• 04.05.2011, 11:00:15
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Festwochen: Die ersten Interviews mit den neuen Chefs

Wien (OTS) - Markus Hinterhäuser als Intendant, künstlerischer
Leiter und Co-Geschäftsführer, die deutsch-türkische Theaterleiterin
Shermin Langhoff als Stellvertreterin: In der neuen NEWS-Ausgabe
meldet sich das Führungs-Duo der Wiener Festwochen ab 2014 mit den
ersten großen Interviews zu Wort.

Hinterhäuser, der in diesem Sommer interimistisch die Salzburger
Festspiele leitet, ist für die Musik und die großen
Theateraufführungen zuständig. Ideen, die Musiksparte aufzulösen und
dem Theater an der Wien anzugliedern, sind obsolet: "Es gibt sicher
Gesprächsbedarf, und ich werde mit Roland Geyer vom Theater an der
Wien auch reden, um Doubletten zu vermeiden. Aber die Festwochen
werden in vollem Umfang große Opern und Musiktheater
spielen."

Das derzeit abwechselnd von Musikverein und Konzerthaus
bestrittene Konzertprogramm will Hinterhäuser näher an sich ziehen:
"Das muss ich jetzt auch angehen. Ich kenne und schätze Thomas Angyan
(vom Musikverein; Anm.) sehr und kenne auch Bernard Kerres
(Konzerthaus; Anm.). Natürlich ist das eines der Gebiete, auf denen
ich mich besonders zuhause fühle." Das
Konzertprogramm ganz zu übernehmen "ist ein bisschen früh. Ich möchte
gern mit beiden darüber reden, wie wir es gemeinsam gestalten können,
um näher an die Aussagen der Wiener Festwochen zu kommen."

Zum derzeit hohen Anteil an Gastspielen: "Ich fände es schön, wenn
wir den Prozentsatz an Eigenproduktionen steigern, dem Ganzen einen
deutlicheren Stempel geben könnten. Ich möchte, dass Produktionen von
Wien in die Welt gehen. Und ich möchte die Identifikation deutlicher
in Wien verankert wissen. Dafür muss man präsent sein und sich
anstrengen. Die Festwochen sind ein Festival, das in dieser
verrückten Stadt stattfindet, die mit ihrer Musik- und
Theaterverrücktheit in Europa einzigartig ist."

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"Ich bin Europäerin und Weltenbürger. Das ist mein Anspruch an
mich und mein Leben." So definiert sich die für den Off-Bereich und
Migrationskultur
zuständige Chermin Langhoff. Der Option, als Quotenbesetzung
herabgesetzt zu werden, blickt sie gelassen entgegen: "Kunst kann
beauftragt, aber nicht vereinnahmt werden. Selbstverständlich stehen
kulturpolitische Erwägungen dahinter. Ich wurde auch in Berlin und in
anderen Kontexten immer wieder aus kulturpolitischen Erwägungen
eingekauft. Was ich dann produziert habe, hat sozusagen für sich
gesprochen und hatte im besten Fall ästhetische und politische
Bedeutung. Insofern habe ich überhaupt keine Angst. Man muss es nur
mit Leben füllen und mit Denkräumen ausfüllen, die uns alle
weiterbringen - auch diejenigen, die über Quoten nachdenken."

Langhoff weiter: "Mit mir holt man sich hoffentlich auch ein wenig
die Zukunft. Sie haben ja eine schleichende Dritte Türkenbelagerung
gehabt, und wie ich von den Wiener Taxifahrern mitbekommen habe, ist
der Spalt größer als in Deutschland. (...) M an darf sich da nichts
vormachen: Man wird die Immigranten nicht ins Theater holen. Theater
ist nicht dazu da, aktuell politisches Geschehen zu interpretieren.
Aber ich hoffe, dass ich Visionen habe, die über das aktuelle
politische Geschehen hinausgehen, was die Konfliktzonen unserer
heutigen Metropolen mit ihrer veränderten Population betrifft (...)
Heute werden Leute wie Fatih Akin als deutsche Filmregisseure auf der
ganzen Welt gepriesen.

Gegen das Kopftuchverbot erklärt sie sich offen:"Ich bin für die
individuelle Freiheit eines jeden, solange er nicht
fundamentalistisch agiert und missioniert. Ich bin Verfechterin des
Individualismus, den sich unsere Vorfahren durch die Aufklärung
erfochten haben."

Rückfragehinweis:
Sekretariat NEWS
Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12 DW 1103

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