• 26.05.2011, 08:45:31
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Schlägerungsstopp in Nationalparks fordern BirdLife, WWF und Umweltdachverband

Wien (OTS) - Unter dem Deckmantel der Borkenkäferbekämpfung werden
in den Nationalparks Gesäuse und Kalkalpen nicht nur rigorose
Schlägerungen durchgeführt. Ganz nebenbei lassen sich im Nationalpark
Gesäuse so auch Forststraßen sanieren und neu errichten. Der Grund:
Umliegende Wirtschaftsbetriebe vornehmlich der Steirischen
Landesforste, das Forstgesetz und Behörden zwingen die
Nationalpark-Direktoren, harte Eingriffe auch in den Natur- und
Kernzonen der Nationalparks vorzunehmen.

Dabei sind sich die Ökologen einig: In Wirklichkeit hilft der
Borkenkäfer beim Umbau von Monokulturen hin zu naturnahen Wäldern.
Die Fichten verschwinden dort, wo sie nicht hingehören und junge,
standortgerechte Laubbäume wie Buchen oder Bergahorn können
nachwachsen. In natürlichen subalpinen Fichtenwäldern trägt der
Borkenkäfer nach den Sturmereignissen wie Emma und Kyrill zur
flächigen Verjüngung bei. Dies ist ein ganz natürlicher Prozess.
Anders als Laubwälder verjüngen sich Fichtenwälder großflächig und in
der Regel nach Katastrophen wie Windwürfen oder Schneebrüchen.

Daher fordern BirdLife, WWF und Umweltdachverband: Alle
Waldflächen in Nationalparks sind gesetzlich Wälder mit besonderem
Lebensraum, somit Biotopschutzwälder. Mittels eines eigenen
Verfahrens gemäß § 32 a Abs 2 des geltenden Forstgesetzes müssen dann
Ausnahmen von zwingenden Bestimmungen des Forstgesetzes - wie
Maßnahmen zur Borkenkäferbekämpfung - per Bescheid erteilt werden.
Das muss nun aktiv angegangen werden, fordern die
Umweltschutzorganisationen BirdLife, WWF und Umweltdachverband.

Einzelne "Hardcore-Forstexperten" bremsen nach wie vor diesen
naturnahen Weg. Erst der bewusste Verzicht auf wirtschaftliche
Nutzung der Natur und die Förderung natürlicher Ökosysteme machen
einen richtigen Nationalpark aus.

Niederösterreich zeigt mit dem Wildnisgebiet Dürrenstein wie es
geht. Dort wird der Borkenkäfer außerhalb des Schutzgebiets nur in
Abstimmung mit den umliegenden Wirtschaftsbetrieben reguliert", sagt
Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes.

Der Zusammenbruch ganzer Fichtenkulturen kommt für
BirdLife-Geschäftsführer Pfiffinger nicht von ungefähr:
"Fichtenmonokulturen in zu warmen und niederen Lagen sind die
reinsten Schädlingsbiotope, die sich die Forstwirtschaft oft selbst
geschaffen hat. Nicht genug, dass Naturwälder wirtschaftlichen
Monokulturen weichen mussten. "Nun müssen auch noch Nationalparks für
diese fragliche Praxis die Zeche zahlen", so Pfiffinger.

Auch der WWF mahnt zu größter Zurückhaltung beim
Borkenkäfer-Management in Schutzgebieten. "Die Schaffung von
großflächigen Nicht-Eingriffszonen ist eine wichtige Strategie beim
Schutz der Artenvielfalt in den heimischen Wäldern" sagt Bernhard
Kohler, Leiter des Österreich Programms im WWF. "Wir dürfen diese vom
Menschen unbeeinflussten Nationalpark-Kernzonen nicht nach den
herkömmlichen forstwirtschaftlichen Rezepten behandeln, sondern
müssen die Chancen nutzen, die sich hier ergeben. Nur anhand der
Wildnis können wir verstehen, wie die Natur eigentlich funktioniert".
Der WWF ist überzeugt, dass von einem konsequenten Wildnisschutz
letztlich auch die Forstwirtschaft profitieren wird.

Diese Position der NGOs entspricht klar dem internationalen
Übereinkommen der Biologischen Vielfalt das auch Österreich 1995
unterzeichnet hat (BG Bl. 213/95)

Rückfragehinweis:

BirdLife: Mag. Bettina Klöpzig, Pressesprecherin, Tel. 069918155565
   
   WWF: Dr. Bernhard Kohler, Programmleiter Österreich
   Tel. 067683488281
   
   Umweltdachverband: Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident UWD
   Tel. 06643818462

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