Ludwig Boltzmann Gesellschaft: Archäologischer Fund auf der Schwäbischen Alb - BILD
Wien (OTS) - Das LBI Archäologische Prospektion und Virtuelle
Archäologie untersucht gemeinsam mit Römisch-Germanischem
Zentralmuseum Mainz ehemals dicht besiedelte Kulturlandschaft bei
Bräunisheim.
Das Ludwig Boltzmann Institut Archäologische Prospektion und
Virtuelle Archäologie (LBI Archpro) startet nach dem erfolgreichen
"Woodhenge"-Projekt im vergangenen Jahr (ein weiteres Monument nahe
bei Stonehenge) eine neue spannende Untersuchung auf der Schwäbischen
Alb: gemeinsam mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz
und der deutschen staatlichen Denkmalpflege erkundet das Team aus
Archäologen, Geophysikern und Computerexperten ein 20 km2 großes
Gebiet zwischen Waldhausen und Stubersheim.
Seltsame Gefährte fahren seit zwei Wochen über Wiesen und Felder: was
aussieht wie Traktoren samt Rasenmähern, sind tatsächlich
hochsensible Radargeräte, die von Quads gezogen werden. Sie
registrieren kleinste Abweichungen im Erdmagnetfeld. Aktuelle
Messungen zeigen Spuren längst verlassener Siedlungsplätze und
anderer Überreste früherer Landnutzung.
Seit dem 14. März 2011 wurden über 70 Hektar mittels
hochauflösenden Messungen untersucht: die erste Datenanalyse bringt
eine überraschend dicht besiedelte römische Kulturlandschaft zum
Vorschein: bei Bräunisheim wurden zwei Gutshöfe mit zahlreichen
architektonischen Details erfasst, so etwa der säulenumstandene
Innenhof oder die Fußbodenheizung des Badetrakts. Neben einem der
Höfe wurden Strukturen entdeckt, die auf ein repräsentatives
Grabmonument deuten. Entlang der alten Römerstraße vom Kastell
Urspring nach Heidenheim zeigen die Datenbilder Überreste einer aus
Holz errichteten Siedlung. Möglicherweise handelt es sich um die 1225
in einer päpstlichen Urkunde genannte Siedlung Wolfgerswilar.
Während Magnetometer-Messungen besonders geeignet sind, Gruben,
Pfostenlöcher, Gräben, Feuerstellen und Eisenverhüttungsplätze
nachzuweisen, ermöglichen Bodenradarmessungen dreidimensionale
Kartierungen von Mauerresten und Bodeneingriffen. Durch hochpräzise
Geländemodelle, die mittels Lasertechnologie von Flugzeugen aus
erstellt werden, können archäologische Fundstellen auch in bewaldeten
Gebieten geortet werden. Das Forschungsvorhaben widmet sich der
Entwicklung zerstörungsfreier Technologien zur großflächigen
Kartierung bedrohter Bodendenkmäler. Zum Einsatz kommen motorisierte
Messsysteme und satellitengestützte Positionierung in bisher
unbekannter Auflösung und Genauigkeit. Da die Aussagekraft der
Messbilder von ihrer Großflächigkeit abhängig ist, ist für ein
Gelingen des Projektes die Abstimmung mit den Grundeigentümern von
wesentlicher Bedeutung. Ihr Entgegenkommen und Interesse hat zum
bisherigen Erfolg erheblich beigetragen.
Erstmals können nicht einzelne Fundstellen, sondern ganze
Siedlungslandschaften archäologisch erfasst und detailliert kartiert
werden. Damit ergeben sich neue Möglichkeiten zum Verständnis der
komplexen Wechselbeziehungen zwischen dem Menschen und seiner Umwelt.
Ziel des 2010 gegründeten LBI Archpro ist es, unter Einbindung von
Geophysik, Informatik und Geomatik effiziente Techniken für die
zerstörungsfreie Auffindung, Dokumentation und Visualisierung des
archäologischen kulturellen Erbes zu entwickeln. Dazu wird modernste
Prospektionstechnologie eingesetzt; etwa flugzeuggetragene Scanner
aus der Luft in Kombination mit neuen Magnetometer- und Radarsystemen
am Boden, welche Gelände und Spuren der im Boden verborgenen
archäologischen Fundstellen exakt erfassen und am Bildschirm sichtbar
machen können.
Weitere Partner des LBI mit Standort Wien sind die Universität
Wien, die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ZAMG, die
University of Birmingham, die Technische Universität Wien,
Riksantikvarieämbetet - Swedish National Heritage Board, das Amt der
NÖ. Landesregierung und Norsk institutt for kulturminneforskning -The
Norwegian Institute for Cultural Heritage.
Die 1960 gegründete Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine
private Trägerorganisation für Forschungseinrichtungen in Österreich
und befasst sich mit medizinisch-klinischen sowie geistes-, sozial-
und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen. Seit einer umfassenden
Organisationsreform 2002 werden Ludwig Boltzmann Institute (LBI)
aufgrund von Ausschreibungen und mit internationalem
Begutachtungsverfahren eingerichtet. Ein besonderes Merkmal von
Ludwig Boltzmann Instituten ist die Kooperation mit
Partnerorganisationen.
Tel: +43 660 5527780
LBI Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie
http://archpro.lbg.ac.at















