• 08.06.2011, 12:07:23
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Korosec zu Pflege-Begutachtung: Ja zu Pflegepersonal als Pflege-Gutachter. Schnellschüsse sind jedoch kontraproduktiv!

Völlig unverständlich, warum schon vor Experten-Endbericht und ohne Verhandlungen angebliche Ergebnisse präsentiert werden!

Wien (OTS) - "Sollen Pflegefachkräfte die Einstufung zum
Pflegegeld vornehmen dürfen, oder nicht? So lautet die aktuellste der
Pflegefragen. Ja, sagt dazu der Österreichische Seniorenbund, der
dies schon seit Jahren einfordert. Aber: Die Rahmenbedingungen
alleine werden entscheiden, ob diese Neuregelung ein Erfolg werden
kann, vor allem ein Erfolg im Sinne der Pflegebedürftigen. Es ist
daher völlig unverständlich, warum nun schon die ersten
"Entscheidungen" durch die Medien geistern, bevor jene
Expertenkommission, die das entsprechende Pilotprojekt beurteilen
soll, überhaupt ihren Endbericht vorgelegt hat! Anstatt
medienwirksame Schnellschüsse zu präsentierten, sollten nun eher
ernsthafte Verhandlungen unter Einbindung aller Systempartner
beginnen", erklärt LAbg. Ingrid Korosec,
Bundesobmann-Stellvertreterin des Österreichischen Seniorenbundes und
Landesvorsitzende des Wiener Seniorenbundes, anlässlich der aktuellen
Debatten und des heutigen Berichtes dazu in der Tageszeitung "Die
Presse".

Wo bei der Pflegegeld-Einstufung die Probleme liegen

"Mit einem Rechnungshofbericht wurden klar die Defizite des
Systems aufgezeigt: Begutachtungen dauerten zu lange, wurden nicht
nach einheitlichen Standard und von mehr als 300 verschiedenen
Stellen durchgeführt. Seither ist viel geschehen: Hauptverband der
Sozialversicherungsträger, Ärzte und BMASK haben gemeinsam sehr gute
Richtlinien für die Pflegegeldeinstufung erarbeitet. In der PVA hält
man sich vorbildlich an die Vorgaben hinsichtlich Dauer der Verfahren
und Ausbildung der Gutachter. Und die Sache mit den 300 Stellen ist
bekanntlich mit Jahresbeginn beendet", erklärt Korosec zu den
Entwicklungen der letzten beiden Jahren, fügt jedoch ihre Kritik an:

"Aber was nutzen die besten Vorgaben, wenn sie nicht eingehalten
werden? Laut diesen Bestimmungen müssten die tatsächlich pflegenden
Personen - ob pflegende Angehörige oder Fachkraft - I M M E R im
Zuge der Begutachtung befragt werden. Das werden sie aber
nachweislich in sehr vielen Fällen nicht. Daher wird auch die
Neuregelung nur erfolgreich sein können, wenn die jeweiligen
Gutachter - ob nun Ärzte oder Pflegefachkräfte - sich die Zeit für
diese wichtige Befragung der tatsächlich Pflegenden auch nehmen
(können)", so Korosec zur inhaltlichen Herausforderung.

Korosec: Ausbildung der Gutachter und Einhaltung der Vorgaben
garantieren!

Die Seniorenbund-Pflegeexpertin nennt die konkreten erforderlichen
Schritte:

"Freilich sollen auch Pflegefachkräfte Pflegegeldeinstufungen
vornehmen dürfen. Dazu bedarf es jedoch künftig einer qualitativ
hochwertigen Aus- und Weiterbildung der Gutachter - bei Ärzten und
Pflegefachkräften. Und die schon jetzt tätigen Obergutachter
(Chefärzte) müssen konsequent jedes unvollständig ausgefüllte
Gutachten (wenn zB die Befragung der tatsächlich Pflegenden fehlt)
den Gutachtern zurückwerfen und die Vervollständigung einfordern.
Auch die Kostenfrage wird zu klären sein - denn wer zwei Stunden
Begutachtungsarbeit einfordert, muss auch zwei Stunden bezahlen,
gleich ob den Ärzten oder den Pflegefachkräften!"

Dringender Appell: Keine Einzelaktionen bis Ende 2012!

Und abschließend wiederholt Korosec ihren dringenden Appell an
alle für die Pflege und Betreuung Verantwortlichen:

"Mit dem soeben erst im Ministerrat verabschiedeten Pflegefonds
haben wir uns einen Handlungsspielraum erarbeitet. Es besteht kein
Grund zu Panik und Schnellschüssen. Nutzen wir - wie geplant - die
Zeit bis Ende 2012: Alle System-Partner sollen an einen Tisch, wobei
das Ziel der Verhandlungen klar ist: Wir wollen eine
Pflegestrukturreform, die ein nachhaltig finanzierbares, bundesweit
mit Mindeststandards versehenes Pflegesystem sicherstellt, das Hilfe
aus einer Hand für alle Pflegebedürftigen in ganz Österreich
garantiert. Überhastete Einzelaktionen werden uns da keinen Schritt
weiter bringen!"

Rückfragehinweis:
Österreichischer Seniorenbund, Susanne Kofler,
Tel.: 0650-581-78-82, [email protected]; www.seniorenbund.at

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