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OTS0155   26. Mai 2011, 12:11

Falter: Grasser soll 2 Millionen Euro nachzahlen

Steuerfahndung vermutet Abgabenhinterziehung in der Höhe von zwei Millionen Euro. Vier Millionen Euro zusätzliche Geldstrafe und bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe drohen.


Dem ehemaligen Österreichische Finanzminister
Karl-Heinz Grasser droht eine enorme Steuernachzahlung. Das
bestätigten Ermittler heute gegenüber der Wiener Wochenzeitung Falter
und Falter.at nach mehreren Hausdurchsuchungen in Grassers Wohnungen,
Häusern und Firmen.

Grasser soll über eine komplizierte Stiftungskonstruktion
Einnahmen in der Höhe von mehr als vier Millionen Euro der Finanz
verheimlicht haben, so die Informationen des Falter. Die
Steuerfahndung geht davon aus, dass rund 50 Prozent davon als Steuern
nachzuzahlen sind. Des weiteren droht Grasser gemäß Paragraf 33
Finanzstrafgesetz eine Finanzstrafe in der doppelten Höhe des
hinterzogenen Betrages, also rund vier Millionen Euro, so ein Kenner
des Falles. Auch eine Freiheitsstrafe "bis zu zwei Jahren" sieht das
Finanzstrafgesetz vor. "Wir sind ziemlich zuversichtlich, dass er
eine Nachzahlung leisten muss. Der Fall ist wie aus dem Handbuch für
internationalen Steuerbetrug", so ein Ermittler.

Nicht nur Grasser wird der schweren Steuerhinterziehung
beschuldigt, auch sein Steuerberater soll als Mittäter an der
Konstruktion von Scheinfirmen mitgearbeitet haben. Die Steuerfahnder
trugen heute Kisten an Material aus der Steuerberatungskanzlei.
Dieses wurde allerdings versiegelt, da die Unterlagen von
Steuerberatern einem speziellen Berufsschutz unterliegen und nur mit
richterlicher Genehmigung bei einem schweren Strafdelikt verwertet
werden dürfen.

Karl Heinz Grasser weist dem Vernehmen nach alle Vorwürfe zurück.
Seine liechtensteinschen Stiftungen seien von Steuerberatern korrekt
errichtet und der Finanz gemeldet worden. Er und sein Steuerberater
seien völlig unschuldig. Die Finanz hingegen betont, dass Grasser nur
einen Teil seiner Firmenkonstruktionen offen gelegt hat. "Er hat auf
einen Milchmädchentrick gesetzt", so ein Kenner des Falles.

Die Ermittler suchen nun vor allem nach Mandatsverträgen mit den
Stiftungsorganen, aus denen sich ergeben könnte, dass das in
Stiftungen in Liechtenstein angelegte Geld in Wirklichkeit nur
Grasser zukommen sollte.

Wie der Falter berichtet, haben die Stiftungen, die angeblich
nichts mit Grasser zu tun haben, sondern nur sein Vermögen anlegen,
"zufällig" vor allem in Immobilien investiert, in denen Grasser
wohnt. Die Steuerfahnung wertet dies als Hinweis, "dass die
Stiftungen in Liechtenstein in Wahrheit nichts anderes als Sparbücher
waren, die Grasser dem Zugriff der Finanz entziehen wollte".

Fraglich ist, ob die Zuhilfenahme eines Steuerberaters den
Ex-Finanzminister von einem Steuerhinterziehungsvorsatz befreit. "Ein
Finanzminister, der sich auf seinen Steuerberater ausredet, wird wohl
nicht wirklich glaubwürdig sein", sagt ein Ermittler in dem Fall.

Einen umfassenden Bericht bringt der Falter in seiner kommenden
Ausgabe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
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Falter Redaktion Politik
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