• 20.05.2011, 11:30:55
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Wer sind die Diebe des Genießens? - BILD

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/465
Wien - Was hat es mit dem Narzissmus der Gegenwartskultur auf sich? Warum versetzt uns alles in Panik, wenn wir außer uns selbst nichts haben, wovon wir überzeugt sind? Warum rufen gerade "antiautoritäre" Narzissten nach einem verbietenden Staat? Warum entpuppt sich die vermeintlich Maßvolle immer mehr als masslose Mäßigung? Sind diese Entwicklungen einfach eine vorübergehende Modeerscheinung oder stellen sie einen gefährlichen Trend dar?

Wien (OTS) - Am Mittwochabend, den 18. Mai trafen sich die
Psychoanalytikerin Beate Hofstadler und die beiden Philosophen Robert
Pfaller und Fahim Amir zu einer angeregten Diskussion über Genuss,
Gesundheit und Gesellschaft mit dem Titel "Die Lust am Verbieten: Wer
sind die Diebe des Genießens?" im Café Prückel in Wien.

Wir leben in einer Pseudo-Genuss-Gesellschaft, die sich in ihrem
Gesundheitswahn zwanghaft damit beschäftigt alles, was mit Genuss zu
tun hat schlecht zu machen und es verbieten zu wollen. Genuss wird in
der heutigen Gesellschaft mit Gesundheit verwechselt und somit
automatisch mit Kosten und Risiken verbunden. "Gesund ist heute wer
immer jünger wird und interessanterweise zieht der Begriff der
Sauberkeit in diese Diskussion ein. Genuss heißt eigentlich gesund
leben und gesund sein heißt, sauber sein und jugendlich sein. Es
bedient den Jugendwahn, auch mit der Größenphantasie der
Unsterblichkeit", kritisiert Hofstadler

Genießen heißt gleich sündigen

Wer genießt, der sündigt auch. Dies ermöglicht die "Konstruktion
des Asozialen", so Hofstadler "wenn du rauchst, verpestest du meine
Luft und schädigst mich und ich kann dann nicht gesund leben". Alles
was der Mensch tut kommt derzeit einem dauerhaften Sündenfall gleich:
Urlaubsreisen sind Ökologiesünden, Essen macht dick, Trinken ist
ungesund und Rauchen sowieso. "Es geht um eine Debatte zwischen
Leuten, die etwas Totales wollen und Leuten die etwas Geregeltes
wollen. Daher rührt aus meiner Sicht", so Pfaller "auch die
eigenartige Leidenschaftlichkeit, mit der die Debatte geführt wird,
denn das Totale ist meistens etwas Eingebildetes". Und Genießen wird
heute als etwas Totales empfunden. Man missgönnt anderen deren
Genuss, weil man sich selbst nicht mehr traut zu genießen.

Die cleane Gesellschaft

"Früher gehörte die Tabakkultur zur öffentlichen Rolle", erinnert
Pfaller "heute glaubt man, wenn man einen Raucher sieht, der geht
jetzt wieder seiner perversen, krankhaften Neigung nach, das soll er
doch bitte wenn schon dann zuhause machen". Lust wird in diesem Sinne
als narzisstische Neigung wahrgenommen. Aus dieser
"Lustfeindlichkeit" heraus, wie Amir sie bezeichnet, hat sich eine
cleane Gesellschaft entwickelt, hinter der sich eine neue
Bürgerlichkeit verbirgt, die den Rausch der Reinheit gegenüberstellt
und die Einstellung vertritt "mein Körper ist mein Tempel".

Verbote als Ablenkungsmanöver

Pfaller wirft der Politik vor, durch Regulierungen wie
beispielsweise das Rauchverbot nur vom Wesentlichen ablenken zu
wollen. Davon, dass der Staat nicht im Stande sei in ausreichendem
Maße für Pensionen und Bildung zu sorgen. Davon dass es eigentlich
viel größere Probleme als die Raucher gibt, zum Beispiel die
Atomkraft, die Klimakatastrophe und viele mehr.

Schluss mit Lustig.

Doch um die Menschen davon abzulenken, dass es eigentlich
wichtigere Dinge gäbe, um die man sich kümmern sollte, werden weder
Kosten noch Mühen gescheut, um mit großem Ehrgeiz den Menschen den
Genuss der kleinen Dinge auszutreiben. Denn wer genießt, der ist
"schwach" und hat noch nicht begriffen wie schädlich doch sein Genuss
für sich selbst und Dritte ist. Mit Verboten und Regulierungen soll
Genießern deshalb geholfen werden, sich in einer zwänglerischen vom
Gesundheitswahn befallenen Gesellschaft zurechtzufinden. Darüber
freuen können sich in jedem Fall, diejenigen, die bereits verlernt
haben zu genießen. Sie müssen bald niemandem mehr beim Genießen
zusehen und können endlich ungestört ihrem Jugend- und
Gesundheitswahn frönen.

Weiteres Bildmaterial finden Sie unter
www.apa-fotoservice.at/galerie/465/

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
Anna Harmer, LLB, MA
Ecker & Partner Öffentlichkeitsarbeit und Public Affairs GmbH
Austria I 1060 Wien I Loquaiplatz 12
Telefon +43 (0)1 59932-33
[email protected]

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