- 15.03.2011, 14:27:04
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Japan und internationaler Getreidemarkt zwischen Hoffen und Bangen
Kurse im Tief - Talsohle gesucht - Volatilität unregulierbar, wenn nicht Wetter reguliert wird
Wien (OTS/aiz.info) - An der wichtigsten europäischen
Warenterminbörse Euronext in Paris standen gestern, Montag, Weizen,
Mais und Raps unter massivem Verkaufsdruck einer Liquidationswelle
auch unter dem Eindruck stark fallender Aktienmärkte. Es geht die
Furcht um, japanische Fonds steigen massiv aus dem Rohstoffsektor
aus, um damit ihre Verluste auf den Aktienmärkten zu kompensieren.
Ein Ende ist noch nicht abzusehen. Heute, Dienstag, Vormittag setzten
die europäischen Weizen-, Mais- und Rapsfutures ihre Talfahrt
ungebremst fort. Der Europäische Weizenfutures brachte es heute auf
20% Verlust seit Einsetzen der ersten panikartigen Verkäufe am 22.02.
und auf mehr als 25% Minus seit seinem Zweieinhalb-Jahre-Hoch am
09.02.2011. "Wer damals noch nicht verkauft hat, der tut es jetzt",
so Analysten an der Euronext zur Katerstimmung infolge zuerst der
politischen Instabilität in Nordafrika und jetzt des verheerenden
Erdbebens und Tsunamis in Japan mit der drohenden Nuklearkatastrophe.
Auch der New Yorker Rohzuckerfutures fiel am Dienstag um 4,9% auf
seinen tiefsten Stand seit Mitte Dezember 2010. An der CBOT in
Chicago war am Montag vor allem die Maisnotierung von den Ängsten um
die Unterbrechung der Handelsströme nach Japan betroffen.
Talsohle gesucht - Ab April wieder Rückkehr von Fonds und physischer
Nachfrage gesehen
Die Frage lautet jetzt, wo die Talsohle angesiedelt ist. "An einem
gewissen Punkt werden die Leute nämlich wieder für mehr zurückkommen
müssen", hieß es heute an der Euronext. Trotz - oder zum Teil auch
wegen - der scharfen Preiskorrekturen bei Getreide sehen nämlich
Analysten wie der Chef des französischen Beratungsunternehmens
Agritel, Michel Portier, ab Anfang April neuerliche Aufkäufe von
Investmentfonds und Importländern. "Anfang April sollten wir wieder
Fonds haben, die in alle Rohstoffe investieren, dank des Faktums,
dass die Wirtschaft weiterhin stark ist und dank der Nachfrage
Chinas." Tatsächlich scheinen die Märkte zurzeit sehr stark von
Psychologie geprägt, denn an den fundamentalen Marktdaten änderte
auch die Katastrophe in Japan nichts Grundlegendes.
Dennoch fiel an der Pariser Euronext am Montag der für die neue
Ernte maßgebliche europäische Weizenfutures zum Liefertermin November
2011 um 2% auf einen Schlusskurs von EUR 199,75 pro t unter die
psychologisch wichtige 200-Euro-Marke. Der vorderste Liefertermin,
Mai 2011, schloss mit EUR 216,75 zwar um EUR 2,25 über dem Tagestief,
aber dennoch um EUR 6,25 oder 2,8% unter dem vorigen Handelstag, dem
vergangenen Freitag. Von seinem Kontrakthoch von EUR 278,25 im
Februar 2011 war damit der Pariser Mai-Weizenfutures jetzt gar schon
22% entfernt. An der US-Leitbörse CBOT in Chicago half der
US-Wettermarkt mit Trockenheit im Winterweizenanbauzentrum, den Great
Plains, Weizen und Soja nach anfänglich ebenfalls herben Verlusten
leicht ins Plus. Der CBOT-Weizenfutures hatte aber allein vorige
Woche auch schon Verluste von 13,6% zu verzeichnen. Das leichte
Kursplus in Chicago bremste auch gegen Handelsschluss die Talfahrt
des Weizens an der Euronext.
