raum, die immer größer werdenden
Grünflächen auf der Deponie mittels "natürlichen Rasenmähern" im
Bewuchs niedrig zu halten. Und auch wenn zu Beginn ein starker
funktionaler Aspekt überwog, diente die Ansiedlung nicht zuletzt auch
dem Artenschutz. Anfang der Neunzigerjahre gab es in ganz Österreich
nur noch knapp 200 Exemplare der Pinzgauer Bergziege. Dass seitdem
auf der Deponie an die 100 Kitze geboren wurden verdeutlicht die
Relevanz des Rautenwegs als Lebensraum für die höchst lebendigen
Tiere. Die Deponie Rautenweg ist aber auch für Botaniker ein
richtiges Eldorado: Bocksdorn, verschiedenste Disteln und Rosenarten,
Rauken, Greiskraut, Königskerzen, Karde, Rittersporn sind nur wenige
der zahlreichen Pflanzen, welche auf der Deponie zu finden sind. An
besonders trockenen Stellen, gibt es mit dem Zwerg-Schneckenklee eine
Pflanze, die sogar auf der roten Liste bedrohter Pflanzen ist.

"Beag aus Mist" - tolles Buch über die Deponie Rautenweg zu gewinnen

Die Deponie Rautenweg hat viele Geschichten zu erzählen, welche
nun anlässlich des runden Jubiläums auch im reichlich bebilderten
Buch niedergeschrieben wurden. Die Geschichten reichen vom Umgang mit
Müll im Wandel der Zeit, über die beeindruckende Technik und
Maschinen im Deponiebetrieb, über die Menschen bei der Arbeit, über
die Pflanzen und Tierwelt bis hin zur Sicht der Anderen über die
Deponie Rautenweg. Die Anderen sind Fachleute der Abfallwirtschaft
aber auch die Nachbarn der Deponie oder Prominente wie die Läuferin
Andrea Mayr, Willi Resetarits oder der Liedermacher und Dichter Ernst
Molden. Sie alle verbindet eine besondere Geschichte mit der Deponie.
Ernst Molden ist mit seinem eigens für die Deponie Rautenweg
kreierten Song "Beag aus Mist" auch Namensgeber für das Deponiebuch.
Das limitierte Buch wird über die Zentrale der MA 48 um 25 Euro
verkauft (1050 Wien, Einsiedlergasse 2, Erdgeschoss Zimmer 30, Mo-Fr
08:00-15:00).

Auf der Facebook-Seite der MA 48, www.facebook.com/die48er, werden
anlässlich des Jubiläums 20 Bücher über die Deponie Rautenweg
verlost. Einfach Gewinnfrage beantworten, und vielleicht ein Buch
gewinnen.

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/pressebilder

Rückfragehinweis:

Mag.a Anita Voraberger
   Mediensprecherin StRin Mag.a Ulli Sima
   Telefon: 01 4000-81353
   Mobil: 0664 16 58 655
   E-Mail: [email protected]
   www.natuerlich.wien.at

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