• 02.03.2011, 11:20:23
  • /
  • OTS0117 OTW0117

Konjunkturerhebung der Stein- und keramischen Industrie: Stagnation auf tiefem Niveau - Besserung erst 2012

Nach Umsatzrückgang von 11% im Krisenjahr 2009, neuerlicher Rückgang um 0,05% im Jahr 2010. Gesamtumsatz stagniert bei EUR 3,2 Mrd. Beschäftigtenstand sinkt um 3,1 %

Wien (OTS/PWK133) - Industriezulieferer konnten Umsatzrückgang
aus 2009 wettmachen, Bauzulieferer stürzen weiter ab. 2011 höchstens
leichtes Wachstum, Beschleunigung erst 2012. Exportplus wegen
anziehender Industriekonjunktur. Infrastruktur, Rohstoffinitiative
und Gebäuderichtlinie sind zentrale Themen.

Die jährliche Konjunkturerhebung der Stein- und keramischen
Industrie ist seit Jahren ein verlässlicher Seismograph für den
Zustand der Branche und für die Entwicklung der heimischen
Wirtschaft. Über 200 Mitgliedsbetriebe aller Größenordnungen und
Sparten beteiligten sich 2010 an der Umfrage. Nach dem
erdbebenartigen Umsatzrückgang von 11 % im Krisenjahr 2009, hat sich
die Baustoffindustrie 2010 mit einem neuerlichen Rückgang von 0,05 %
bei einem Gesamtumsatz von EUR 3,2 Mrd. eingependelt. Damit befindet
sich die Branche auf dem Umsatzniveau von 2005. Ein katastrophales
erstes Quartal 2010 ließ noch Schlimmeres befürchten. Die Zahl der
Beschäftigten sank gegenüber dem Vorjahresvergleich um 3,1 % auf
14.328 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (-12 % seit Ausbruch der
Krise 2008).

Zwei unterschiedliche Entwicklungen in der Branche

"Die eben fertiggestellten Zahlen unserer Mitgliederbefragung
spiegeln die wirtschaftspolitische Realität wieder. Wir sind in
unserer Branche mit zwei unterschiedlichen Entwicklungen
konfrontiert, die uns einerseits Hoffnung auf Besserung machen,
andererseits mehr denn je die Sorgenfalten auf die Stirn treiben",
skizziert Manfred Asamer, Obmann des Fachverbandes der Stein- und
keramischen Industrie, die Stimmungslage.

Auf der Positivseite stehen die Industriezulieferbetriebe
(Feuerfestindustrie, Feinkeramische Industrie,
Schleifmittelindustrie), die ihren Umsatzrückgang von 2009 (-17,29 %)
im vergangenen Jahr mit einem Plus von 19,51 % wieder wettmachen
konnten (Gesamtumsatz 2010 knapp EUR 638 Mio.). Die Zuwächse bei den
Industriezulieferern, die bei den Umsätzen wieder auf dem
Vorkrisenniveau stehen, sind ein Indiz für das Anziehen der
Sachgüterproduktion.

Auf der Negativseite stehen die Bauzulieferer. Nach -9,56 % im
Jahr 2009, sank der Umsatz 2010 um weitere 3,95 %. Die größten
Rückgänge gibt es in der Naturwerksteinindustrie
(-15,04 %), der Schotterindustrie (-10,99 %), der Sand-Kiesindustrie
(-7,64 %) und der Zementindustrie (-6,67%). Der Gesamtumsatz bei den
Bauzulieferern rutschte um mehr als EUR 105 Mio. auf knapp EUR 2,6
Mrd. ab. Besonders stark waren die Rückgänge bei den Tiefbaubranchen
(- 10 %), der anhaltende Einbruch ist nicht zuletzt auf das
ambivalente Verhältnis des Landes zum Thema Infrastruktur
zurückzuführen.

Nach exorbitanten Exportsteigerungen 2007/2008 und einem Einbruch
in 2009 konnte in den ersten drei Quartalen 2010 eine Erhöhung um 7,7
% erzielt werden. Während die Industriezulieferer ihre Ausfuhren
deutlich gesteigert haben, mussten die Baustofflieferanten weitere
Einbußen auf den Exportmärkten hinnehmen, die auf Marktschwächen in
Osteuropa zurückzuführen sind.

