- 13.04.2011, 10:23:47
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Huainigg: Die Einbindung behinderter Menschen als Motor für gesellschaftliche Weiterentwicklungen
ÖVP-Behindertensprecher sprach in Deutschland vor Merkel und Behindertenvertreterorganisationen
Wien (OTS/ÖVP-PK) - "Was ist Glück?" so lautete der Titel der Rede
des ÖVP-Sprechers für Menschen mit Behinderung, Abg. Dr. Franz-Joseph
Huainigg, vor 300 Behindertenvertreterorganisationen und der
deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Auf Einladung des
Behindertenbeauftragten der deutschen Bundesregierung war Huainigg
gestern, Dienstagabend, zum Jahresempfang des Behindertenbeauftragten
der deutschen Bundesregierung gekommen.
Für Huainigg selbst, der nach einer Impfung im Kindesalter im
Rollstuhl sitzt und beatmet werden muss, bedeutet Glück, "einen
Elektrorollstuhl zu fahren, als Halsschmuck den Schlauch der
Beatmungsmaschine zu tragen, mit einer Atemkanüle zu atmen, mit
meiner neunjährigen Tochter Mensch-ärgere-dich-nicht zu spielen und
mit meiner Familie leben zu dürfen."
Selbst bestimmtes Leben als politisches Programm der
Behindertenbewegung
Für 90 Prozent der Bevölkerung sei selbstverständlich, wofür
behinderte Menschen tagtäglich kämpfen müssen, etwa der Besuch von
Kindergarten und Schule, Fahren mit Bus und Bahn, einer Arbeit
nachzugehen, eine Familie zu gründen, zählte Huainigg auf. "Für die
europäische Behindertenbewegung ist ein selbst bestimmtes Leben das
politische Programm." Die UN-Konvention für die Rechte behinderter
Menschen gebe die Zielsetzung vor: Gleichberechtigte Teilhabe in
Kindergarten, Schule und Beruf, persönliche Assistenz zur Umsetzung
eines selbstbestimmten Lebens und auch das Recht auf Leben schon vor
der Geburt.
Diese Rahmenbedingungen forderten Menschen mit Behinderung zu Recht
ein, die Umsetzung könne nur in Zusammenarbeit mit Betroffenen auf
gleicher Augenhöhe gelingen. Huainigg:"Das Bild vom
bemitleidenswerten behinderten Menschen, dem man vor allem helfen
muss, seinem "untragbaren" Leben ein Ende zu setzen, ist komplett zu
revidieren. Erlösung sieht anders aus. Nicht der Mensch ist
behindert, er wird behindert."
Im eigenen Körper gefangen, aber glücklich
Eine Studie zeige, dass der Großteil völlig gelähmter Menschen mit
ihrer Lebenssituation ebenso zufrieden ist wie gesunde Menschen.
Ausschlaggebend sind dafür soziale Kontakte, Beziehungen, Pflege und
eine aktive Teilhabe am Leben sowie die Kommunikation, die oft mit
Hilfe von Computern durchgeführt wird. In diesem Zusammenhang betonte
Huainigg seine "tiefste Überzeugung, dass wir keine Euthanasiegesetze
brauchen. Es geht nicht um selbstbestimmtes Sterben, es geht um ein
selbstbestimmtes Leben! Für mich sind Euthanasiegesetzgebungen mit
dem Wertekanon Europas absolut nicht zu vereinbaren."
Im deutschen Grundgesetz sei die Menschenwürde verankert, und im
deutschen Bundestag gebe es die Möglichkeit von
Gewissensentscheidungen zu Ethikfragen. "Das sind Dinge, um die ich
Deutschland beneide", betonte Huainigg in seiner Rede. "Auch im
österreichischen Parlament könnten wir uns doch mit ethischen Fragen
wie Präimplantationsdiagnostik oder Pränataldiagnostik
auseinandersetzen."
Die Inklusion behinderter Menschen könne Motor für gesellschaftliche
Weiterentwicklungen sein, fuhr Huainigg fort und verwies etwa darauf,
dass die Inklusion behinderter Kindern die Schule verändert habe.
"Eltern behinderter Kindern haben bei ihren Entscheidungen oft den
schwierigeren Weg genommen. Sie mussten sich die Integration
erkämpfen. Als Politiker müssen wir das zum Maßstab nehmen und Mut zu
nachhaltigen Lebensentscheidungen statt stimmträchtigen
Konsumentscheidungen aufbringen."
In diesem Zusammenhang kam Huainigg abschließend auf den
Literaturpreis Ohrenschmaus (www.ohrenschmaus.net) zu sprechen, der
"Autorinnen und Autoren sucht, wo man sie üblicherweise nicht
vermutet: In der Küche von Wohngemeinschaften, in einer
Kunstwerkstatt oder im Gemeinschaftsraum eines Wohnheimes. Dabei
werden andere Sichtweisen auf die Welt von lernbehinderten Menschen
gesucht, die sonst nicht zu Wort kommen." Der Literaturpreis wurde
von Huainigg selbst vor fünf Jahren ins Leben gerufen. Er wird heuer
zum fünften Mal in den Kategorien Lebensberichte, Prosa und Lyrik
vergeben. Einreichungen sind bereits möglich: Bis 31. August 2011
sucht die Jury wieder herausragende Texte, die LeserInnen neue
Einblicke ermöglichen und zur Vielfalt der Literaturlandschaft
beitragen sollen.
Ein Foto zu der Veranstaltung in Berlin kann in Kürze auf unserer
Homepage www.oevpklub.at abgerufen werden.
(Schluss)
Rückfragehinweis:
Pressestelle des ÖVP-Parlamentsklubs
Tel.: 01/40110/4436
http://www.oevpklub.at
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