• 07.04.2011, 12:56:39
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Leitl: "Österreich für Arbeitsmarktöffnung sehr gut aufgestellt"

Experten schätzen Zuwanderungspotenzial auf 15.000 bis 25.000 Menschen - Zugewinn für Österreich aus Migration ab 1. Mai rund 900 Mio. Euro

Wien (OTS/PWK259) - "Österreich ist für die Arbeitsmarktöffnung
ab 1. Mai sehr gut aufgestellt. Unsere Wirtschaft und unser
Arbeitsmarkt sind in einer starken Verfassung. 2010 und heuer beträgt
der Zuwachs an neuen Arbeitsplätzen in Österreich insgesamt rund
100.000", zeigte sich WKÖ-Präsident Christoph Leitl am Donnerstag
optimistisch. Auch die Ökonomien und Arbeitsmärkte unserer
Nachbarländer seien intakt, "daher sind aus der Arbeitsmarktöffnung
keine Umwälzungen zu erwarten. Niemand braucht Ängste und Sorgen zu
haben." Am ehesten werde es Pendlerbewegungen im grenznahen Bereich
geben. "Und hier kommen Kräfte, die wir brauchen, weil sie den
Fachkräftebedarf unserer Betriebe decken und einen wichtigen Beitrag
für den Wohlstand in Österreich und die sozialen Netze liefern".

Die Bundesregierung und die Sozialpartner hätten sehr gute
Voraussetzungen für die Arbeitsmarktöffnung geschaffen. Eine
wesentliche Rolle spielt dabei die Rot-Weiß-Rot-Karte als
zukunftsorientiertes Migrationsmodell. Mit der Rot-Weiß-Rot-Karte
wird erstmals ein kriteriengeleitetes Zuwanderungsmodell eingeführt,
das anhand von objektiven Kriterien wie Qualifikation,
Berufserfahrung, Alter und Sprachkenntnisse transparent macht, unter
welchen Voraussetzungen Menschen außerhalb der EU zuwandern können.
Zudem werde das Gesetz gegen Lohn- und Sozialdumping für Sicherheit
sorgen, weil für Arbeit in Österreich österreichische
Rahmenbedingungen gelten müssten, unterstrich der WKÖ-Präsident. "Wir
wollen keine Dumping-Konkurrenz, sondern einen fairen Wettbewerb".

AMS unterstützt Betriebe über das Online-Portal EURES
"Österreich hat die Zeit der Übergangsfristen klug genützt und sich
auf die Arbeitsmarktöffnung vorbereitet", betonte Johannes Kopf,
Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS) Österreich. So wurde der
österreichische Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren schrittweise -
nach dem jeweils vorliegenden Arbeitskräftebedarf - für die
verschiedensten qualifizierten Berufsgruppen (z.B. Pflegepersonal,
Metallarbeiter) geöffnet. Das AMS stellte allein über die sogenannte
Fachkräfteverordnung rund 17.000 Arbeitsbewilligungen für Bürger aus
den neuen Mitgliedstaaten aus.
"Durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit rechnen wir mit einem
zusätzlichen Arbeitskräfteangebot von 15.000 bis 25.000 Personen,
rund die Hälfte der Arbeitskräfte wird in der Region
Wien/Niederösterreich arbeiten, ebenfalls ein großer Teil im
Burgenland und der Steiermark. Für Fachkräfte und Schlüsselkräfte aus
den neuen EU-Staaten ist unser Arbeitsmarkt ja in Wirklichkeit
bereits jetzt offen, daher werden ab Mai vor allem Personen mit
mittlerer Qualifikation erwartet. Dabei wird es sich weniger um echte
"Zuzügler", sondern vor allem um Tagespendler handeln, die von den
vergleichsweise höheren Löhnen in Österreich und den niedrigeren
Lebenserhaltungskosten in ihrem Heimatland profitieren. Am stärksten
wird der Zustrom von den ungarischen Landsleuten genutzt werden,
weniger stark von Tschechen und Slowaken, da dort in grenznahen
Gegenden, wie beispielsweise in Bratislava, teilweise bereits selbst
Arbeitskräfteknappheit herrscht", erklärte Kopf.

Lediglich 2 % aller europäischen Bürger leben und arbeiten nicht
in ihrem Herkunftsland. Kopf: "Will man die europäische Idee
verstärkt leben, so gibt es auch für die Arbeitsmarktverwaltungen
Europas hier noch viel zu tun. In diesem Sinne begrüßt das AMS die
Öffnung des Arbeitsmarktes." Unternehmen, die Fachkräfte aus dem
Ausland suchen, unterstützt das AMS über EURES - das online Portal
der Europäischen Arbeitsmarktverwaltungen (http://eures.europa.eu).
Europaweit finden sich aktuell bereits mehr als eine Million freier
Stellen im EURES-Portal.

Deutschland und Österreich als Profiteure

Auch Timo Baas vom deutschen Institut für Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung erwartet durch die Öffnung keine gravierenden
Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Gesamtwirtschaft. "Österreich hat
eine gute Wachstumsdynamik und einen flexiblen Arbeitsmarkt. Deshalb
werden die Arbeitsmarkteffekte durch die Öffnung gering sein. Die
Migranten und Tagespendler werden gut integriert werden." Die
Migranten seien vergleichsweise jung und wiesen ein relativ hohes
Bildungsniveau auf, geht aus Studien hervor, in denen Baas die
ökonomischen Auswirkungen der Arbeitsmarktöffnung beleuchtet hat.

"Die einheimische Bevölkerung profitiert langfristig von der
Zuwanderung, weil ihre Einkommen dadurch steigen". Die Beseitigung
von Migrationsbarrieren im Zuge der EU-Osterweiterung hat das BIP der
erweiterten EU den Analysen zufolge um 0,2 Prozent oder 24 Milliarden
Euro erhöht. Baas: Auf Österreich entfällt damit ein Zugewinn durch
die Migration ab 1. Mai von insgesamt rund 900 Mio. Euro."
Baas Fazit: "Insgesamt ist festzustellen, dass aufgrund der bereits
vorweggenommenen Öffnung der Güter- und Kapitalmärkte Deutschland und
Österreich ganz erheblich von der EU-Osterweiterung profitiert haben
und jetzt - was die Deckung des Arbeitskräftebedarfs betrifft -
weiter profitieren werden". (PM)

Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Stabsabteilung Presse
Mag. Rupert Haberson
Tel.: T:(+43) 0590 900-4362, F:(+43) 0590 900-263
mailto:[email protected]
http://wko.at/Presse

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