Weitere Details: KMU geprägte Branche mit Trend zur Konzentration

Die Stein- und keramische Industrie ist eine KMU geprägte Branche
(70 % der Unternehmen haben zwischen 6 und 250 Beschäftigte). Die KMU
liefern mit knapp 50 % auch den größten Anteil am Gesamtumsatz, dicht
gefolgt von den großen Unternehmen (mehr als 250 Beschäftigte). Ein
auffallendes Detail ist, dass der Anteil der zehn umsatzstärksten
Unternehmen am Gesamtumsatz 2010 um mehr als 7 % gewachsen ist.
"Dieser Trend zur Konzentration ist für uns auch ein direkter Effekt
der Wirtschaftskrise", so Asamer.
"Wir sind als Rohstoffindustrie die ersten, die die Schockwellen der
wirtschaftspolitischen Großwetterlage spüren. Derzeit bekommen wir
sie von unterschiedlichen Seiten ab. Jetzt sind gesamthafte Maßnahmen
und neue Denkansätze gefordert, damit sich das Beben nicht noch auf
weitere nachgelagerte Branchen und letztlich den Wirtschafts-,
Arbeits- und Lebensstandort ausbreitet", so Asamer. Zu den
dringlichsten Anliegen des Fachverbandes zählen das
Infrastrukturthema, die EU-Rohstoffinitiative und die
EU-Gebäuderichtlinie.

Infrastrukturpolitik ist Standort- und Zukunftspolitik

"Wir mussten bei den im Vorjahr präsentierten Rahmenplänen 2011 -
2016 für ÖBB und ASFINAG bereits Milliardenkürzungen zur Kenntnis
nehmen. Ein weiteres Streichkonzert wäre nicht nur für uns fatal,
sondern gefährdet die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des
Standortes Österreich generell. Wir beobachten die Entwicklungen beim
Brennerbasis-Tunnel mit großer Sorge. Die Beteiligten müssen jetzt
geschlossen hinter dem beschlossenen Projekt stehen", fordert Bernd
Wolschner, stv. Obmann des Fachverbandes. Eine gut ausgebaute
Infrastruktur bei Straße, Schiene, Energie oder IKT ist einer der
wichtigsten Standortfaktoren und entscheidend für die
Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. "Wir müssen vom polarisierenden
Entweder-oder-Denken zu einem Sowohl-als-Auch-Ansatz kommen. Und es
ist auch ein Denk- und Handlungsansatz gefordert, der über die
nächste Legislaturperiode hinausreicht und generationenverbindend
wirkt. Die neue Südbahn der ÖBB mit den Projekten Hauptbahnhof Wien,
Semmeringbasis-Tunnel neu und Koralmbahn ist beispielsweise eine der
wichtigsten Weichenstellungen für unser Land und sichert den
Anschluss an die Zukunft. Sie steht sinnbildlich für den
erforderlichen integrierten Denkansatz, dass in der Infrastruktur das
Ganze immer mehr ist als die Summe der Einzelteile", so Wolschner. Es
geht um mehr als um Projekte für die Baustoffindustrie, sämtliche
Lebensbereiche einer modernen Gesellschaft sind von einer
funktionierenden - und der Zeit entsprechenden - Infrastruktur
abhängig.

Neben der Umsetzung der Projekte in Schiene und Straße ist für den
Fachverband auch der weitere Ausbau der Energieinfrastruktur
entscheidend. Hier müsse alles daran gesetzt werden, dass die
öffentliche Hand die Energieversorgungsunternehmen bei der Umsetzung
ihrer Investitonspläne unterstützt. Wie in der Kommissionsmitteilung
"Energie 2020 - Eine Strategie für wettbewerbsfähige, nachhaltige und
sichere Energie" dargestellt, werden bis 2020 Investitionen von fast
1 Billion EUR notwendig sein, um obsolete Kapazitäten zu ersetzen,
Infrastrukturen zu modernisieren und anzupassen und der steigenden
und sich wandelnden Nachfrage nach Energie mit niedrigem CO2-Ausstoß
Rechnung zu tragen.

