Agrarrat begrüßt Direktvermarktungs- und Bergprodukte-Initiative
Berlakovich hält Regelung für sinnvoll - Österreich begrüßt irischen Mercosur-Vorstoß
Wien (OTS/aiz) - Die meisten Mitgliedsländer unterstützen die
gestern am Agrarministerrat in Luxemburg vom ungarischen Ratsvorsitz
unter Minister Sándor Fazekas zur Diskussion gestellte Regelung der
Kennzeichnung und Vermarktung von Erzeugnissen aus Bergregionen.
Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich, der aufgrund der
aktuellen Ereignisse in Österreich selbst nicht am Rat teilnehmen
konnte und durch einen Diplomaten vertreten war, sagte dazu gegenüber
aiz.info, er sehe einen Trend, Produkte mit dem Hinweis auf
Berggebiete besser vermarkten zu können. "Daher halte ich eine
diesbezügliche Regelung für sinnvoll. Viele Konsumentinnen und
Konsumenten sehen in der Herkunft aus Berggebieten einen Mehrwert,
ein Schutz vor Irreführung ist daher aber notwendig. Darüber hinaus
sind die Berggebiete ein wichtiger Aspekt im Rahmen der Ländlichen
Entwicklung. Eine Unterstützung durch das Qualitätspaket ist daher -
auch im Hinblick auf eine Förderung des ländlichen Raums - sinnvoll."
Österreich begrüße am Rat gemeinsam mit anderen Mitgliedstaaten wie
Frankreich auch einen irischen Vorstoß, der vor übereilten und
überzogenen Angeboten der EU in den Handelsgesprächen mit dem
südamerikanischen Mercosur warnt.
Der Minister hält Bestrebungen, insgesamt die Entwicklung der
Direktvermarktung und die Produktion für lokale Märkte zu fördern,
für absolut wichtig. "Damit kann auch ein wichtiger Beitrag zur
Einkommenssicherung der Landwirtschaft geleistet werden. Wir stehen
daher einem diesbezüglichen freiwilligen EU-System aufgeschlossen
gegenüber. Die Mitgliedstaaten sollen darüber entscheiden können, ob
sie das System anbieten oder darauf verzichten", erklärte Berlakovich
die Position Österreichs. Um einheitliche Wettbewerbsbedingungen zu
garantieren, müsse es auch einheitliche Kriterien zur Definition der
Berggebiete geben. "Hier könnten jene, die in der Ländlichen
Entwicklung Anwendung finden, auch für das Qualitätspaket
herangezogen werden", so der Minister. Auch die Verarbeitung von
Erzeugnissen aus der Berglandwirtschaft sollte in diesen Regionen
erfolgen.
Fraglich sei jedoch aus Österreichs Sicht, ob für "Local Farming" und
"Direct Sales" wirklich ein EU-Logo notwendig ist. Die Ausgestaltung
des Systems solle national erfolgen, wobei auch zu beachten sei, dass
direkt und lokal vermarktete Produkte oft unverpackt angeboten
werden. Die Verwendung eines EU-Logos auf lokalen Märkten erscheint
daher sehr aufwendig.
Österreich begrüßt irischen Mercosur-Vorstoß
Österreich begrüßte am Rat eine Initiative der irischen Delegation zu
den laufenden Verhandlungen der EU mit dem südamerikanischen
Handelsblock Mercosur um ein Freihandelsabkommen. Anfang Mai ist eine
weitere Verhandlungsrunde in Paraguay geplant ist. Österreich ist wie
Irland und andere Mitgliedstaaten sehr an einem ausführlichen Bericht
über die letzte Verhandlungsrunde und an der Einschätzung der
Kommission zum weiteren Verhandlungsverlauf interessiert. Die
Kommission bestätigte daraufhin, eine entsprechende Folgenabschätzung
Ende April auf Expertenebene mit den Mitgliedstaaten zu diskutieren
und sie auch über jegliche Angebote der EU an dem Mercosur im
Agrarhandel auf dem Laufenden zu halten.
EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos erklärte, auf dem kommenden Treffen
mit den Mercosur-Ländern Anfang Mai würden noch keine Angebote zur
gegenseitigen Marktöffnung ausgetauscht. Die EU-Kommission bereite
aber ein Angebot vor, das möglicherweise auf dem übernächsten Treffen
Anfang Juli vorgelegt werde.
Berlakovich fordert dabei, dass "die hohen Umwelt- und
Sozialstandards der EU zu wahren sind. Es gilt, den Aspekt der
Nachhaltigkeit in die Verhandlungen mit einzubeziehen. Dies muss die
Kommission von den Mercosur-Staaten einfordern, damit in diesen
Bereichen keine Wettbewerbsnachteile entstehen. Eine weitere
Billig-Konkurrenz aus Ländern, die unsere hohen Produktions- und
Tierschutzauflagen nicht erfüllen, ist unseren Landwirten nicht
zumutbar."
Weiters muss aus österreichischer Sicht eine funktionierende
agrarische Schutzklausel mögliche Marktstörungen verhindern. "Diese
wurde ebenfalls noch immer nicht zufriedenstellend verhandelt",
reklamiert Berlakovich. "Gerade in den heiklen Sektoren
Qualitätsrindfleisch, Getreide, Zucker und Ethanol muss Schlimmeres
verhindert werden. Daher wehre ich mich gegen den Ansatz der
Kommission, höhere Kontingente zu gewähren oder einen raschen
Zollabbau vorzusehen", so der Landwirtschaftsminister.
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