- 13.05.2011, 10:15:31
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Huainigg: Landesrat Ackerl diskriminiert blindes Paar
Durch Adoption würde blindes Kind aus Schwellenland eine Chance erhalten
Wien (OTS/ÖVP-PK) - Schockiert zeigt sich Abg. Dr. Franz-Joseph
Huainigg über die Aussagen des oö. Landesrates Josef Ackerl zum
Adoptionsverfahren eines blinden Paares. "Von einem Soziallandesrat
würde ich mir mehr Sensibilität erwarten. Seine Kommentare, blinde
Eltern könnten ihr Kind etwa im Fall eines Sonnenbrandes oder eines
Zeckenbisses möglicherweise nicht entsprechend versorgen, zeigen,
dass er mit der Lebenswelt behinderter Menschen nicht vertraut ist",
kritisiert der ÖVP-Behindertensprecher die medialen Aussagen des
Landesrates.
Huainigg weist darauf, dass Menschen mit Sehbehinderungen ein anderes
Sensorium haben, um mit dem Alltag zurechtzukommen und das betroffene
Paar mit vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten und speziellen
Hilfsmitteln für blinde Menschen lebt. "Diese kommen auch einem
blinden Adoptivkind zugute, dass in einem Entwicklungsland vermutlich
nicht die gleichen Chancen hätte", betont Huainigg und erklärt:
"Blinde Eltern haben die besten Möglichkeiten, solch ein Kind adäquat
zu fördern und ihm die verschiedenste Möglichkeiten in der
Gesellschaft zu eröffnen - etwa durch Lesen mit Brailleschrift,
Vorleseprogramme am Computer oder Blindenleitsysteme. Welche
Lebensperspektiven hätte hingegen ein blindes Kind, wenn es in einem
osteuropäischen Waisenheim aufwächst?"
Die Vorgeschichte: Dietmar Janoschek und seine ebenfalls blinde
Lebensgefährtin Elfriede Dallinger bemühen sich seit fast einem Jahr
um die Zustimmung durch die BH Linz Land, ein blindes Waisenkind aus
einem Entwicklungsland adoptieren zu dürfen. "Wir haben alle
Voraussetzungen positiv erfüllt - was zwei beeidete und gerichtlich
zertifizierte Sachverständige unabhängig voneinander bestätigen",
sagt Dietmar Janoschek. Trotzdem erhalten Sie nicht die Zustimmung
der BH Linz Land, die, so Janoschek, das Kindeswohl bei blinden
Eltern gefährdet sieht. Es gebe einige allgemeine Überlegungen, die
gegen eine Adoption sprechen würden: Alltägliches wie ein Zeckenbiss,
ein Sonnenbrand oder das Auftreten eines Ausschlags könne mangels
Wahrnehmung zum ernsten Problem werden. Bei einem Unfall,
beispielsweise dem Sturz von einem Klettergerüst, sei eine adäquate
Erstversorgung nicht gewährleistet, begründete SPÖ-Landesrat Ackerl
die negative Entscheidung gegenüber den Medien.
Hier stellt Huainigg die Frage: "Was sind gute Eltern? Würde man
blinden Eltern auch ein eigenes Kind von der Jugendwohlfahrt
wegnehmen? Gerade im aktuellen Fall kann das betroffene Paar auf ein
gutes familiäres und freundschaftliches Unterstützungsnetz
zurückgreifen, darüber hinaus wird Hilfe durch Persönliche Assistenz
geleistet."
Die Stadt Wien praktiziert übrigens, was in Oberösterreich verweigert
wird: So konnte ein Ehepaar, wo der Mann blind und die Frau stark
sehbehindert ist, in Wien ein Kind adoptieren. "Das Kind hat sich gut
entwickelt und ist sowohl in der Familie als auch in der Gesellschaft
gut integriert", sagt Huainigg und betont vor diesem Hintergrund:
"Die Tatsache, dass den Eltern in Oberösterreich nicht einmal die
Beweggründe für die Ablehnung ausführlich erörtert worden sind, ist
unerträglich. Die Behörde hat die Argumente klar auf den Tisch zu
legen. Für mich steht dabei fest: Die Behinderung kann kein Grund
für die Ablehnung sein. Ackerl soll sich als Soziallandesrat würdig
erweisen, Gespräche mit seinen Kollegen in Wien führen und eine
vermittelnde Rolle einnehmen", so der ÖVP-Behindertensprecher
abschließend.
(Schluss)
Rückfragehinweis:
Pressestelle des ÖVP-Parlamentsklubs
Tel.: 01/40110/4436
http://www.oevpklub.at
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