Schönborn: Josef Pröll ist "großer Politiker und aufrichtiger Christ"

Kardinal Schönborn würdigt von Rom aus Josef Pröll aus Anlass seines Rückzuges aus der Politik

Wien-Vatikanstadt, 13.04.11 (KAP) "Josef Pröll ist ein großer Politiker, er hat der Republik mit ehrlichem Herzen gedient, er ist ein aufrichtiger Christ": Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch im Vatikan im Gespräch mit "Kathpress" im Hinblick auf den Rücktritt des Vizekanzlers, Finanzministers und ÖVP-Parteichefs; der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz hielt sich in Rom auf, um bei der Generalaudienz Papst Benedikt XVI. den neuen Jugendkatechismus "YouCat" zu überreichen.

Kardinal Schönborn unterstrich namens der Bischofskonferenz, dass Pröll sowohl in seiner politischen Tätigkeit als auch bei seinem Abschied Führungsfähigkeit und Stil bewiesen habe: "Er hat in äußerst schwierigen Situationen gemeinsam mit anderen für das Gemeinwohl gesorgt und so von unserem Land negative Folgen internationaler Entwicklungen abgehalten und damit die Voraussetzungen geschaffen, dass der erfolgreiche Weg der Zweiten Republik fortgesetzt werden kann". Dafür gebühre dem scheidenden Vizekanzler Respekt, Dankbarkeit und Anerkennung.

"Wir haben in Österreich in den letzten Jahren viele politische Missstimmungen erlebt", sagte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz: "Umso mehr freut es mich, dass heute in den Reaktionen sowohl des Koalitionspartners als auch der Opposition Respekt vor dem großen politischen Talent Josef Prölls und auch Betroffenheit im Hinblick auf seine gesundheitliche Situation spürbar geworden ist". Die Entscheidung Prölls werde zu Recht als Anstoß empfunden, darüber nachzudenken, ob eine bestimmte Form des politischen Alltags, die sich in den letzten Jahrzehnten eingebürgert habe, wirklich "menschengerecht" sei. Kardinal Schönborn: "Auch Politiker sind Menschen, die ein Recht darauf haben, in ihrer Menschlichkeit ernstgenommen und respektiert zu werden".

Er verbeuge sich noch mehr vor Josef Pröll, weil der bisherige Vizekanzler und VP-Parteichef den Mut gehabt habe, in seiner Abschiedsrede zentrale Fragen anzusprechen, so der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz: "Er hat die Dinge beim Namen genannt und deutlich gesagt: 'Zwei große Fragen belasten die Politik und die öffentliche Diskussion: Die Fragen nach Anstand und Stillstand'. Ich hoffe, dass wir alle in Österreich darüber nicht zur Tagesordnung übergehen. Josef Pröll hat die Dinge benannt. Jetzt sind alle dazu aufgerufen, diese Fragen zu beantworten und zu lösen".

Kardinal Schönborn betonte im "Kathpress"-Gespräch, er habe das Engagement Josef Prölls und seiner Familie in der Heimatpfarre in Gersthof immer sehr geschätzt: "Und ich habe es auch geschätzt, dass er - etwa durch die Maßnahmen im Bereich der Spendenabsetzbarkeit -den Beitrag der Kirchen und Religionsgemeinschaften für das Gemeinwohl gewürdigt hat". Pröll habe sich in diesen und anderen Fragen als ein konstruktiver Gesprächspartner und verantwortungsvoller Politiker erwiesen, der "in vollem Respekt vor einer recht verstandenen Laizität des Staates" auch "seine christliche Überzeugung eingebracht hat".

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