- 18.05.2011, 09:00:41
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Fraunhofer Kaminabend: Fraunhofer fordert mehr Wandlungsfähigkeit von den Unternehmen
Wien (OTS) - Der zweite Fraunhofer Kaminabend 2011 hat es auf den
Punkt gebracht: Die Fähigkeit, auf Marktschwankungen zu reagieren,
ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um als Unternehmen
wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Mit Ad-hoc-Entscheidungen können
kurzfristig Krisensituationen bewältigt werden. Massive
Kostenvorteile lassen sich aber nur durch kontinuierliches Anpassen
des Flexibilitätskorridors durch Wandlungsfähigkeit erzielen.
Zunehmende Kundenorientierung und die damit verbundene
Individualisierung der Produkte generieren bei Industrieunternehmen
Nachfrageschwankungen, die von ihnen eine äußerst hohe Flexibilität
abverlangen. Schwankungen, die über ihren vorhandenen
Flexibilitätskorridor hinaus gehen, können in der Regel nur mit
Zusatzkosten abgearbeitet werden. In nahezu allen Branchen haben
Unternehmen mit unterschiedlichsten Konzepten und Strategien
versucht, dieser Herausforderung mit Notfallmaßnahmen kurzfristig
gerecht zu werden. Selten aber haben sie Konzepte entwickelt, die
sich mit einer kontinuierlichen Anpassung ihrer Flexibilität
auseinandersetzten. Die aktuelle Japankrise hat verdeutlicht, dass
die in vielen Unternehmen entstandenen Lieferengpässe etwa in der
Elektronik oder Automobilbranche lediglich mit immensem finanziellem
Aufwand behoben werden konnten. Der Grund: Sie hatten keine
wandlungsfähigen Produktions- und Logistikstrukturen vorgehalten, die
eine notwendige Anpassung ihrer Flexibilität ermöglicht hätten.
Fraunhofer Austria hat die Bedeutung einer kontinuierlichen
Anpassung der Unternehmensflexibilität durch wandlungsfähige
Produktions- und Logistikstrukturen erkannt und ihre erfolgreiche
Umsetzung in unterschiedlichen Industrieprojekten aufgezeigt. Damit
konnten die Forscher von Fraunhofer beweisen, wie Unternehmen
effizienter, vor allem wirtschaftlich auf Veränderungen des Marktes
reagieren können.
Eingriffe in die Produktions- und Logistikstruktur
Die Wandlungsfähigkeit eines Unternehmens zu verbessern, bedeutet
nicht nur flexibel innerhalb eines festgelegten Rahmens zu reagieren,
sondern diesen auch kontinuierlich anzupassen. Möchte ein Unternehmen
wandlungsfähig sein, erfordert dies in aller Regel eine permanente
Veränderung der Produktions- und Logistikstruktur, über die der
Kundenbedarf vom Wareneingang des Unternehmens bis hin zur
Auslieferung zum Kunden geleitet wird. Gerade auch in der letzten
Finanzkrise wurde offenbar, dass wandlungsfähige Unternehmen deutlich
besser mit den Auftragseinbrüchen zurechtkamen. Flexibilität allein
reichte in den seltensten Fällen und viele Betriebe konnten Verluste
bis hin zu Insolvenzen nicht vermeiden - wandlungsfähige Unternehmen
hingegen gingen gestärkt aus der Krise, da das Gesamtsystem schnell
auf die geänderte Situation angepasst werden konnte und auf
niedrigerem Niveau weiterhin profitabel gewirtschaftet wurde.
Einsparpotenzial in Produktion und Logistik
In der Produktion ermöglichen wandlungsfähige Strukturen zum
Beispiel eine regelmäßige, wirtschaftliche Anpassung des
Produktionslayouts an die neuen Marktbedingungen. Diese können durch
veränderte Nachfragen von Produkten oder Mengenentwicklungen seitens
des Marktes notwendig werden. "Mit der Einführung eines flexiblen
Produktionslayouts konnten wir bei einem Industriekunden eine
Aufwandsreduzierung von über 25 Prozent generieren," weiß Wilfried
Sihn, Geschäftsführer von Fraunhofer Austria beim zweiten Fraunhofer
Kaminabend von einem konkreten Praxisfall zu berichten. Ähnlich
erfolgreich können Unternehmen im Bereich der Logistik agieren und
sich zum Beispiel durch die Änderung ihrer Beschaffungsstrategien
Vorteile in Hinblick auf Unruhekosten - also die Kosten durch
ungeplante Maßnahmen - verschaffen. Als weiteres Beispiel indirekter
Erhöhung der Wandlungsfähigkeit, gilt die unternehmensübergreifende
Bündelung von Materialströmen. Schwankungen in den Bedarfen einzelner
Unternehmen werden ausgeglichen und Auslastungsrisiken geteilt. Hier
konnte Fraunhofer Austria in einem Projekt eine Reduktion der
Logistikkosten um 14 Prozent nachweisen.
Wandlungsfähigkeit am praktischen Beispiel
Was Wandlungsfähigkeit in der Praxis bedeuten kann, erklärte am
Fraunhofer Kaminabend Dipl.-Ing. Thomas Saiko, Werkleiter der Trumpf
Maschinen Austria GmbH & Co KG mit der hohen Reaktionsfähigkeit
seines Unternehmens. Trotz absoluter Fokussierung auf Prinzipien der
schlanken Produktion ist das Maschinenbauunternehmen nach wie vor
extrem flexibel. "Auf Auftragsschwankungen bis zu vierzig Prozent ist
das Unternehmen vorbereitet", so Thomas Saiko. "Doch das schaffen wir
nur dadurch, dass wir uns immer wieder am Kundenbedarf ausrichten und
die Mitarbeiter kontinuierlich schulen."
Die genannten Beispiele zeigen, wie durch die Erhöhung der
Wandlungsfähigkeit der Unternehmen in den Bereichen Produktion und
Logistik Einsparpotenziale erzielt werden können und gleichzeitig
besser auf die zunehmende Turbulenz der Märkte reagiert werden kann.
Unternehmen müssen zur Realisierung ihre individuellen Stellhebel zur
Wandlungsfähigkeit identifizieren. Fraunhofer verfügt hierzu über
unterstützende Methoden und Tools um Unternehmen optimal zu
unterstützen.
Rückfragehinweis:
Fraunhofer Austria Research GmbH
Dipl.- Ing. Daniel Palm
Telefon +43 1 504 6906
[email protected]
www.fraunhofer.at
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