• 25.02.2011, 13:58:50
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Getreide: Terminmärkte nervös - Physische Ware bleibt gefragt

Österreichischer Kassamarkt floh ins sichere Leo - "machen nicht jeden Blödsinn mit"

Wien (OTS/aiz.info) - Das Chaos in Libyen ließ die internationalen
Rohstoffmärkte verrückt spielen. Der Rohölpreis schoss durch die
Decke und Silber boomt als neuer "sicherer Hafen" für Anleger. Die
Terminmärkte für Agrarrohstoffe waren dagegen die Verlierer, obwohl
sich an den fundamentalen Marktdaten praktisch nichts geändert hat,
der Handel bisher kaum gestört wurde und bei knapper Versorgung die
Nachfrage nach Weizen, Mais und Ölsaaten am Weltmarkt unvermindert
anhält. Analysten rechnen daher mit einer kurzen Korrekturphase und
einer baldigen Erholung. Österreichs Kassamarkt floh vor den wilden
Bocksprüngen ins sichere Leo - Verkäufer wie Käufer zogen sich in
gegenseitigem Einvernehmen vorerst vom Markt zurück. Heimische
Experten sehen in den Preiskapriolen die wiederholten Empfehlungen an
Landwirte wie an Verarbeiter bestätigt, die Preise zumindest von
Teilen der neuen Ernte über Vorverträge mit Preisableitungen von
Terminbörsen wie der Euronext in Paris schon vorab abzusichern.

Insbesondere über die Chicagoer Leitbörse CBOT schwappte eine
Liquiditationswelle sondergleichen hinweg, es wurde massenweise
Kapital abgezogen und auch Gewinn realisiert - binnen fünf
Handelstagen verringerten sich die offenen Positionen beim Weizen um
ein Mengenäquivalent von 6,4 Mio. t. Die Weizenkurse stürzten etwa am
Dienstag ins Limit Down und sanken bis Donnerstag auf ein
Neun-Wochen-Tief. Die europäische Leitbörse Euronext in Paris erlebte
zwar nicht eine ebenso massive Kapitalflucht wie die CBOT, doch
spielten die Kurse diese Woche ebenfalls verrückt. So erlebte der
März-Weizenfutures am Mittwoch eine irrationale Volatilität mit einer
Schwankungsbreite von EUR 23,50 pro t und drehte dabei kurzfristig
EUR 16,50 ins Minus sowie EUR 7,- ins Plus. Der Schlusskurs vom
Donnerstag bei EUR 247,- pro t hinkte da schon EUR 31,50 pro t oder
11,3% hinter dem Kontrakthoch von EUR 278,50 pro t am 09.02. nach. Am
Freitag schien sich jedoch dies- und jenseits des Atlantiks die
erwartete Konsolidierungsphase einzustellen, ob sie von nachhaltigem
Charakter sein wird, bleibt allerdings angesichts der nahezu
panischen Reaktionen diverser Fonds auf neue Weltnachrichten noch
offen.

Stärker nachgegeben haben dagegen zuletzt auch die
Ölsaatennotierungen und insbesondere der Sojakomplex wegen
verbesserter Ernteaussichten in Südamerika. Unter Druck kamen zuletzt
auch die Maisnotierungen, allerdings nicht so schlimm wie die von
Weizen oder Soja, weil sich beim Mais die globale Versorgungsbilanz
in noch dunklerem Rot zeigt und es gilt, insbesondere in den USA mit
attraktiven Preisen den Kampf um die Anbauflächen im Frühjahr 2011
für den Mais zu entscheiden. Laut dem Washingtoner Agrarressort USDA
sollen die US-Farmer die Getreideanbauflächen zur Ernte 2011 um 4
Mio. ha auf 103 Mio. ha ausweiten.

