Berlakovich: Vorgelegte Stresstest-Kriterien sind deutlich nachzuschärfen
Teilnahme an Atom-Kundgebung - Kritik an der Unbelehrbarkeit der Ukraine
Wien (OTS) - Anlässlich des morgen stattfindenden 25. Jahrestages
von Tschernobyl und 45 Tage nach Fukushima stellt Umweltminister
Nikolaus Berlakovich fest: "Bei diesen beiden Katastrophen hat sich
bewiesen, dass der Einsatz der Atomkraft mit ungeheuren Schwächen
verbunden ist und zu unermässlichem Leid führen kann. Aufgrund des
massiven Risikos für Bevölkerung und Umwelt muss Europa raus aus Atom
und rein in Erneuerbare kommen." Um in der Überbrückungszeit bis zum
Totalausstieg für maximale Sicherheit zu sorgen, seien strenge und
umfassende Stresstests erforderlich, für die nun erste Vorschläge
vorliegen. Diese seien aber nur eine erste Diskussionsgrundlage und
müssten in wichtigen Punkten noch massiv nachgeschärft werden. "Wir
brauchen echte Stresstests und keine Schmähtests", betont
Berlakovich.
"Es muss auch dokumentiert werden, ob AKW gegen menschliche
Einflüsse wie Flugzeugabstürze gewappnet sind. Außerdem ist die
Einbindung unabhängiger ExpertInnen und die Verbindlichkeit der Tests
entscheidend", so der Umweltminister.
Auch Flugzeugabstürze und Terroranschläge einbeziehen
"Das Netzwerk der westeuropäischen Atomaufsichts-Behörden - die
WENRA - hat soeben einen Entwurf der Stresstest-Kriterien und
-Methodik vorgelegt. "Die Stresstests sind als gezielte Überprüfung
der Sicherheitsvorkehrungen von AKW im Lichte der Katastrophe von
Fukushima geplant. So sollen insbesondere mögliche Auswirkungen von
Stromausfällen und extremen Naturereignissen wie Erdbeben, Stürmen
und Überflutungen ausgelotet werden. Das ist jedoch bei weitem zu
wenig. Es müssen auch menschliche Einflüsse wie etwa Flugzeugabstürze
oder Terroranschläge einbezogen werden, die zu schweren Schäden
führen können. Es muss das Unmögliche gedacht werden", unterstreicht
Berlakovich.
Verbindliche Sicherheitschecks mit unabhängigen ExpertInnen
Weiters schlägt die WENRA einen einheitlichen Rahmen für die
Stresstest-Berichte der einzelnen Länder vor, damit die Ergebnisse
vergleichbar sind. Das wird von Österreich befürwortet. "Zur
Einbindung unabhängiger ExpertInnen in die Stresstest-Durchführung
gibt es in dem Entwurf jedoch kaum konkrete Aussagen.
EU-Energiekommissar Günther Oettinger muss verhindern, dass sich die
Atom-Lobby selbst kontrolliert. Außerdem fehlen Aussagen zur
Verbindlichkeit der Tests. Es muss klar sein, dass alle Länder und
AKW teilzunehmen haben", so Berlakovich.
Das WENRA-Dokument wird dann der Europäischen
Nuklearsicherheits-Regulatorengruppe (ENSREG) vorgelegt, bei der
Österreich den Vizevorsitz innehat. "Ich fordere, dass auch in die
Erarbeitung der Stresstests unabhängige Fachleute eingebunden werden.
Österreich ist mit den ExpertInnen des Lebensministeriums und dem
Forum für Atomfragen bestens aufgestellt und hat eine eigene
"Kontaktgruppe Stresstests" eingerichtet", so Berlakovich.
"Es darf in Europa keine Schrottreaktoren geben. Je früher diese
abgeschaltet werden und je mehr, desto besser. Meine ExpertInnen und
ich werden den Prozess genau beobachten und auf maximale Sicherheit
drängen. Unser Ziel muss aber das endgültige Aus aller europäischen
Kernkraftwerke sein", betont Berlakovich.
Ukraine hat nichts gelernt - Berlakovich nimmt heute an
Atom-Kundgebung teil
Zu Tschernobyl selbst stellt der Umweltminister fest: "Es ist mehr
als bedenklich, dass anlässlich der Tschernobyl-Gedenkfeier am 19.04.
in Kiev nicht die Zeichen der Zeit erkannt worden sind. Vielmehr
wurde lediglich eine Deklaration beschlossen und von zahlreichen
Ländern unterstützt, deren Titel "Kiever Gipfel zum sicheren und
innovativen Einsatz der Nuklearenergie" lautet. Wie kann sich
ausgerechnet das Land für eine internationale Kooperation zur
innovativen Verwendung der Kernenergie aussprechen, das am
schlimmsten unter ihr zu leiden hat?", gibt Berlakovich zu bedenken,
der heute Abend an der Kundgebung zu Tschernobyl und Fukushima am
Stephansplatz teilnehmen und eine Rede halten wird. "Im Kampf für den
Ausstieg aus der Kernenergie-Nutzung ist ein nationaler
Schulterschluss wichtig. Wir setzen heute ein gemeinsames
österreichisches Signal. Es darf nie wieder zu Katastrophen wie
Tschernobyl und Fukushima kommen", so Berlakovich. (Schluss)
Vorherige Aussendung
KV-Verhandlungen in der Chemischen Industrie starten
ÖGB Österreichischer Gewerkschaftsbund | 25. Apr. 2011, 09:11
Nächste Aussendung
Wiener Linien: Life Ball auf Schiene
Wiener Linien GmbH & Co KG | 25. Apr. 2011, 09:58
Pressestelle
Tel.: (+43-1) 71100 DW 6703,
6963














