- 30.05.2011, 09:38:55
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Die Ärzteschaft will Menschen gesund machen und nicht nur ständig anwachsende Verwaltungsvorgaben erfüllen
Viele Probleme mit ELGA sind noch ungeklärt: Wer soll eigentlich die enorme Datenflut managen?
Wien (OTS) - "Der Ansatz, dass alle Patientendaten gesammelt und
gespeichert werden und bei Bedarf von den an der Behandlung
beteiligten Gesundheitsdienstleistern abgerufen werden können, sieht
auf den ersten Blick sehr verlockend aus", so Dr. Christoph Reisner,
Präsident der NÖ Ärztekammer. "Den Patientinnen und Patienten wird so
erfolgreich suggeriert, dass das ein geeigneter Weg sei, bei jedem
Arztbesuch die persönliche Krankengeschichte übersichtlich zum
Vorteil bei der Behandlung parat zu haben."
Das ist aus Sicht von Präsident Dr. Reisner zwar theoretisch
korrekt, bedarf aber einer umfangreichen Wartung, über die nach
seinem Informationsstand noch kein Wort verloren wurde. "Wenn einfach
nur alle medizinischen Informationen wie sie anfallen gespeichert
werden, entsteht ein Datenkonvolut, aus dem man ohne Nachbearbeitung
mit der Zeit immer weniger nützliche Informationen gewinnen kann."
Daher ist es aus seiner Sicht notwendig, aus der ständigen Datenflut
ununterbrochen die Informationen herauszufiltern, die für eine rasche
und effektive Behandlung in Folge wichtig sind.
Geschätzter Zusatzaufwand durch Datenpflege: Im
Euro-Milliardenbereich
Möglicherweise geht man davon aus, dass die Ärzteschaft - so wie
in vielen Angelegenheiten - die Wartung der elektronischen
Gesundheitsakte quasi nebenher mitmacht. "Nach meiner Hochrechung ist
das jedoch unter Berücksichtigung der bestehenden Situation im
österreichischen Gesundheitswesen unmöglich: Wir Ärztinnen und Ärzte
arbeiten bereits heute an unserer Leistungsgrenze, egal ob im Spital
oder in der Niederlassung. Die Honorare sind immer weniger
kostendeckend, schuld daran ist vor allem das bereits heute schon
bestehende aufgeblähte Bürokratieerfordernis", so Präsident Dr.
Reisner.
Wenn man den anfallenden Aufwand für die ELGA-Datenpflege aufgrund
der Patientenanzahl, der durchschnittlichen Behandlungsanzahl und
entsprechender Honorarsätze - beispielsweise von Buchhaltungskräften
- hochrechnet, kommt man auf notwendige Beträge im
Euro-Milliardenbereich pro Jahr an Zusatzkosten für das Sozialsystem.
"Die Wartung dieser Daten ist eine hochqualifizierte Tätigkeit, die
entweder von uns Ärztinnen und Ärzten oder eigens dafür zu schulenden
Kräften erledigt werden kann. Bezahlt werden muss es am Ende des
Tages jedenfalls", so Präsident Dr. Reisner. "Oder man nimmt in Kauf,
dass die dafür benötigte Zeit woanders fehlt, beispielsweise bei der
ärztlichen Tätigkeit. Hierbei besteht allerdings die Gefahr, dass wir
Ärztinnen und Ärzte zu reinen Datenmanagern verkommen. Dies würde den
Arztberuf weiter unattraktiv machen und die derzeit schon bestehenden
Stellenbesetzungsprobleme noch verschärfen."
Politischer Wille für schlanke Lösung fehlt
Aus seiner Sicht kommt dafür beispielsweise ein neues Berufsbild,
etwa der "ELGA-Datenpfleger" in Frage. Diese müssten
selbstverständlich vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger
geschult und bezahlt werden. "Damit auch klar ist, wo die
medizinische Verantwortung zu liegen hat, die durch die
Datenbearbeitung mittels ELGA entsteht. "Nämlich bei denen, die
dieses elektronische Monsterprojekt unbedingt haben wollen."
Viel einfacher, besser und zielführender ließen sich die
anscheinend bestehenden Probleme bei der Dokumentation von
Patientendaten aus der Sicht des Präsidenten über das Hausarztmodell
lösen. "Unsere Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner
verfügen im Rahmen ihrer Tätigkeit in ihren Ordinationen heutzutage
flächendeckend über alle notwendigen EDV-Instrumente, um eine
preiswerte, effektive Kanalisation und Pflege aller Patientendaten zu
gewährleisten. Bei den jeweiligen Hausärztinnen und Hausärzten
müssten alle wichtigen Informationen zusammenlaufen, das wäre ideal.
Es fehlt lediglich der politische Wille dieses Modell einer schlanken
Lösung auch umzusetzen", so die Einschätzung von Dr. Reisner.
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at
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