Zwischen Bangen um Preissturz wie 2008/09 und Hoffen auf Erholung auf
EUR 250,-
Die Preise sollten nach Meinung Portiers - obwohl sie zuletzt
schon so weit waren - letztlich aber nicht so tief abstürzen wie 2008
und 2009. Dem Experten zufolge fänden die europäischen Weizenpreise
der neuen Ernte 2011 eine Talsohle bei EUR 170,- pro t im Falle einer
Normalernte und anhaltendem allgemeinwirtschaftlichen Gegenwind.
"Wenn sich aber die politische Lage entspannt, könnte sich der Markt
jenseits der EUR 200,- stabilisieren und sich sogar gegen EUR 250,-
hin erholen, sollten Wetterereignisse die Ernte 2011 treffen", so
Portier.
Volatilität unausweichlich - Wer Volatilität regulieren will, muss
das Wetter regulieren
Keine Illusionen macht sich der Beratungsspezialist allerdings
über die "Unausweichlichkeit" künftiger extremer Preissprünge.
Portier: "Es gibt keinen Weg, die Volatilität langfristig zu stoppen.
Wenn man die Volatilität regulieren will, muss man das Wetter
regulieren", außer die Importländer würden ihre Lagerkapazitäten
vergrößern, um die Effekte knapper Versorgungslagen abfedern zu
können. Er zeigt sich aber skeptisch, dass die Importländer ihre
Anstrengungen auch dann noch aufrechterhalten würden, wenn sich die
Preissituation und politische Lage erst wieder etwas entspannten.
USA fürchten vor allem um Maisexporte nach Japan
In Chicago ging es am Montag nur mit Mais bergab, weil man in den
USA befürchtet, die Maislieferungen an Japan könnten nach dem Beben
kurzfristig um 1 Mio. t einbrechen. Hier fürchten die Amerikaner
signifikante Auswirkungen auf ihren Agrarhandel. Die USA sind der
größte Maislieferant Japans. Das fernöstliche Kaiserreich nimmt 30%
des Maisexports der USA, des mit insgesamt 49,5 Mio. t weltweit
größten Maislieferanten auf dem Weltmarkt, auf.
Japan ist nach Angaben von Toepfer International größter Importeur
von Mais (16,1 Mio. t), der viertgrößte von Sojabohnen (3,5 Mio. t)
und die Nummer fünf bei den Weizeneinfuhren (5,2 Mio. t). Die
Beeinträchtigung der Weizen-, Mais- und Sojalieferungen in das stark
importabhängige Japan durch die Schäden an Infrastruktur und Häfen
werden jedoch nur als temporär gesehen. Die zumeist kleineren Häfen
im von dem Erdbeben und folgenden Tsunami besonders hart betroffenen
Norden Japans spielten für den Getreideumschlag kaum eine Rolle.
Allerdings könnte Japans Silokapazität zu 15 bis 20% vernichtet
worden sein. Japan führt Weizen, Mais und Soja vor allem aus den USA,
Kanada und zum Teil auch aus Australien ein. Die
Futtermittelindustrie des Landes soll auch Schaden genommen haben,
wenngleich die meisten Kapazitäten im weniger stark vom Beben in
Mitleidenschaft gezogenen Zentraljapan angesiedelt sind.
Längerfristig dürfte auch die Nachfrage Japans aber nicht abnehmen.
Japan beherbergt auf einer 4,5-mal so großen Staatsfläche von
377.835 km2 wie Österreich (83.879 km2) mit 127,4 Mio. Einwohnern
15-mal so viele Menschen wie Österreich (8,4 Mio.). Die
Bevölkerungsdichte in Japan ist mit 337 Einwohnern pro km2 extrem
hoch und liegt um das 3,37-Fache über der von Österreich.
(Schluss) pos
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aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst,
Tel.: 01/533 18 43
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