• 06.04.2011, 18:30:01
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WirtschaftsBlatt - Leitartikel: Feiern, solange es noch etwas zu feiern gibt - von Jochen Hahn

Die Zinswende ist notwendig - ihre Folgen werden ungemütlich

Wien (OTS) - Heute ist ein historischer Tag. EZB-Chef Jean-Claude
Trichet wird mit einem ersten Zinsschritt von 25 Basispunkten nach
oben die Zinswende einläuten. Damit geht ein sehr expansives und rund
zweijähriges Innehalten der EZB zu Ende. Immerhin liegt der Leitzins
in der Eurozone seit Mai 2009 bei 1,0 Prozent - ein Allzeittief.

Grundsätzlich ist dieser Zinsschritt ein kosmetischer und vom
Drei-Monats-Euribor längst eingepreist, der ja schon deutlich über
1,25 Prozent notiert. Dahinter steckt aber viel mehr, nämlich ein
Zeichen an die Finanzmärkte, dass die Zeit des billigen Geldes
demnächst Geschichte sein wird. Dementsprechend ist es auch ein Test
für die Marktteilnehmer, und viel mehr als der Zinsschritt selbst,
wird das, was Trichet danach in der Pressekonferenz zu sagen hat,
kursbewegend sein. Denn weitere Zinsanhebungen werden folgen.

Mit den Maßnahmen will die EZB den Inflationsdruck im Keim ersticken.
Die Teuerung wird derzeit von haussierenden Rohstoff- und
Lebensmittelpreisen angetrieben. Ausschlaggebend dafür ist natürlich
zum Teil die hohe Nachfrage - besonders aus China -, ein Gutteil der
rasanten Preissprünge ist aber spekulativen Marktteilnehmern
geschuldet. Diese schwimmen aktuell aufgrund der niedrigen Zinsen in
Geld und haben Anlagenotstand.

Die Gelddruckmaschine Nummer eins steht allerdings nicht bei der EZB
in Frankfurt, sondern ist in der US-Notenbank (Fed) stationiert.
Fed-Chef Ben Bernanke hält die US-Leitzinsen aktuell zwischen 0,0 und
0,25 Prozent und denkt erst in Ansätzen über eine Zinserhöhung nach.

Noch entscheidender ist das sogenannte Quantitative Easing, also der
Rückkauf von Staatsanleihen. Das aktuelle Programm (QE2) läuft bis
Juni. Dabei pumpt Bernanke Monat für Monat rund 100 Milliarden US-$
in den Markt.

Anleger sollten sich daher auf ein jähes Ende der Hausse gefasst
machen, denn der aktuell äußerst robuste Wirtschaftsaufschwung wird
zu einem Großteil durch das Übermaß an Liquidität getrieben.

Versiegt diese Quelle, wird sich zeigen, ob der Aufschwung
selbsttragend ist. Ähnliches gilt freilich für die Börsenrally, wo
die Wahrscheinlichkeit für Korrekturen bei steigenden Zinsen Richtung
Herbst bedeutend höher wird. Mittelfristig sind die Gewitterwolken
aber wesentlich dünkler, denn mit steigenden Zinsen wird die
Staatsschuldenproblematik zum bestimmenden Thema, auch in den USA.

Die Zinswende ist notwendig - ihre Folgen werden allerdings nicht
glimpflich ausfallen. Alle Beteiligten sollten sich auf eine harte
Landung einstellen.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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