• 06.06.2011, 15:14:51
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Tax Freedom Day 2011: Österreicher arbeiten länger, als die meisten anderen Steuerzahler weltweit für den Staat

PwC sieht enormes Verbesserungspotential im heimischen Steuersystem - AEC warnt: Hohe Steuer- und Abgabenleistungen wirken sich negativ auf Wirtschaftsstandort Österreich aus

Wien (OTS) - Ab dem Tax Freedom Day arbeitet der durchschnittliche
Steuerzahler theoretisch nicht mehr für den Staat, sondern nur noch
für sich selbst. Der heimische Steuerzahler ist hier - unabhängig von
der Berechnungsmethode - im internationalen Vergleich auf einer
schlechten Position. Das ergeben unabhängige Berechnungen des
Austrian Economics Center und von PwC Österreich. Um als
Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben, muss Österreich hier rasch
Verbesserungen umsetzen, so das AEC. PwC schlägt dazu konkrete
Maßnahmen vor: neben einer Entlastung des Faktors Arbeit könnte auch
eine Vereinfachung des Steuersystems dazu beitragen, die
Attraktivität des Wirtschaftsstandortes langfristig zu sichern. Das
Austrian Economics Center (AEC) rät die Verwaltungsreform in Angriff
zu nehmen und die Steuerlast für Unternehmen genauso wie die
Lohnnebenkosten für Arbeitnehmer zu senken.

Tax Freedom Day 2011 drei Tage später als 2010

Die historische Entwicklung des Steuerzahlertags zeigt, dass sich
der Tax Freedom Day in Österreich seit 1976 (damals noch 23. Juni),
weiter nach hinten verschoben hat. Seinen Höchststand erreichte er
2001, als der Durchschnittsösterreicher bis zum 22. August arbeiten
musste, um seinen Steuer- und Abgabensold zu erfüllen. Barbara Kolm,
Präsidentin des Austrian Economics Centers, befürchtet, dass auch die
steigende Staatsverschuldung und die damit einhergehende Belastung
für zukünftige Generationen eine starke Auswirkung auf den
Steuerzahlertag haben wird. Auch die Zahlungen und Haftungen für die
stark verschuldeten EU-Mitgliedsstaaten tragen das ihre dazu bei,
dass die Steuerlast steigen wird. Nach den Berechnungen des Austrian
Economics Center (Verhältnis Steuern und Abgaben zu Volkseinkommen)
wird dieser Tag 2011 am 31. Juli eintreten - 3 Tage später als im
vergangenen Jahr. Nach den Berechnungen von PwC (Verhältnis Steuern
und Abgaben zu Bruttoinlandsprodukt) arbeiten die heimischen
Steuerzahler seit 2. Juni nicht mehr für den Staat, sondern nur noch
für sich selbst. Unabhängig von der Berechnungsmethode liegt
Österreich im internationalen Vergleich auf einer schlechten
Position.

Das Austrian Economics Center sieht die politisch Verantwortlichen
gefordert. "Wir fordern endlich die Verwaltungsreform in Angriff zu
nehmen. Angesichts der Bilder von streikenden Menschen aus der
öffentlichen Verwaltung in Griechenland, welche die
Einsparungsmaßnahmen zur Sanierung des Haushaltsbudgets besonders
hart trifft, ist es hoch an der Zeit, unser Verwaltungssystem zu
durchforsten und dem Vorschlägen des Rechnungshofes nachkommen. Die
horrenden Kosten und Parallelitäten im Gesundheits- und
Bildungsbereich müssen gesenkt und abgeschafft werden. Wenn wir nicht
die Bilder von Griechenland bei uns haben wollen, sollten wir die
Signale verstehen und handeln", sagt Kolm.

Alle bisher getroffenen Maßnahmen des im März 2011 von der EU
beschlossenen Stabilitäts- und Wachstumspakts spalten Europa und
leisten dem Europa der zwei Geschwindigkeiten Vorschub. "Anstatt den
freien Markt entscheiden zu lassen, kosten diese Mechanismen den
Europäischen Steuerzahler (und damit auch dem österreichischen
Steuerzahler) nur noch mehr Geld, das verpufft, ihre Wirkung verfehlt
und unterstützt die wirtschaftliche Spirale des Schuldenaufbaus nach
oben", meint Kolm. "Ausgleichzahlungen an Griechenland, Portugal,
Irland und bald auch vielleicht an Spanien bringen Europa durch die
Anhäufung des Schuldenberges mehr Nachteile, als die vorgegebene
Rettung der Staaten."

