- 11.04.2011, 09:55:51
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WirtschaftsBlatt-Leitarikel: Boni für alle: Diese Idee sollte Schule machen - von Andre Exner
Wenn der Gewinn steigt, ist das das Verdienst jedes Mitarbeiters
Wien (OTS) - Der Vorschlag von Ex-Böhler-Uddeholm-Chef Claus
Raidl, Mitarbeiter fix am Unternehmensgewinn zu beteiligen und das
vielleicht sogar gesetzlich zu verankern, klingt wie die Idee eines
Gewerkschaftsführers, der nicht Max Weber, sondern Karl Marx zu
seinen Idolen zählt. Dabei argumentiert Raidl einleuchtend: Obwohl
wir uns heuer auf das höchste Wirtschaftswachstum seit 2008 freuen
dürfen, sollen die Reallöhne in Österreich zurückgehen. Die Gewinne,
die die österreichischen Unternehmen erwirtschaften, kommen also dem
Faktor Kapital zugute - und nicht dem Faktor Arbeit. Und das stört zu
Recht sogar jemanden, der von Haus aus kein Freund von
Regulierungsmaßnahmen in der Wirtschaft ist.
Selbst unter Österreichs Elite-Unternehmen, also den 20 Mitgliedern
im Leitindex der Wiener Börse, stößt Raidls Idee einer fixen
Mitarbeiter-Gewinnbeteiligung auf viel Unverständnis (siehe Seite 2).
Dabei haben die meisten dieser Unternehmen ihren Gewinn im Vorjahr
zweistellig steigern können - und haben das auch in den kommenden
Jahren vor. Eine Glanzleistung, die nur dank der unermüdlichen Arbeit
des Managements, aber eben auch der Mitarbeiter der ATX-Player von
Andritz über OMV bis zur Voestalpine, gelingen konnte. Wenn ein
Unternehmen seinen Gewinn so stark steigert, ist das dem Einsatz
jedes einzelnen Mitarbeiters zu verdanken und nicht nur das Verdienst
der Führungsebene, die ja sowieso in Form von Boni, Prämien oder
Aktienoptionen am Erfolg beteiligt ist.
Eine fixe Beteiligung der Mitarbeiter am Gewinn wäre doch die beste
Motivation für die Zukunft - und der beste Weg, diejenigen, die für
den Erfolg maßgeblich waren, langfristig an das Unternehmen zu
binden. Zudem würden dann auch die Lohnverhandlungen entspannter
ablaufen. Natürlich bleibt einem Unternehmen, das die Mitarbeiter am
Gewinn beteiligt, etwas weniger für Zukäufe oder Erweiterungen. Doch
auch das in die Mitarbeiter investierte Geld ist gut angelegt.
Sogar aus reiner Eigennützigkeit könnte es bei Großkonzernen - und
zwar nicht nur bei börsenotierten - für den Vorstand überlegenswert
sein, das "System Raidl" mit der fixen Gewinnbeteiligung für alle
einzuführen. Ein Mitarbeiter, der in guten Zeiten am Gewinn-Kuchen
mitnaschen darf, ist ein Mitarbeiter, der auch in schlechten Zeiten
nicht sofort das Management kritisiert: War man am Erfolg
"offiziell", sprich finanziell, beteiligt, versteht man
wahrscheinlich leichter, dass auch der Misserfolg mehrere Väter hat.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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