Rohstoffversorgung nachhaltig sichern

In engem Zusammenhang mit dem erforderlichen Um- und Neudenken bei
der Infrastruktur steht die Sicherung der Grundversorgung mit
mineralischen Rohstoffen. Österreich hat hier mit dem Rohstoffplan
ein vielbeachtetes Instrument entwickelt, das ursprünglich auch die
Europäische Kommission zum Vorbild bei der Entwicklung der
europäischen Rohstoffinitiative genommen hat. Mittlerweile wurde die
Arbeit daran jedoch stark verwässert, indem auch Agrarrohstoffe in
die Initiative aufgenommen wurden. Die jüngste Mitteilung der
Europäischen Kommission von Anfang Februar ist daher kein echter
Fortschritt. "Die Europäische Union muss sich wieder dem Kern des
Problems widmen, nämlich: Wie kann die Versorgung Europas mit
Rohstoffen gewährleistet und Rohstoffvorkommen raumplanerisch
gesichert werden", so Manfred Asamer. Weiters müsse dem Thema
Ressourceneffizienz im Zusammenhang mit der Rohstoffinitiative
verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet werden. Deutliches
Verbesserungspotenzial sieht Asamer auch beim Recycling von
Rohstoffen. "Und es müssen endlich auch Schritte gesetzt werden, um
die Verwaltungsverfahren, die derzeit bis zu 10 Jahre dauern, endlich
zu kürzen", hebt Asamer die wichtigsten Forderungen an eine künftige
europäische Rohstoffpolitik hervor.

Massive Baustoffe sind erste Wahl bei Gebäuderichtlinie

Auch Robert Schmid, 2. Obmannstellvertreter des Fachverbandes,
widmet sich einer europäischen Richtlinie, der Gebäuderichtlinie.
Österreich soll bis 2020 im Gebäudesektor eine Einsparung von 5 Mio.
Tonnen CO2-Emissionen erreichen. Seit Monaten laufen Verhandlungen
zwischen den Bundesländern und der Wirtschaft über die Neufassung der
OIB-Richtlinie 6 (Wärmeschutz von Gebäuden). "In der Raumwärme gibt
es die größten Potenziale zur Reduktion von CO2. Wir sind in den
Verhandlungen über das nationale Umsetzungsverfahren einen großen
Schritt vorwärtsgekommen, eine Einigung dürfte knapp bevorstehen", so
Schmid. Die Umsetzungsfrist der Richtlinie läuft bis Anfang Juli
2012.

In Österreich zeichnet sich eine Lösung ab, dass im verpflichtend
vorgesehenen Energieausweis in Zukunft ein Kennwert für die
Gesamtenergieeffizienz als Marke für die energetische Qualität eines
Gebäudes ausgewiesen wird. Auf Basis der Energiekennwerte 2007 ist
eine Etappenregelung mit abfallendem Niveau bis zum
Niedrigstenergiehaus ("nearly zero energy buildings") vorgesehen.
"Der Standard für "nearly zero energy buildings" muss Ende 2020
erreicht sein, für öffentliche Gebäude bereits 2018", betont Schmid
und hebt hervor, dass massive Baustoffe die erste Wahl sind, wenn es
darum geht, die Energieeffizienzkriterien der EU zu erfüllen.

Ärmel hochkrempeln und anpacken

"Wir befinden uns jetzt in zwei wahlfreien Jahren. Die
Verlängerung der Legislaturperiode erfolgte nicht zuletzt deshalb,
damit mehr Zeit zum Arbeiten bleibt und große Projekte umgesetzt
werden können", erinnert Manfred Asamer die politischen
Entscheidungsträger an ihre Verantwortung. Für die Bautätigkeit sieht
Asamer durch niedrige Zinssätze, steigende Realeinkommen und den
Bevölkerungszuwachs positive Anzeichen. Dies äußere sich jetzt
bereits in steigenden Auftragsbeständen und einer leichten
Verbesserung der Baukonjunktur. Daher rechnet Asamer für 2011 mit
einer Beschleunigung der Produktionstätigkeit der
Mitgliedsunternehmen des Fachverbandes Steine-Keramik. (AC)

Rückfragehinweis:
Fachverband der Stein- und keramischen Industrie
Dr. Carl Hennrich
Tel: +43 (0) 590 900-3531
mail: [email protected]
www.baustoffindustrie.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWK

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel