• 11.04.2011, 08:53:47
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  • OTS0016 OTW0016

e-Medikation: Abstimmung mit den Füßen?

Wien (OTS) - Da hat sich also Herr Dr. Schelling am 25.03.2011 im
Morgenjournal gewünscht, dass 200.000 (sic) Patienten von Anfang an
bei der e-Medikation mitmachen. Nach einer Woche Pilotbetrieb haben
sich gerade einmal 300 Leute angemeldet, so die Ö1 Nachrichten vom
10.04.2011 09:00.

Also zumindest initial haben wir hier eine Verschätzung im Bereich
von wenig unter drei Zehnerpotenzen. Hoffentlich verschätzen sich die
Herrschaften bei den Kosten nicht auch um diesen Betrag - wir
Österreicher sind hier ja schon einiges gewöhnt - ich empfehle die
Erinnerungen in den letzten 30 Jahren umherschweifen zu lassen!
Die perfekte Eloquenz und Argumentation des Hauptverbandes konnte
also nicht nur die niedergelassene Ärzteschaft nicht überzeugen (den
Ärzten wirft man ja Unwilligkeit, Unfähigkeit, Technikfeindlichkeit,
Fortschrittsfeindlichkeit etc... vor), sondern wurde auch von
Patientenseite nicht angenommen.

Üblicherweise ist es so, dass Neuerungen, deren Vorteile
offensichtlich sind, sofort angenommen werden. Ich denke an die
Mobiltelefonie, an Radio und Television. Die Vorteile der
e-Medikation als Teil von ELGA sind aber für die davon Betroffenen
nicht evident - ganz im Gegenteil: für Ärzte gehört die für die
e-Medikation plakativ angekündigte Medikamentenüberprüfung seit
Jahren zum medizinische Standard, da wir schon lange über
Medikamentenprüfungsprogramme verfügen, ansonsten ergeben sich für
uns nur Nachteile in Form von mehr Bürokratie in der Administration
des zusätzlichen Prüfprogrammes des Hauptverbandes auf Kosten der
Patientenzuwendung und mehr Observation zum Schaden der
Arzt-Patienten-Vertraulichkeit. Für Patienten steht das Gespenst der
völligen Durchleuchtung intimsten Winkel der Persönlichkeit im
Vordergrund, was sich ganz unmittelbar bei Jobsuche, Kredit- und
Versicherungswürdigkeit unangenehmst bemerkbar machen kann.

Nachdem auf Hauptverbandsseite der ungebrochene Wille zur
Durchsetzung dieser für Freiheit und ungestörte Privatheit
bedrohlichen Technologie vorhanden scheint, bleibt nur die Hoffnung,
dass das Geld zur Durchsetzung nicht ausreichen wird. Die Aussicht
dazu ist bei einer Staatsschuld von wahrscheinlich mehr als 100% des
BIP intakt.

Jetzt soll mit mehr Werbung die Teilnahmemotivation der Patienten
gesteigert werden, also mit Geld, das wesentlich sinnvoller in der
Versorgung der Kranken mit restriktiv gehandhabten Leistungen aus
den Bereichen Krankentransport und chefarztpflichtiger Medikamente
angelegt werden könnte.

Aber wie gesagt: die Bäume sind noch nie in den Himmel gewachsen!

Rückfragehinweis:

Für den Österreichischen Hausärzteverband:
   MR.Dr. WERNER Wolfgang
   1100 Wien, Weitmosergasse 3
   Präsident ÖHV-Wien
   Bundessekretär des ÖHV
   Tel.: 01 617 22 68, Fax: 01 617 22 684, Mobil: 0699 1788 7242
   mailto:[email protected], URL: http://www.drwwerner.at

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