IGC: Weizenmarkt 2011/12 ausgeglichen - Maismarkt neuerlich
unterversorgt

Der Internationale Getreiderat IGC in London veränderte in seinem
am Donnerstag erschienenen Februar-Report die globale
Versorgungsbilanz 2010/11 mit Defiziten beim Weizen von 13 Mio. t,
beim Mais von 34 Mio. t und mit 63 Mio. t beim Getreide insgesamt
kaum, sieht aber auch für die kommende Ernte 2011/12, dass die
Landwirte motiviert von den hohen Preisen die Produktionsmaschinerie
anwerfen werden. Demnach soll die globale Weizenfläche um 3% auf 224
Mio. ha anwachsen und mit 672 Mio. t eine um 24 Mio. t größere
Weizenernte als 2010/11 und die zweitgrößte der Geschichte überhaupt
ergeben. Die, so der IGC, könnte 2011/12 eine weitgehend
ausgeglichene Weizenbilanz ermöglichen. Für die Aussichten bei Mais
nennt der IGC keine Zahlen, sondern spricht nur von einer Rekordernte
dank größerer Produktion in Gebieten wie USA oder China. Die
Versorgungsbilanz des kommenden Wirtschaftsjahres soll aber selbst
eine Rekordernte laut den Londoner Experten nicht ins Positive drehen
können, womit 2011/12 ein weiteres Abschmelzen der bis dahin auf 119
Mio. t oder schon bedenklichen 14% des Verbrauchs geschrumpften
Endlager droht.

Österreichischer Kassamarkt vor Bocksprüngen ins sichere Leo geflohen

Der österreichische Kassamarkt flüchtete sich diese Woche
angesichts der wilden Bocksprünge der internationalen Terminmärkte
quasi ins Leo. Es scheint das Sentiment zu herrschen, dass es ohnehin
niemand eilig haben müsse, weil die Saison schon weitgehend gelaufen
sei und man daher "nicht jeden Blödsinn mitmachen" wolle, so ein
Händler. Denn, so zeigt sich die heimische Branche auch ziemlich
einig, an den fundamentalen Marktdaten habe sich nicht so viel
geändert, dass dadurch derartig massive Kurskorrekturen wie zuletzt
an den großen Warenterminbörsen notwendig geworden wären. So wolle
man nun beobachten, wohin die Stimmung an den Terminmärkten
ausschlägt. Kräftiges Potenzial sei in beide Richtungen da - sowohl
wieder nach oben als auch weiter nach unten.

Verkäufer wie Käufer zogen sich daher in gegenseitigem
Einvernehmen vorerst vom Markt zurück, bis klar wird, wohin sich die
globalen Weizenmärkte neu orientieren, hieß es an der Wiener
Produktenbörse. Dementsprechend wurden am Mittwoch alle
Weizennotierungen auf "nominell" gesetzt, ebenso wie die von
Mahlroggen, Futtergerste und Futtermais.

Zudem beobachtet man wegen der fehlenden Schneedecke mit Argwohn
auch die arktisch tiefen Temperaturen vom Baltikum bis ins nördliche
Österreich.

Als "normales Aufflackern" angesichts des noch offenen Bedarfs und
des noch nicht vermarkteten Angebots wird die Aktivität am Markt für
Industriemais kommentiert. Mit EUR 221,- pro t wurde er in Wien aber
doch deutlich, nämlich um EUR 12,50 pro t, niedriger notiert als
zuletzt am 09.02. Gleiches gilt für die Ölsaatennotierungen.

Exportgeschäfte der EU laufen reibungslos

Länder in Nordafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten decken
sich auf dem Weltmarkt mit Weizen ein. Trotz der Aufstände in einigen
Ländern gebe es bei der Abwicklung der Geschäfte bisher keine
Störungen, hielt die EU-Kommission am Donnerstag im
Verwaltungsausschuss in Brüssel fest. Libyen ist auch nicht der große
Weizenimporteur in der arabischen Welt. Bisher wurden lediglich zwei
Schiffe mit Gerste aus Frankreich von libyschen Häfen in den Libanon
umgeleitet. Außerdem wecken die gefallenen Weizennotierungen wieder
den Appetit der Importeure.

Ägypten habe 350.000 t Weizen gekauft, davon 60.000 t in
Frankreich und die andere Menge in den USA, Kanada und in Australien.
Algerien soll laut Auskunft der Kommission ein neues Geschäft über
200.000 t Weizen in der EU abgeschlossen haben. Zudem beziehe die
Türkei demnächst 100.000 t Weizen aus der EU und der Irak 350.000 t
Weizen aus den USA und aus Australien. In der EU wurden zwischen dem
16. und dem 22.02. Exportlizenzen für 438.000 t Weizen nachgefragt,
davon 322.000 t in Frankreich, 80.000 t in den Niederlanden und
16.000 t in Litauen. Aus Deutschland wurden lediglich für 8.600 t
Weizen Ausfuhrlizenzen beantragt.

Laut Händlern habe weiters Tunesien 75.000 t Weichweizen gekauft
und Saudi-Arabien eine Ausschreibung für 275.000 t Brotweizen
eröffnet.
(Schluss) pos/mö

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst,
Tel.: 01/533 18 43
mailto:[email protected]
www.aiz.info

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