- 05.04.2011, 11:42:37
- /
- OTS0122 OTW0122
Impfskepsis gefährdet Volksgesundheit
20 Jahre Impftag: Erfolge und Grenzen des Impfwesens
Wien (OTS) - Impfen ist die erfolgreichste Strategie der Medizin
im Kampf gegen Infektionskrankheiten. Dennoch scheint es neben den
großen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Erfolgen, die
Impfungen bereits gebracht haben, auch Grenzen und Widerstände zu
geben. Durch eine zunehmende Impfmüdigkeit oder Impfskepsis sinkt die
Durchimpfungsrate. Viele Personen erkranken wieder an schweren
Infektionen, wie am Beispiel von Masern und Röteln ersichtlich wird.
Dadurch kommt es zu einer Renaissance schwerer Infektionskrankheiten
in Österreich.
Impfungen lebensnotwendig für Risikogruppen
Besonders Risikogruppen (wie Schwangere, Tumorpatienten, chronisch
Kranke, Autoimmunkranke etc.) stehen unter einem erhöhten
Infektionsrisiko und sind daher eine besondere Zielgruppe für eine
adäquate Impfversorgung. "Diese Risikogruppen profitieren zum einen
besonders von der guten Durchimpfungsrate der gesamten Bevölkerung
und dem kollektiven Impfschutz, zum anderen ist ein ausreichender
Individualschutz essentiell zur Krankheitsverhinderung bei direktem
Erregerkontakt", so Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt,
Vorstand des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin,
Medizinuniversität Wien.
Die derzeit bestehenden Impfempfehlungen für Risikopatienten
beruhen vorwiegend auf theoretischen Überlegungen und zu geringer
Datenlage. Daher ist die Impfcompliance von Seiten der Patienten -
aber auch der Ärzte - oftmals nicht sehr hoch, und führt zu einer
unzureichenden Impfversorgung dieser Risikopatienten. Unbestritten
ist aber, dass bei diesen Personengruppen besonderes Augenmerk auf
eine adäquate Impfversorgung gelegt werden muss. Auch wenn nicht in
allen Fällen ein vergleichbar hoher Impfschutz wie bei gesunden
Personen erreicht werden kann, so kann dennoch Verlauf und Dauer
einer Infektion auch mit einem suboptimalen Impfschutz verringert
werden. Fragen die auf der Basis der Evidenz-basierten Medizin zu
klären sind, sind der richtige Zeitpunkt einer Impfung im Rahmen
laufender Therapien oder während der Schwangerschaft, Dauer des
Impfschutzes und welche Impfstoffe (adjuvierte Impfstoffe) bevorzugt
für Risikogruppen einzusetzen sind.
Warum Impfen sinnvoll ist
"Die Akzeptanz von Impfungen sinkt in unserer Gesellschaft. Wir
fürchten uns nicht mehr vor der Krankheit, sondern viel mehr vor den
(seltenen und meist harmlosen) Nebenwirkungen der Impfung", gibt
Univ.-Prof. Dr. Heidemarie Holzmann, Leiterin der Abteilung für
Angewandte Medizinische Virologie, Department für Virologie,
Medizinischen Universität Wien, zu bedenken. Eltern werden von
Impfskeptikern und negativen Medienberichten verunsichert. Es gibt
Gruppen, die Impfungen aus religiösen oder philosophischen Gründen
ablehnen. Diese nicht geimpften Populationen sind häufig
Ausgangspunkt von Epidemien.
Es kann nicht oft genug betont werden, dass Impfungen zu den
wirksamsten Vorsorgemaßnahmen zählen. Sie haben nicht nur einen
positiven Einfluss auf die geimpfte Person, sondern auch auf die
Volkswirtschaft. Mit einer Impfung und dem dadurch entstandenen
Impfschutz erspart man den Geimpften eine lebensbedrohliche Krankheit
und der Allgemeinheit die oft hohen Kosten der Krankenbehandlung.
Statt Elimination bis 2010 leider noch immer hochaktuell:
Masernerkrankungen
Jedes Kind kann heute gegen Masern, Mumps oder Röteln geimpft
werden. Doch nicht alle Eltern schließen sich den Impfempfehlungen
an. Viele impfmüde Mütter und Väter nehmen die gefährliche Erkrankung
ihres Kindes bewusst in Kauf oder fördern sie sogar. Masern sind
allerdings keine harmlose Kinderkrankheit, sondern eine gefährliche
Infektionserkrankung. Der Erreger, das Masernvirus, ist hochinfektiös
und wird praktisch immer klinisch manifest. "In den Statistiken der
WHO zählt Österreich mit der Schweiz und Deutschland zu den Top Ten
der Länder mit hohen Zahlen an Masern-Neuerkrankungen", bedauert
Holzmann.
Laut WHO waren die Masern im Jahr 2000 weltweit mit 733.000
Todesfällen für fast die Hälfte der durch Impfung vermeidbaren
Todesfälle im Kindesalter verantwortlich. Obwohl diese Zahl durch
große Impfaktionen in den Entwicklungsländern auf 164.000 im Jahr
2008 gesenkt werden konnte, zählen die Masern auch heute noch zu den
führenden Erkrankungen mit Todesfolge in dieser Altersgruppe.
