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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Hoffentlich haben die USA einen Plan -von Wolfgang Unterhuber

Osamas Tod wird Folgen für die Weltwirtschaft haben

Wien (OTS) - Der Tod von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ist für US-Präsident Barack Obama ein großartiger Erfolg. Der Gottseibeiuns der Amerikaner wurde in einer filmreifen Kommandoaktion in seinem pakistanischen Unterschlupf der "Gerechtigkeit zugeführt", wie es in einer Verlautbarung heißt. Präsident Obama ist in den Augen der Öffentlichkeit gelungen, woran sein Vorgänger kläglich gescheitert ist - Vergeltung für 9/11 zu üben. Osama war der Drahtzieher dieses größten Terroranschlages in der amerikanischen Geschichte.
Um diesen Massenmörder und Verbrecher braucht es uns auch nicht leid zu tun. Nur europäische Gutmenschen werden darüber sinnieren, warum so offenkundig erst gar nicht versucht wurde, den Mann lebend zu fangen. Osama hat mit dem Schwert gekämpft und ist durch das Schwert gefallen. Punkt.

Die große Frage lautet jetzt aber: Wie weiter? Man muss kein Experte sein, um zu erkennen, dass es weder mit den Taliban noch mit Al-Kaida vorbei ist. Gewalt provoziert immer neue Gewalt. Als die Deutschen zum Beispiel 1974 glaubten, dass mit der Verhaftung der Baader-Meinhof-Truppe der Terror in ihrem Land bezwungen sei, ging es erst so richtig los. Und zwar brutaler als je zuvor.
Damit ist auch jetzt zu rechnen. Pakistan, ein Schlüsselstaat für die ökonomische und politische Situation nicht nur in der betroffenen Region, wird den Gegenschlag als Erstes zu spüren bekommen. Das dortige zwielichtige Regime steht zudem auf äußerst schwachen Beinen. Dazu kommt eine arabische Welt im Umbruch. Radikale Kräfte, ob in Ägypten, Libyen, Tunesien, Syrien, Libanon, Irak etc. werden jetzt Auftrieb erhalten. Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern wird ebenfalls neu entfacht werden.
Das wird natürlich Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Die Börsen werden in Hysterie verfallen, sobald in der Region nur ein Autoreifen platzt. Und die Welt hat leider nun guten Grund, noch sorgenvoller auf jene Staaten im arabisch-islamischen Raum zu blicken, aus denen das Schmiermittel der Weltkonjunktur kommt - das Erdöl.

So gesehen hätte man Osama bin Laden, der zuletzt den Eindruck eines geistig verwirrten, alternden Räuberhauptmannes machte, friedlich in seinem Anwesen sterben lassen können. Doch das wäre nicht nur eine Verhöhnung aller Terroropfer, sondern eine Kapitulation des Westens gewesen.

Wichtig ist jetzt, dass die USA hoffentlich einen Plan haben und wir nicht nur Zeugen einer martialischen Wildwest-Politik wurden.

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