Internationaler Standort-Wettbewerb

"Über alle unterschiedlichen Rankings hinweg liegt Österreich bei
der Effizienz seines Steuersystems weit abgeschlagen hinter den
meisten anderen Industrienationen. Österreicher arbeiten im Vergleich
zu vielen anderen Ländern deutlich länger für den Staat. Um aber im
internationalen Standort-Wettbewerb weiterhin punkten zu können,
bedarf es entsprechender steuerlicher Rahmenbedingungen. Sonst wird
Österreich im Wettbewerb der Volkswirtschaften nicht mehr mithalten
können", erklärt Friedrich Rödler, Senior Partner bei PwC Österreich.

Barbara Kolm, Präsidentin des Austrian Economics Center: "Sollten
sich die politisch Verantwortlichen nicht rasch entschließen, mutige
Handlungen zu setzen und mehr Ehrlichkeit dem Bürger gegenüber zu
zeigen, werden die jährlich steigenden Abgaben und Steuerleistungen
den Wirtschaftsstandort Österreich mehr und mehr für
Firmenansiedelungen und Headquarterstandorte unattraktiv machen. Wir
raten dringend die Steuerlast für Unternehmer genauso wie die
Lohnnebenkosten für Arbeitnehmer zu senken und den Start der längst
überfälligen Verwaltungsreform anzugehen."

Effizientes Steuersystem bei Standort-Wettbewerb entscheidend

Österreich wurde in den letzten Jahren von vielen Nachbarländern -
gerade auch aus Osteuropa - beim Steuersystem überholt. Die
Steuerbelastung spielt bei Standort- und Investitionsentscheidungen
von Unternehmen eine wichtige Rolle. Laut der von PwC für die
Weltbank durchgeführten Studie "Paying Taxes" belegt Österreich nur
Rang 104 unter 183 Ländern. "Mit kleinen Schräubchen wird man das
Problem in Österreich aber nicht mehr in den Griff bekommen. Es
bedarf einiger größerer grundsätzlicher Umstellungen", ergänzt
Rödler.

Entscheidend im Wettbewerb um das effizienteste Steuersystem sind
folgende drei Themen:

- Vereinfachung des Steuersystems: Eine Vereinfachung könnte etwa
  durch die Abschaffung von Nebensteuern wie beispielsweise der
  Werbeabgabe, diverser Gebühren oder der Gesellschaftssteuer eine
  deutliche Reduktion von Zahlungen bewirken. Auch die
  Lohnverrechnung ist mit den diversen unterschiedlichen
  Bemessungsgrundlagen für Lohnsteuer und Sozialversicherung mit
  hohen Verwaltungskosten für Unternehmen verbunden.

- Reduktion der Gesamtsteuerrate für Unternehmen: Die "Total Tax
  Rate" bezeichnet die gesamte Steuerlast (Summe aller direkten und
  indirekten Steuern und Abgaben) als Prozentsatz des
  Unternehmensgewinns vor Steuern. Der zitierten aktuellen PwC
  Studie zufolge liegt diese Gesamtsteuerrate bei dem der Studie zu
  Grunde gelegten Unternehmen bei 55,5%, und damit deutlich über dem
  weltweiten Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen von 47,8% (EU:
  44,2%). Um diesen überdurchschnittlichen Steueraufwand zu
  reduzieren, bedarf es vor allem einer Senkung der Lohnnebenkosten,
  welche sich in Österreich auf ein Drittel (34%) der
  Gesamtsteuerrate belaufen. Des Weiteren würden Maßnahmen zur
  Eigenkapitalstärkung wie beispielsweise die Einführung einer
  Eigenkapitalverzinsung und die Abschaffung der Gesellschaftsteuer
  eine Entlastung der Unternehmen bewirken.

- Einsatz von Smarter-Taxes: Steuern sollten für den Fiskus
  effizient und kostengünstig zu verwalten, und auf der anderen
  Seite treffsicher und nicht leicht zu umgehen sein. Es ist
  dringend an der Zeit, das Niveau und die Wirkung einzelner Steuern
  zueinander zu prüfen. Niedrigere Steuern müssen nicht automatisch
  niedrigere Einnahmen bedeuten.

Die exakte Berechnung des TFD sowie Grafiken und Details finden
Sie zum Download unter www.taxfreedomday.at

Den detaillierten PwC Bericht "Paying Taxes 2011" mit Grafiken
finden Sie zum Download unter www.pwc.com/payingtaxes

Rückfragehinweis:

Mag. Sabine Müllauer-Ohev Ami
   Leitung Corporate Communications
   PwC Österreich
   Tel. 01 / 50188-5100
   [email protected]
   
   Dorothee Sommeregger
   Austrian Economics Center
   A-1010 Vienna, Jasomirgottstraße 3/11
   Tel. 01 / 5051349-32
   [email protected]

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