- 12.05.2011, 10:49:34
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AKNÖ-Vollversammlung 2: "Menschenrecht auf barrierefreies Arbeiten umsetzen"
Gastreferat von Menschenrechtsexpertin Marianne Schulze beim NÖ ArbeitnehmerInnen-Parlament
St. Pölten (OTS) -
Die Menschenrechtsexpertin Marianne Schulze setzte sich in ihrem
Gastvortrag kritisch mit den Beschäftigungsverhältnissen und
Barrieren von Menschen mit Behinderung auseinander. Sie appellierte,
mit Offenheit auf Menschen mit Behinderung zuzugehen und sie bei
ihrer individuellen Entwicklung dort zu unterstützen, wo sie
Unterstützung brauchen. Die Situation von Menschen mit Behinderungen
am Arbeitsmarkt sei jedenfalls noch nicht zufriedenstellend.
Ztl.: Bildung zentraler Schlüssel zum Recht auf Arbeit
Menschen mit Behinderung müssen besondere Hürden überwinden. Diese
beginnen schon in der Schulzeit. "Sie werden oft in Sonderschulen
ausgebildet und somit vom mainstream separiert. Dann haben sie nur
bis zur neunten Schulstufe die Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Für
eine Schulbildung darüber hinaus bedarf es einer individuellen
Sondergenehmigung", so die Expertin.
Ztl.: Fünf Dimensionen der Barrierefreiheit
Die Gastreferentin ging bei ihrem Vortrag auf fünf Dimensionen ein,
die zur Barrierefreiheit für behinderte Menschen führen. Die soziale
Barrierefreiheit könne umgesetzt werden, wenn Vorurteile gegenüber
behinderten Menschen endlich abgebaut würden. Die kommunikative
Barrierefreiheit werde erreicht, wenn Menschen mit Behinderung Zugang
zu Kommunikationsmitteln bekommen, die sie individuell benötigen. Die
intellektuelle Barrierefreiheit mache erforderlich, dass
Gesetzestexte und so formuliert werden, dass alle Menschen sie
verstehen und wissen, was ihre Rechte sind. Die physische
Barrierefreiheit sieht vor, Barrieren durch Rampen, Aufzüge und
andere Einrichtungen flächendeckend abzuschaffen.
Besonders betonte die Gastreferentin die ökonomische
Barrierefreiheit. Menschen mit Behinderung würden durch die frühe
Trennung in der Schule und später im Berufsleben auch strukturell
marginalisiert. Vielfach können sie nicht selbst für ihren
Lebensunterhalt aufkommen und sind finanziell völlig abhängig von
ihrer Familie. Derzeit würden zwischen 19.000 und 20.000 Menschen in
"Beschäftigungstherapie" sein. Darüber hinaus sei die
Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderung doppelt so hoch wie
jene der Menschen ohne Behinderung. Daher sei es besonders wichtig,
die Weichen für inklusives Arbeiten zu stellen. "Inklusives Arbeiten
bedeutet, dass es keine separaten Beschäftigungsformen mehr gibt,
sondern behinderte Menschen in der gesellschaftlichen Mitte
aufgenommen werden", sagt Schulze.
Ztl.:Recht auf persönliche Assistenz
Das Recht zur Bereitstellung einer persönlichen Assistenz für
Menschen mit Behinderung wäre ein wichtiger Schritt zur
Barrierefreiheit. "Wir müssen schauen, welchen Unterstützungsbedarf
die Menschen haben und wir brauchen dringend Übergangsphasen, um von
Beschäftigungstherapien und Werkstätten hin zum inklusiven,
barrierefreien Arbeiten zu kommen", betont die Expertin.
Rückfragehinweis:
AKNÖ-Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Bettina Heise, Tel: 01/58883-1511
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Mag. Bettina Heise
Tel: 01/58883-1511
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