- 03.05.2011, 18:15:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Denn sie wissen nicht, was sie tun - von Jochen Hahn
Die Wertpapier-KESt ist und bleibt ein Gesetzes-Pfusch
Wien (OTS) - Pünktlich zum 1. Mai sind die Spekulanten wieder ins
Fadenkreuz der Politiker geraten. Nichts leichter, als auf eine
undefinierbare Horde wildgewordener Kapitalisten zu schimpfen, die
das System gefährden. Populismus at it's best! Hierzulande ist
Spekulanten-Bashing seit der Finanzkrise in allen Parteizentralen
Usus. Deshalb wurde flugs die Wertpapier-KESt mit 1. Jänner 2011 in
Kraft gesetzt.
Die Fragezeichen und Seltsamkeiten bezüglich der Umsetzung häufen
sich allerdings. Dementsprechend verwundert es nicht, dass immer
öfter von Gesetzes-Pfusch gesprochen wird. Denn nichts anderes ist
die Wertpapier-KESt. In den vergangenen Tagen sickerte etwa durch,
dass es weitere Ausnahmen für das Gesetz geben wird müssen. Besonders
die OTC-Geschäfte dürften den administrativ bewerkstelligbaren
Aufwand zur direkten Steuerabführung der Banken übersteigen und von
der neuen Steuer ausgenommen werden. Dabei handelt es sich übrigens
um außerbörslich gehandelte CFD, Optionsscheine etc., also all das
"Teufelszeug", das die Finanzkrise angeblich mitverursacht haben
soll. Derartiges wird wohl oder übel steuerlich genauso behandelt
bleiben wie bislang - oder eben hinterzogen. Der populistische Schuss
geht also nach hinten los.
Wieder einmal zur Kassa gebeten wird daher wie immer der Mittelstand.
Wer via Fonds oder Aktien eine zweite Säule zur Pensionsvorsorge
aufbauen möchte, der darf bei jeder Depotumschichtung, die Gewinn
bringt, 25 Prozent an den Staat abführen, sich zudem mit einer
Gegenrechnung von Verlusten herumplagen und diese noch dazu
vorfinanzieren. Denn anders als in Deutschland werden zwar die
Gewinne sofort endbesteuert, die Gegenrechnung von realisierten
Verlusten kann aber erst im Steuerausgleich vorgenommen werden. Es
gibt im Gegensatz zur deutschen Regelung auch keinen Verlustvortrag.
Das heißt, wer sich in einem Crashjahr panikartig von seinen Assets
trennt, der darf diese Verluste im Folgejahr möglichen Gewinnen nicht
gegenrechnen, sondern muss die volle Steuer zahlen.
Das wirklich Schlimme daran ist aber, dass der absurde
Gesetzes-Pfusch nicht einmal annähernd den erwarteten monetären
Effekt erzeugen wird. Dazu genügt abermals ein Blick nach
Deutschland, wo die Abgeltungssteuer hinter den Erwartungen
zurückblieb. Der einzig spürbare Systemeffekt wird dagegen sein, dass
noch weniger Österreicher ein Aktieninvestment als Zukunftsvorsorge
nutzen. Und das spürt nicht nur die umsatzarme Wiener Börse, sondern
auch jeder Konzern, der sich um Eigenkapital bemüht.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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