• 24.02.2011, 13:30:46
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Brennpunkt Radiologie: Versorgung bei Schlaganfall - jede Minute zählt

Österreichische Spezialisten im Fokus anlässlich des kommenden Europäischen Radiologenkongresses in Wien.

Wien (OTS) - In Österreich erleiden jährlich rund 25.000 Menschen
einen Schlaganfall. Die Mortalitätsrate liegt unter den Betroffenen
(innerhalb von 30 Tagen nach stationärer Aufnahme) bei 7%, ein im
europäischen Vergleich sehr guter Wert. Von den Überlebenden
verbleiben circa zwei Drittel der Patienten mit Beeinträchtigungen in
Mobilität, Kommunikation sowie in der Führung eines selbstständigen
Lebens, gut ein Drittel der Patienten kehrt aber wieder zu völliger
Gesundheit zurück.

Für einen Schlaganfall gibt es eine ganze Reihe an beeinflussbaren
Risikofaktoren: So zählen Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin,
Übergewicht und auch das Rauchen zu den Faktoren, denen man aktiv
entgegenwirken kann. Männer haben grundsätzlich ein höheres
Schlaganfall-Risiko als Frauen und auch mit steigendem Alter kommt es
zu einem deutlichen Anstieg des Risikos.

Verschlüsse der Hirnarterien als Hauptursache
Bei einem Schlaganfall kommt es zu einem plötzlichen Nachlassen bzw.
kompletten Verlust von Hirnfunktionen, entweder durch eine
Gefäß-Verstopfung, oder durch eine Hirnblutung - beides verursacht
eine akute Mangelversorgung. Ein Schlaganfall äußert sich in
Lähmungen, Gefühlsstörungen oder in schweren Fällen in
Bewusstseinsstörungen. Bei der Diagnostik von Schlaganfällen spielen
radiologische Verfahren eine entscheidende Rolle, da vor allem die
Dauer der weiteren Entscheidungsfindung wichtig ist.

Schnelle Diagnose ist entscheidender Faktor
Dr. Johannes Trenkler, Leiter des Instituts für Radiologie an der
oberösterreichischen Landes-Nervenklinik in Linz, nennt vor allem 4
Fragen, die gestellt werden müssen und die für das Überleben des
Patienten und möglichst geringe Folgeschäden unabdingbar sind: "Liegt
eine Hirnblutung vor? Besteht ein akuter Gefäßverschluss, der
behandelt werden könnte? Ist bereits ein Hirninfarkt - also nicht
mehr zu rettendes Gewebe - sichtbar? Ist noch zu rettendes Hirngewebe
vorhanden?".
Mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT)
kann man diese Fragen in kurzer Zeit beantworten. Die
Untersuchungsdauer beläuft sich auf maximal 20 Minuten, wobei jene
Modalität (CT oder MR) eingesetzt werden sollte, die am schnellsten
verfügbar ist.

Therapie ebenfalls radiologisch gesteuert
Auch bei der Therapie von Schlaganfällen kommen radiologische
Methoden seit über 20 Jahren standardmäßig zum Einsatz: mittels eines
über die Leistenarterie eingebrachten Katheters, der unter
angiographischer (Bildgebung der Gefäße) Kontrolle gesteuert wird,
können verstopfte Gefäße mit lokal verabreichten Medikamenten wieder
geöffnet werden.

"In den letzten Jahren hat sich das Behandlungsspektrum deutlich
erweitert, wobei derzeit die mechanische Rekanalisation der
verschlossenen Hirnarterien im Vordergrund steht. Hierbei wird das
Blutgerinnsel entweder abgesaugt oder mit geeigneten Instrumenten
herausgezogen", so der Experte.

Aufgrund der ständigen Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der
bildgebenden Diagnostik, insbesondere bei CT und MRT, erhofft man
sich zukünftig noch genauere Einblicke in die Abläufe im Gehirn
während eines Schlaganfalls - mit dem Ziel einer individuellen und
maßgeschneiderten Therapie.

Je schneller, desto besser
Bei der Behandlung eines akuten Schlaganfalls wird zuerst einmal
versucht mittels intravenöser Applikation das verstopfende Gerinnsel
medikamentös aufzulösen; die besten Ergebnisse werden hierbei
erzielt, wenn die Behandlung innerhalb eines Zeitfensters von maximal
4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome geschieht.

Bei Verschlüssen von größeren Hirnarterien ist diese Strategie
meistens nicht ausreichend, um eine rechtzeitige Öffnung der Gefäße
zu erreichen. Es erfordert dann eine interventionelle Therapie, um
eine rasche Rekanalisation der betroffenen Engstellen herbeizuführen
und so die Überlebens- und Heilungschancen des Patienten zu erhöhen.

Laut Trenkler gilt "für beide Therapieformen allerdings das Prinzip
time is brain, also je früher desto besser. Das beginnt schon beim
Angehörigen oder dem Hausarzt und setzt sich über die Rettungskette
bis in das Notfallmanagement der Klinik fort. Je früher ein
Schlaganfallpatient behandelt werden kann, desto günstiger ist der
klinische Verlauf".

Bestmögliche Behandlung auf Stroke Units
Die besten Möglichkeiten für eine schnellstmögliche Behandlung und
Diagnose findet der Patient auf den sogenannten "Stroke Units" vor,
das sind auf Schlaganfälle spezialisierte Behandlungs- und
Überwachungs-Stationen. In Österreich sind derzeit 35 solcher
Spezialstationen in Betrieb und gewährleisten somit, dass jeder
Patient im Falle eines Schlaganfalls innerhalb von 30-40 Minuten in
einer Stroke Unit versorgt werden kann.

Ab 3. März tagen in Wien 19.000 Radiologen
Beim 23. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of
Radiology/ECR) vom 3. bis 7. März 2011 im Austria Center in Wien
werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der
medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten
Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung
präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für
Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über
50.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 19.000 Teilnehmern aus der
ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse
weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in
Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen
die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

Detaillierte Version und BILDMATERIAL auf www.myESR.org/press

Rückfragehinweis:
European Society of Radiology - ESR
Presse: Stefanie Muzik, David Zizka
Tel.: +43 1 533 4064-523
[email protected] / www.myESR.org

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