- 09.05.2011, 11:43:13
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27. ÖDG Frühjahrstagung: Bewegung, Schulung und Insulintherapie essentiell für die Diabetesbehandlung
Wien (OTS) -
Bewegung und Schulung
Das Motto der 27. Frühjahrstagung der Österreichischen Diabetes
Gesellschaft, die mit über 350 TeilnehmerInnen vom 6.-7. Mai 2011 im
Linzer Brucknerhaus stattfand, entspricht der absoluten Notwendigkeit
in der Diabetestherapie mehr Bewegung zu forcieren und vermehrte
Schulung durchzuführen. Die Vorträge von über 40 österreichischen
DiabetesexpertInnen befassten sich vor allem mit der für den Erfolg
jeder Behandlung essentiellen Lebensstilmodifikation, insbesondere
mit Bewegung, Schulung der Patienten und Patientinnen, sowie
Anleitung zur Gewichtsreduktion. In den Vorträgen wurde gezeigt, dass
körperliche Aktivität einen wesentlichen Einfluss auf den
Blutglukose-Stoffwechsel hat. So zeigte eine aktuelle Studie, dass
eine zweistündige Bewegungstherapie (zwei Stunden Gehen pro Woche)
ausreicht um die Sterblichkeit nach 10 Jahren um 40 Prozent zu
reduzieren. Anders ausgedrückt: Von 100 PatientInnen mit Diabetes
mellitus Typ 2 sterben nach 10 Jahren 40 Betroffene weniger, wenn
körperliche Aktivität forciert wird. In einem Vortrag von Ao.
Univ.-Prof. Dr. Martin Clodi (AKH Wien), der die Fortbildungstagung
gemeinsam mit Herrn OA Dr. Peter Grafinger (AKH LINZ) organisierte,
wurde ausgeführt, inwiefern Bewegung durch Veränderung der
Muskelzellen im Sinn von Veränderungen des Fettgehaltes, aber auch
durch Aktivierung der Kontraktion einen direkten Einfluss auf den
Blutzuckerstoffwechsel hat.
"Hier reichen bereits kurze Bewegungseinheiten und -abläufe aus,
um die Gesamtsituation des Patienten zu verbessern. Ganz wesentlich
ist, dass diese Effekte bereits bei gesunden Personen zu beobachten
sind und im Sinne der Prävention dringend anzuraten ist, frühzeitig
Bewegung durchzuführen bzw. von Jugend an konstant und konsequent
Bewegung in den Alltag zu integrieren", so Clodi.
OA Dr. Peter Grafinger und Univ. Prof. Dr. Peter Fasching zeigten
im Rahmen der Tagung, dass Schulung für die Patienten wesentlich ist
und ein wissender Patient bzw. eine geschulte Patientin deutlich
bessere Erfolge hinsichtlich der Erhaltung der eigenen Gesundheit und
Vermeidung von Komplikationen hat. Hier zeigten Studien der letzten
Jahre, dass Schulung und Blutglukose-Messung einen wesentlichen
Einfluss auf das Wohlbefinden und auf die Komplikationsrate haben.
Anleitung zur Gewichtsreduktion
Nicht zu vergessen ist bei der Lebensstilintervention natürlich
auch das Anleiten der PatientInnen zur Gewichtsreduktion.
Gewichtsreduktionen haben bereits im kleinen Bereich (ab drei Kilo)
positive Effekte auf den Blutzuckerwert, auf den Blutdruck und auf
die Sekundärkomplikationen.
Zukunftsperspektiven in der medikamentösen Therapie
In der Diabetologie wurden in den letzten Jahren eine Reihe von
neuen Substanzen mit innovativem Therapieansatz wie Gliptine und
Inkretinmimetika eingeführt bzw. stehen knapp vor der Einführung.
"Während die Sicherheitsaspekte nach derzeitigem Wissen günstig sind,
kann man in Ermangelung von Langzeitstudien keine endgültige Prognose
über die langfristige Sicherheit geben. In Anbetracht der
letztendlich doch nicht ganz befriedigenden Behandlungsoptionen und
der steigenden Zahl an DiabetikerInnen ist in Zukunft mit einer Reihe
von neuen Medikamenten, allen voran die SGLT-2 Hemmer und
langwirksamen Inkretinmimetika, zu rechnen", sagte Ao. Univ. Prof.
Dr. Bernhard Ludvik (AKH Wien).
Die wichtigsten Insulinstudien der letzen Jahre und deren Bedeutung
für die klinische Praxis
Univ. Prof. Dr. Monika Lechleitner, Ärztliche Direktorin des LKH
Hochzirl führte aus, dass die großen Diabetesinterventionsstudien,
wie das DCCT /EDIC-Trial für den Typ 1 Diabetes und die UKPDS für den
Typ 2 Diabetes, den Vorteil einer verbesserten glykämischen Kontrolle
hinsichtlich der Prävention diabetischer Spätkomplikationen wie
Herzinfarkt, Schlaganfall, aber auch Niereninsuffizienz (Dialyse)
belegen. Die 1993 publizierte DCCT war von grundlegender Bedeutung
für die funktionelle Insulintherapie als Goldstandard in der
Behandlung des Typ 1 Diabetes. Aktuelle Studien und Meta-Analysen
zeigen die Vorteile kurz- und langwirksamer Insulinanaloga
hinsichtlich des Hypoglykämierisikos auf, der Einsatz der
Glucosesensortechnik unterstützt die glykämische Zielwerterreichung.
Für die Therapie des Typ 2 Diabetes stehen unterschiedliche
Insulintherapiemodalitäten zur Verfügung, die
Basalinsulin-unterstützte orale Insulintherapie kommt entsprechend
der vorliegenden Studienergebnisse insbesondere zum Einstieg in die
Insulintherapie zur Anwendung. Rezente Publikationen vergleichen
dabei die Wirkeffektivität von Insulin Glargin und Insulin Detemir
bei Typ 2 Diabetes. Einzelstudien und Meta-Analysen zeigen
hinsichtlich der konventionellen Insulintherapie einen Vorteil für
Mischinsuline mit kurzwirksamen Insulinanaloga in Bezug auf das
Hypoglykämierisiko auf. Aktuelle Entwicklungen betreffen die
Kombination der Insulintherapie bei Typ 2 Diabetes mit
Inrketintherapeutika und die Effektivität und Sicherheit neuer
langwirksamer Insuline.
Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist die
ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen
Diabetes-ExpertInnen. Ihre zentrale Aufgabe ist die Forschung und
Förderung des wissenschaftlichen Austausches aller auf dem Gebiet der
Diabetologie tätigen ForscherInnen und ÄrztInnen sowie die
Sicherstellung einer der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen
entsprechenden Betreuung der DiabetikerInnen in Österreich.
Rückfragehinweis:
Ao. Univ. Prof. Dr. Martin Clodi Österreichische Diabetes Gesellschaft Währingerstr. 76/ 13, 1090 Wien Tel: 0043 (0) 650 77 03378 Fax: 0043 (1) 264 5229 www.oedg.org
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