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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Eine zweite Chance für Anleger" (Von Kurt Horwitz)
Ausgabe vom 07. 04. 2011
Wien (OTS) - Gutgläubige Sparer, die Aktien von Immofinanz und
Immoeast gekauft haben, bekommen eine zweite Chance: Wenn ihnen
Berater tatsächlich eingeredet haben, dass diese Wertpapiere "so
sicher wie ein Sparbuch" sind, könnten sie einen Teil ihrer Verluste
ersetzt bekommen.
Darauf lässt eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Wien hoffen: Es
hat die Sammelklagen des Vereins für Konsumenteninformation (VKI)
gegen den "persönlichen Finanzoptimierer" AWD zugelassen. Dabei geht
es um rund 2500 Geschädigte und einen Streitwert von 40 Millionen
Euro.
Wenn sich herausstellt, dass Berater bei Empfehlungen nicht das Wohl
ihrer Kunden, sondern nur ihr eigenes im Auge gehabt haben, dann sind
Entschädigungszahlungen fair und gerecht. Es wäre aber fatal, könnten
Anleger künftig grundsätzlich damit rechnen, dass sie Gewinne
lukrieren, Verluste hingegen mit guten Erfolgschancen einklagen
können.
Die Eigenverantwortung der Sparer wird deshalb in jedem Einzelfall
sehr genau zu prüfen sein: Schadenersatz darf nur fällig werden, wenn
tatsächlich eine eklatante, für Anleger nicht durchschaubare
Fehlberatung vorliegt. Ansonsten sind dem Missbrauch Tür und Tor
geöffnet.
Niemand würde einem Gebrauchtwagenhändler glauben, der einem zehn
Jahre alten Sportwagen eine Höchstgeschwindigkeit von 200
Stundenkilometern und einen Durchschnittsverbrauch von fünf Litern
bei Vollgas andichtet. Einem Finanzberater, der jährliche Gewinne von
zehn Prozent und mehr für angeblich völlig risikolose Anlagen
verspricht, wird aber nur zu gerne vertraut.
Dieser Leichtgläubigkeit gehört ein Riegel vorgeschoben. Neben den
Richtern ist auch der Gesetzgeber gefordert: Ein angemessener
Selbstbehalt für die staatliche Garantie von Spareinlagen ist
überfällig. Sonst versprechen dubiose Banken das Blaue vom Himmel,
der Kunde kassiert hohe Zinsen und hält sich im Verlustfall beim
Staat - also beim Steuerzahler - schadlos.
Die Konsumenten müssen daran gewöhnt werden, dass sie auch beim
Geldanlegen nicht jeden Schwachsinn glauben, den ihnen egoistische
"Berater" einreden wollen. Das sollte auch der VKI bedenken, ehe er
"totale Sicherheit" in allen Lebenslagen fordert.
Rückfragehinweis:
Vorarlberger Nachrichten, Chefredaktion
Tel.: 0676/88005382
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