• 03.05.2011, 14:59:35
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Ethikunterricht: Klare Position der katholischen Kirche

Schulamtsleiter der österreichischen Diözesen sprechen sich für verpflichtenden Ethikunterricht für all jene Schüler aus, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen

Wien, 03.05.11 (KAP) Die katholischen Schulverantwortlichen
plädieren für einen verpflichtenden Ethikunterricht für all jene
Schüler, die - aus welchen Gründen auch immer - keinen
konfessionellen Religionsunterricht besuchen. Das ist das Ergebnis
der Beratungen der Schulamtsleiter der österreichischen Diözesen,
die am Montag und Dienstag in Wien unter dem Vorsitz von Kardinal
Christoph Schönborn stattgefunden hat. Ein solches Modell wäre für
die Oberstufe, beginnend mit der 5. Klasse AHS und den ersten
Klassen der berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen ab dem
Schuljahr 2012/13 "leicht finanzierbar", hielten die Schulamtsleiter
fest, die ihre Konferenz im Vorfeld der parlamentarischen Enquete
zum Ethikunterricht am kommenden Mittwoch abhielten.

Die Wiener Schulamtsleiterin Christine Mann betonte: "Das Ziel ist
ein guter und profilierter Religionsunterricht und ein ebensolcher
Ethikunterricht. Mit verwaschenen Zwischenformen, einem
Religionsunterricht, der unauffällig zu einem unverbindlichen
Ethikunterricht mutiert, ist ebensowenig gedient wie mit einem
Ethikunterricht, der eigentlich ein verkappter oder verschämter
Religionsunterricht ist." Letzterer sei ein Unterricht des
weltanschaulich neutralen Staates und dürfe weder die Glaubenssätze
einer einzelnen Religion noch die individuellen Glaubenssätze eines
einzelnen Lehrers zum Maß nehmen, so Mann.

Die Schulamtsleiter hielten auf ihrer Konferenz fest, dass es in
Österreich seit nunmehr 14 Jahren Schulversuche eines
Ethikunterrichts im Sinn dieses Modells gebe, "die sich durchaus
bewährt haben". In der Zwischenzeit werde der Schulversuch an etwa
200 Oberstufen-Standorten durchgeführt. Evaluiert hatte die
Schulversuche der Salzburger Religionspädagoge Prof. Anton Bucher,
der bei der kommenden Enquete auch darüber referieren wird.

Dem Modell eines verpflichtenden Ethikunterricht - zusätzlich zum
konfessionellen Religionsunterricht - stehen die Schulamtsleiter
sehr skeptisch gegenüber, weil er für alle Schüler eine "Fülle von
unerwünschten Nebenwirkungen" hätte. Zum einen sei die Finanzierung
sehr kostspielig, zum anderen hätte es auch nachteilige Wirkungen
für den konfessionellen Religionsunterricht in seiner Vielfalt, "die
einen hohen Wert darstellt".

Da ein Ethikunterricht ohne ausführliche Darlegungen der religiös
begründeten unterschiedlichen ethischen Systeme und ihres Kontextes
genau so wenig vorstellbar sei wie ein Religionsunterricht, der sich
nicht auch mit säkular begründeter Ethik auseinandersetzt, wäre ein
Nebeneinander beider Gegenstände angesichts der großen gemeinsamen
Inhalte langfristig nicht haltbar, so die Schulamtsleiter. Da es
eine Abmeldemöglichkeit vom konfessionellen Religionsunterricht
geben muss, wäre auch klar, zu Lasten welchen Gegenstands diese
Entwicklung führen würde.

Mehr auf www.kathpress.at (forts. mgl.) gpu/pwu/

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