- 29.04.2011, 09:49:47
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Experten fordern nationalen Konsens für Bildung
Großer Andrang bei der Podiumsdiskussion "Welche Bildung braucht der Innovationsstandort Österreich?" veranstaltet vom Klub für Frauen
Wien (OTS) - Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes ist eng mit
seiner Bildungspolitik verknüpft. Um für die Herausforderungen der
Zukunft gerüstet zu sein, bedarf es aber eines Paradigmenwechsels im
Bildungssystem. Soweit waren sich die Experten bei der
Podiumsdiskussion "Welche Bildung braucht der Innovationsstandort
Österreich?", am Mittwoch, den 27. April, in der
Industriellenvereinigung einig.
Unter der Leitung von Gerhard Jelinek (ORF) diskutierten Hannes
Androsch, Industrieller und Initiator des Volksbegehrens
Bildungsinitiative, Katharina Cortolezis-Schlager,
Nationalratsabgeordnete, und Andreas Salcher, Buchautor und
Bildungsexperte. Organisiert wurde die Podiumsdiskussion vom Klub für
Frauen in Kooperation mit der Forschungsförderungsgesellschaft FFG
und der Industriellenvereinigung.
In der Frage, wie das Ziel einer Qualitätsverbesserung des
Bildungssystems erreicht werden kann, gingen die Meinungen
auseinander. Während für den Bildungsexperten Andreas Salcher die
Lehrerausbildung und die Rahmenbedingungen für Lehrer, einschließlich
Dienstrecht und Gehaltssystem in den Schulen entscheidend sind, steht
für den Industriellen Hannes Androsch die Schulautonomie an oberster
Stelle. Nationalratsabgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager
wiederum betonte, dass sich in den letzten Jahren vieles zum Guten
verändert hätte und die heimische Schulbildung zumindest im
berufsbildenden Bereich im internationalen Vergleich durchaus gute
Noten bekäme.
Bildungsexperte Andreas Salcher beschrieb die Situation aus seiner
Sicht mit dramatischen Worten. Österreich habe eines der teuersten
Bildungssysteme mit bescheidenen Ergebnissen. Jeder vierte 15-Jährige
sei ein funktionaler Analphabet. Das österreichische Bildungssystem
diskriminiere stark nach Herkunft und soziodemographischen
Eigenschaften. Individuelle Schwächen stünden im Mittelpunkt, die
Stärken würden vernachlässigt. "Wir haben eine Kultur der
Mittelmäßigkeit etabliert."
Der Industrielle Hannes Androsch teilte die Kritik von Salcher.
"Die beste Bildung wäre notwendig. Wir haben aber eines der teuersten
und schlechtesten Systeme." Das Angebot an Ganztagesschulen müsse
ausgebaut werden, die Schulbauten erneuert und eine Besoldungsreform
durchgeführt werden. Massive Kritik äußerte Androsch auch am
Finanzrahmengesetz 2012 - 2015, das am Mittwoch im Ministerrat
beschlossen worden war und anstelle der notwendigen zusätzlichen
Mittel sogar eine Reduktion des Budgets für Wissenschaft und
Forschung von 3,81 auf 3,729 Milliarden Euro im Jahr 2015 vorsehe.
Nationalratsabgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager brachte eine
differenzierte Sicht ein. Man müsse die Stärken und Schwächen des
österreichischen Systems genauer betrachten. Neben der Schulautonomie
bräuchte es ihrer Meinung nach eine Offensive im Schulbau und wichtig
sei es auch, die bestehenden Gesetze umzusetzen und einzuhalten. Und
es sei wichtig, das Schlagwort des "lifelong learning" ernst zu
nehmen und umzusetzen, ebenso wie das "forschende lernen" von Beginn
an.
Rückfragehinweis:
Alexander Kosz Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH Sensengasse 1, 1090 Wien Tel. +43 (0)5 7755 - 6012 Mobil +43 (0)664 85 69 010 [email protected] www.ffg.at
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