- 02.04.2011, 07:30:11
- /
- OTS0006 OTW0006
Ärztekammer zu Spitalsreform: Wawrowsky warnt vor Zerschlagung der Facharzt-Ordinationen
Länder wollen Beitragsgelder der Krankenkassen - Ziel ist Ausbau der Spitalsambulanzen
Wien (OTS) - Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind
skeptisch gegenüber einer Mitsprache der Länder bei der Planung,
Steuerung und Finanzierung der Arztpraxen. Diesen Wunsch hat zuletzt
die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely geäußert. Sollten die
Länder mitbestimmen, dann gehe es weniger um eine Verbesserung der
wohnortnahen Gesundheitsversorgung, sagte der Vizepräsident der
Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Bundesvorsitzende der
niedergelassenen Ärzte, Günther Wawrowsky, Samstag in einer
Aussendung. Die Länder wollten offensichtlich unbegrenzt an die
Mittel der Sozialversicherungen herankommen, um damit ihre Spitäler
und Ambulanzen finanziell zu sanieren.
Wawrowksy: "Die Länder haben mit ihren Spitälern Schulden in der Höhe
von fast drei Milliarden Euro angehäuft. Ihr Kalkül ist, diese
Schulden über die Beiträge der Sozialversicherten in den Griff zu
bekommen." Dabei könnte es Absicht sein, die Spitalsambulanzen zu
fachärztlichen Zentren auszubauen. Mittel- bis langfristige Folge
wäre die weitgehende Aushöhlung der wohnortnahen fachärztlichen
Versorgung über Ordinationen und Gruppenpraxen. "Wir kennen dieses
Modell aus England, wo die fachärztlichen Leistungen ausschließlich
auf die Spitalsambulanzen konzentriert sind", sagte der Bundeschef
der niedergelassenen Ärzte. Die Begleiteffekte lägen auf der Hand:
Unterversorgung an der Peripherie, lange Anfahrtswege für die
Patientinnen und Patienten, überlaufene Ambulanzen, endlose
Wartezeiten, überlastete Spitäler. Gleichzeitig sei auch dieses
Modell völlig ungeeignet, die Finanzprobleme des Gesundheitswesens
unter Kontrolle zu bringen.
Die niedergelassenen Ärzte warnen nun nachdrücklich vor dieser
Entwicklung. Wawrowsky forderte in diesem Zusammenhang die Teilnehmer
an den aktuellen Verhandlungen zur Spitalsreform auf, die Karten auf
den Tisch zu legen und sich glaubwürdig von der Zentrierung des
fachärztlichen Angebots in den Spitälern zu distanzieren. "Wir
erwarten, dass auch die Bundesländer deutliche und rasche Zeichen zur
Förderung der Gesundheitsbetreuung der Bevölkerung im wohnortnahen
Bereich durch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte setzen", sagte
der hohe Ärztepolitiker abschließend. (ms)
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: 0664/522 68 25
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NAE






