OTS0126   2. Mai 2011, 11:24

Grundlagenstudie am Soziologieinstitut der Uni Wien untersucht das Phänomen SelfStorage

Stauraum wird beim Bau von Wohnungen und dann bei der Wohnungssuche unzureichend berücksichtigt!


In ihrer Arbeit zur "Untersuchung des Bedarfs an
Stauraum anhand der dynamischen Wechselwirkung
Individuen-Räume-Objekte" konzentriert sich die Autorin und
Soziologin, Carmen Keckeis, auf die Dienstleistung SelfStorage als
urbanes Phänomen und stellt fest, dass dem Bedürfnis nach
ausreichend, individuell nutzbarem Stau- und Lagerraum zu wenig
entsprochen wird, was die große Nachfrage nach dieser Dienstleistung
reflektiert. Ein vorhandener Stau- und Lagerraum wurde oder wird beim
Bau von Wohnungen und dann bei der Wohnungssuche häufig nur marginal
berücksichtigt. Obwohl sie in ihrer Zusammenfassung zu der Erkenntnis
kommt, "dass für die Befragten ein Lagerraum eine bedeutende Rolle
hinsichtlich der Lebensqualität spielt - der Lagerraum wird zu einem
wichtigen Teil der Wohnsituation".

Das Aufkommen des Phänomens SelfStorage erklärt Keckeis mit folgenden
drei Trends:

- Durch die Vielfalt neuer Familien- und Haushaltsformen sind die
Wohnkonzepte aus den vergangenen Jahrzehnten, mit denen viele Akteure
auf dem Wohnungsmarkt immer noch operieren, nicht mehr an die
Anforderungen und Bedürfnisse etlicher Bewohner angepasst.

- Die steigende Mobilität hat wiederum "neue" Wohntypen zur Folge
und wirkt sich auf einen veränderten Bedarf an Wohn- und Stauraum
aus.

- Durch die Kulturalisierung und Stilisierung der Lebensführung
spielen private Besitztümer vor allem in Bezug auf Präsentation und
Inszenierung von sich selbst und der Wohnung eine wichtiger werdende
Rolle. Die eigene Identität wird durch den Konsum von Gütern und
deren Besitz gefestigt. Somit kann man sich von vielen persönlichen
Gütern nicht trennen, was zu einer Anhäufung persönlicher Besitztümer
bzw. einer verstärkten Beziehung zu Ihnen und damit zu einem Bedarf
an zusätzlichem Stauraum führt.

Neben teilnehmenden Beobachtungen an drei Standorten des größten
privaten Lagerraumvermieters im deutschen Sprachraum,
"MyPlace-SelfStorage" in Wien, führte Keckeis im Rahmen ihrer
Forschungsarbeit auch qualitative, problemzentrierte Interviews mit
16 aktuellen oder ehemaligen Kunden von "MyPlace-SelfStorage" über
die Gründe der Anmietung eines Lagerraums, ihre damalige und aktuelle
Wohn- und Lebenssituation, sowie zu den Themen Wohnen, Wohnmobilität,
Wohnkultur und die persönliche Bedeutung der Objekte im Lagerraum.
Darüber hinaus wurden Leitfadeninterviews mit 5 Angestellten und mit
dem geschäftsführenden Gesellschafter von "MyPlace-SelfStorage",
sowie auch mit einer Sozialarbeiterin im Bereich der
Wohnungslosenhilfe geführt.

Zusammenfassend hebt die Autorin der Diplomarbeit hervor, dass die
statischen Grundrisse von Wohnungen häufig nicht den Anforderungen
ihrer Bewohner entsprechen und auch nicht variabel und flexibel sind,
was eine Anpassungen an veränderte Lebenssituationen innerhalb der
gleichbleibenden Wohnung schwierig macht. Im Gegensatz zu einem
Lagerraum, der maßgeschneidert nach dem individuellen Bedarf
angemietet werden kann.

Keckeis stellt demnach drei Gründe fest, warum ein Lagerraum einen
positiven Einfluss auf die Wohn- und damit auf die Lebensqualität
hat:

  • Platzbeschaffung innerhalb der Wohnung;
  • Vermeidung von Umzug: gewohnte Umgebung und soziales Umfeld müssen nicht verlassen werden;
  • Möglichkeit Dinge zu behalten, von denen man sich nicht trennen will, da sie für einen wichtig sind, die eigene Vergangenheit spiegeln oder Teil der Identität sind.

Carmen Keckeis weist in Ihrer Arbeit darauf hin, dass bisher noch
keine Studien oder Forschungen über das Phänomen "SelfStorage" bzw.
die Themenbereiche "Platzmangel in der aktuellen Wohnsituation" und
"Bedarf an zusätzlichem Stau- und Lagerraum" und die damit
verbundenen gesellschaftlichen, soziodemographischen und
wohnpolitischen Entwicklungen durchgeführt wurden. Sie sieht ihre
Diplomarbeit somit als Grundlagenstudie, anhand derer wichtige Trends
herausgefiltert wurden und in weiteren Studien, jeweils im Hinblick
auf die Problematik Platzmangel und veränderte Verfügbarkeit von
Platz, u.a. mit folgenden Schwerpunkten vertieft untersucht werden
sollen:

- "Chancen und Risiken eines Lagerraumes: nachhaltiges Denken vs.
zwanghaftes Sammeln von Dingen und dem Unvermögen sich von ihnen zu
trennen (Stichwort: Messie-Syndrom)?"

- "Luxusgut Lagerraum?": Ist ein Lagerraum ein "Luxusgut", ein
Zeichen für den zunehmenden Wohlstand industrialisierter Länder und
somit ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft? Seit wann gibt es
dieses Bedürfnis nach mehr Stau- und Lagerraum, wie hat es sich
verändert, was sind die Ursachen?

- "Wohnbedürfnisse und Wohnwünsche": Wandel der Wohnbedürfnisse und
Wohnwünsche in den letzten Jahrzehnten sowie innerhalb der eigenen
Wohnkarriere

Um den begonnenen wissenschaftlichen Prozess auch weiterhin zu
stimulieren, hat sich die Unternehmensführung von
"MyPlace-SelfStorage" dazu bekannt auch in Zukunft Forschungsprojekte
in diesem Bereich zu unterstützen und freut sich, dass derzeit auch
in Deutschland, am Institut für Ethnologie der Universität Berlin, an
einer Diplomarbeit zum Phänomen SelfStorage gearbeitet wird bzw. dass
am Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität
Thübingen soeben eine Diplomarbeit zum Thema "Speicherkonzepte in
einer mobilen Gesellschaft" vergeben wurde.

Die Autorin der Diplomarbeit, Carmen Keckeis, steht Ihnen unter
carmen.keckeis@univie.ac.at für Rückfragen zur Verfügung.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0126 2011-05-02 11:24 021124 Mai 11 SDL0001 0766



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