Tumpel: Ausbildung, höhere Erwerbsquoten und Gesundheit sind Basis für eine sicheres Sozial- und Pensionssystem
Massive Kritik an der EU Politik wegen lascher Bekämpfung von Spekulation und wegen Zögerns bei der Finanztransaktionssteuer
Wien (OTS) - Gegen eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters
und gegen eine vorzeitige Abschaffung der Hacklerregelung spricht
sich AK Präsident Herbert Tumpel heute vor der 155. Volversammlung
der AK Wien aus. "Ausbildung, höhere Erwerbsquoten und der Erhalt der
Gesundheit sind Basis für ein sicheres Sozial- und Pensionssystem",
sagt Tumpel: "Das bringt nicht nur dem einzelnen Betroffenen etwas,
das hilft auch unser Sozialsystem abzusichern." Tumpel kritisert in
diesem Zusammenhang auch die ständigen Verunsicherungen in der
Diskussion um die Leistbarkeit der Pensionen. Die Forderung nach
einer Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters, weil die Menschen
immer länger leben und die Pensionen anders nicht mehr leistbar
seien, ist für Tumpel eine unzulässige Verkürzung. Das Um und Auf
ist für den AK Präsidenten eine möglichst hohe Beschäftigung. Dafür
fordert Tumpel das verstärkte politische Augenmerk auf die
Politikbereiche Bildung, Arbeitsmarkt und Gesundheit. Der EU wirft
Tumpel "Sparsadismus" vor: "Weder hat sie die richtigen Lehren aus
der Krise gezogen, noch werden die dafür Verantwortlichen in einem
fairen Ausmaß an der Bewältigung der Folgen beteiligt. Die
Arbeietnehmer sollen wieder die Hauptlast tragen", sagt Tumpel, der
auch das mangelnde Engagement der EU an der Bekämpfung der
Spekulation kritisiert.
Falsche Krisenbewältigung durch die EU
Der EU wirft Tumpel vor, aus der Krise nichts gelernt zu haben.
Für Tumpel sind Empfehlungen aus Brüssel , die darauf hinauslaufen
nur die ArbeitnehmerInnen zu belasten oder bei den Sozialleistungen
zu sparen, ""das ist Sparsadismus. Das ist naiv und unsozial." Jetzt
sparen würde Wachstum und Beschäftigung schmälern. Weder hat die EU
die richtigen Lehren aus der Krise gezogen, noch werden von jenen ,
die die Krise verursacht haben zur Bewältigung in ausreichenden Maße
herangezogen. "Die Arbeitnehmer haben die Krise nicht verschuldet.
Auch in Griechenland haben nicht die Arbeitnehmer über ihre
Verhältnisse gelebt", sagt Tumpel. Für die Rettung der Banken wurde
viel Geld in die Hand genommen, genauso wie für die Rettung des Euro.
Bei der Einführung einer Finanztransaktionssteuer stehen, obwohl
Länder wie Österreich, Deutschland dafür sind, noch viele Länder auf
der Bremse, manche wie etwa Luxemburg sorgen durch ein Absenken der
Unternehmenssteuer sogar wieder für einen unfairen Wettbewerb.
Auch in der Bekämpfung der Teuerung und der Spekulation wirft
Tumpel der EU eine "zu lasche Politik vor." Genauso wie 2008 sind die
starken Verteuerungen bei Öl oder Nahrungsmittel nicht durch
Marktangebot und Nachfrage zu erklären, sondern nur durch
Spekulation. "Obwohl die Preise in Rotterdam fallen, steigen die
Preise an den Tankstellen. Ich fordere dringendst eine Politik die
für einen Wettbewerb sorgt, der auch tatsächlich bei den
Konsumentinnen und Konsumenten ankommt."
Bessere Ausbildung heißt bessere Chancen
Je besser die Ausbildung, desto besser Chancen auf dem
Arbeitsmarkt - das ist unstrittig. Die Abgabe der Ausbildungsgarantie
war wichtig, jetzt war es für Tumpel auch richtig, "dass der
Sozialminister noch einen Schritt weitergeht und versucht, junge
Menschen auch tatsächlich in eine Ausbildung zu bringen, die auch zu
guten und vernünftigen Arbeitsverhältnissen führt. Nur so werden die
Jungen Erfolg und Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben."
Für höhere Erwerbsquoten sorgen
Frauen - so Tumpel - haben eine ausgezeichnete Erstausbildung.
Aber ein Blick auf die Arbeitsmarktstatistik zeigt, dass in
Österreich verglichen mit anderen EU-Ländern wie etwa Niederlanden,
Skandinavien oder auch in Frankreich, ist die Erwerbsquote von Frauen
niedrig ist. "Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen ist
wünschens- und erstrebenswert. Dafür ist aber auch wichtig die
geeigneten Rahmendbedingungen zu schaffen", sagt Tumpel und fordert
weitere Anstrengungen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und
Familie. Hauptaugenmerk, der weitere Ausbau der
Kinderbetreuungsplätze.
Arbeiten und gesund bleiben
Wer will, dass die Menschen länger im Erwerbsleben bleiben sollen,
muss auch dafür sorgen, dass das gesund möglich ist, sagt der AK
Präsident. Durch das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz ist es gelungen,
die physischen Erkrankung durch Arbeit erheblich zu reduzieren: 25
Prozent weniger Arbeitsunfälle, 30 Prozent weniger Todesfälle bei der
Arbeit. In den letzten Jahren musste dramatischer Anstieg psychischer
Krankheiten verzeichnet werden. Auch die Pensionszugänge aus diesem
Grund sind stark gestiegen. Tumpel fordert ein systematisches
gegensteuern und erwartet von den Unternehmen, sich "ehrlich mit
diesem Problem auseinander zu setzen. Wir brauchen dringend eine
andere Arbeitsorganisation, die sich an den Bedürfnissen der älteren
Arbeitnehmer orientiert."
(Forts)
Thomas Angerer
Tel.: +43-1 501 65-2578
thomas.angerer@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at