Gemeinsam mit anderen Gesundheitsorganisationen hat die WHO dieser
Erkrankung daher den Kampf angesagt. Zwischen 2000 und 2008 wurde die
globale Masern-Mortalitätsrate um 78 Prozent gesenkt. 4,3 Millionen
Todesfälle konnten in diesem Zeitraum verhindert werden.
Herausforderungen der Zukunft
In vielen Ländern Europas (Ausnahme Nordeuropa) sind die
Durchimpfungsraten nicht ausreichend hoch, um die
Wildviruszirkulation zu unterbrechen. Dadurch wurde das Ziel der
Masernelimination in Europa bis zum Jahr 2010 nicht erreicht. Noch
immer sind wir mit großen Masernausbrüchen in Westeuropa
konfrontiert. In den Statistiken der WHO zählt Österreich mit der
Schweiz und Deutschland zu den Top Ten-Ländern mit hohen Zahlen an
Masern-Neuerkrankungen. Während sich bei uns die Durchimpfungsraten
bei den Kleinkindern auf Grund der Impfprogramme bessern, bestehen
noch immer große Impflücken bei den 15- bis 30-Jährigen. Dies zeigten
stets die Masernausbrüche der jüngsten Vergangenheit.
"Wenn wir das Ziel der Masernelimination bis zum Jahr 2015
erreichen wollen, brauchen wir eine verantwortungsvolle
Berichterstattung, eine Aufklärung der Bevölkerung in Bezug auf die
Masernerkrankung und die Vermeidbarkeit durch Impfung, eine Erhöhung
der Durchimpfungsraten und vor allem den politischen Willen zu
zusätzlichen Impfkampagnen für junge Erwachsene", so Holzmann.
20 Jahre Impftag
Der Österreichische Impftag feiert unter dem Motto "Dem Impfwesen
verpflichtet" am 9. April 2011 in Salzburg sein 20-jähriges Jubiläum.
Heute ist der Impftag die wichtigste Fortbildungsveranstaltung für
Ärzte und Apotheker zum Thema Impfen. Beide Gesundheitsberufe
gleichermaßen zu berücksichtigen, war die Ursprungsidee des Gründers
Prof. DDr. Ernst-Gottfried Huber, Primarius an der Kinderklinik
Salzburg. Professor Huber hat sich schon früh für das Thema Impfen
eingesetzt und als einer der ersten die Rötel-Impfung propagiert. Der
engagierte Arzt erfand den Impftag und war Gründer des Grünen
Kreuzes, der Träger-Organisation des Impftags.
Ziel des Impftags ist die Verbreitung von Wissen über das
Impfwesen. Der Impftag wird jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der
Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, der Österreichischen
Ärztekammer und der der Österreichischen Apothekerkammer abgehalten.
Das Konzept des Impftags ist dermaßen erfolgreich, dass mittlerweile
in vielen Bundesländern zusätzlich lokale Impftage für Ärzte zu
Apotheker stattfinden. Nähere Informationen unter
www.gruenes-kreuz.org
Impfaktionen in der Apotheke
Apothekerinnen und Apotheker spielen seit vielen Jahren eine
bedeutende Rolle bei der Information über die Notwendigkeit von
Impfungen und administrieren seit Jahrzehnten das
Kinder-Gratis-Impfprogramm. "Die Impfaktionen in den Apotheken helfen
mit, die Impfraten stabil zu halten bzw. zu erhöhen", sagt Dr.
Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen
Apothekerkammer. Hepatitis, FSME und Keuchhusten sind aufgrund groß
angelegter Impfkampagnen deutlich seltener geworden. "Das ist für uns
ein Ansporn, auch weiterhin Impfaktionen in den Apotheken
durchzuführen," so Körner.
Auch 2011 laufen wieder etliche Impfaktionen in den Apotheken.
Alle Aktionen zeichnen sich dadurch aus, dass die Impfstoffe im
Aktionszeitraum preisgünstiger angeboten werden. Dabei verzichten die
Apotheker auf einen großen Teil ihrer Spannen.
Impfaktion gegen Meningokokken: 1. März bis 30. September
Impfaktion gegen Hepatitis: 1. April bis 31. Mai
Impfaktion gegen FSME: 1. Jänner bis 31. Juli
"Frisch dich auf"-Impfaktion für junge Erwachsene (Diphtherie,
Tetanus, Kinderlähmung und Keuchhusten): 1. Mai bis 30. Juni.
Für Herbst werden wieder Impfaktionen gegen Pneumokokken und
Influenza vorbereitet.
Rückfragehinweis:
Österreichische Apothekerkammer Presse und Kommunikation Mag. Gudrun Reisinger, Mag. Jutta Pint Tel.: 01/404 14/DW 600 oder 601 E-Mail: [email protected] oder [email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | APO






