- 14.03.2011, 15:22:06
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"Rede von sicheren Atomkraftwerken ist Hybris"
Bei einem Pressegespräch in Wien fordern Margot Käßmann und Michael Bünker den Ausstieg aus der Atomenergie
Wien (OTS/epdÖ) - Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)
habe immer wieder den Ausstieg aus der Kernenergie gefordert. Das
betonte die ehemalige Bischöfin und Vorsitzende des Rates der EKD
Margot Käßmann am 14. März in einem Pressegespräch in Wien. Im Blick
auf die Katastrophe in Japan erinnerte die Theologin an die
alttestamentliche Geschichte vom Turmbau zu Babel und erklärte, die
Rede von den "sicheren Atomkraftwerken" sei "einfach Hybris". Gerade
die Situation in einem Land wie dem hochtechnisierten Japan zeige,
dass die Technologiegesellschaft "Demut lernen" müsse, denn "sie
beherrscht nicht alles".
Zur gewaltsamen Reaktion des Machthabers Gaddafi auf den Aufstand
in seinem Land wies Käßmann darauf hin, dass der Diktator von
westlichen Ländern lange "hofiert" worden sei. Heute sei ein
Eingreifen in die Auseinandersetzungen nur mit einem UNO-Mandat
möglich. Grundsätzlich forderte Käßmann, die darauf hinwies, dass sie
angeregt von der Person Martin Luther Kings Theologie studiert habe
und in ihrer Jugend vom Friedensdienst geprägt worden sei: "Wir
brauchen so etwas wie eine internationale Polizei."
"Kirche muss im gesellschaftlichen Diskurs überzeugend
argumentieren"
Angesprochen auf ihren Rücktritt von den kirchenleitenden Ämtern
wegen einer Alkohol-Autofahrt im vergangenen Jahr sagte die ehemalige
Bischöfin: "Es war bitter für mich, aber es ist auch ein Zeichen
evangelischer Freiheit": Einerseits hänge die Kirche nicht daran,
dass eine bestimmte Person ein Amt ausübe, andererseits hänge die
Person nicht an dem Amt.
Gefragt nach der spezifischen Arbeitsweise von Frauen in
Leitungsämtern der evangelischen Kirchen erklärte Käßmann: "Männer
leiten pyramidenförmig, Frauen netzförmig". Dass, wie Journalisten in
dem Gespräch einwandten, die gesellschaftliche Relevanz der Kirchen
insgesamt im Abnehmen sei, könne sie aus deutscher Sicht nicht
bestätigen. Allerdings müsse Kirche sich in den
gesamtgesellschaftlichen Diskurs begeben und überzeugend
argumentieren.
Bünker: In Österreich keine Diskussion über grundlegende ethische
Fragen
Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker sagte zur
Person Margot Käßmanns, sie zeige auf glaubwürdige Weise, "wie
evangelischer Glaube das Leben eines Menschen und auch der
Gesellschaft prägt". Bünker verwies auf das Thema der diesjährigen
Vortragsreihe der "Evangelischen Woche" in Wien "Friede muss noch
werden", zu dem Käßmann am Montagabend das Eröffnungsreferat hält.
Die europäischen Kirchen wollten, so Bünker, "von der Lehre vom
gerechten Krieg zu einer Lehre vom gerechten Frieden kommen".
Auf Journalistenfragen merkte Bünker kritisch an: "Ich vermisse in
Österreich die Diskussion über grundlegende ethische Fragen, wie etwa
die Frage des Umgangs mit Energie." Auch die Evangelische Kirche in
Österreich sei immer gegen Atomkraft eingetreten. Überhaupt
beschäftige die Kirchen Europas der Umgang mit Energie sehr. Bünker:
"Wir gehen auf eine Welternährungskrise zu. Da ist es nicht
verantwortlich, für Mobilität Lebensmittel zu verwenden, die im Tank
landen."
Rückfragehinweis:
epdÖ
Dr. Thomas Dasek
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
mailto:[email protected]
http://www.evang.at
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