- 11.02.2011, 13:22:01
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Schwerpunkt Radiologie: Neue Horizonte für die Krebsbehandlung in Österreich
Anlässlich des Todestages von Wilhelm Conrad Röntgen feierte die Österreichische Röntgengesellschaft (ÖRG) gestern den Ersten Europäischen Röntgentag.
Wien (OTS) - Die Zahlen sprechen leider für sich: nach
Herz-Kreislauferkrankungen (ca. 44%) stellt Krebs (ca. 25%) die
zweithäufigste Todesursache dar. 37.000 Österreicher erkranken
jährlich an Krebs - bei den Frauen sind die häufigsten Krebsarten
Brust-, gefolgt von Dickdarm- und Gebärmutter-Krebs, bei den Männern
Prostata- gefolgt von Darm- und Lungenkrebs.
Bei der Erkennung und Behandlung von Krebs ist ein Team aus mehreren
medizinischen Fachleuten von Nöten, um jeden Aspekt der Erkrankung zu
berücksichtigen. Ein Radiologie ist immer Teil dieser Ärztegruppe, da
er die Grundsteine für diese Planungen legt: Bilder aus
radiologischen Untersuchungen, die nicht nur das Körperinnere,
sondern mittlerweile sogar die einzelne Tumor-Zelle und ihre
Stoffwechselfunktionen darstellen können - so wird eine individuell
angepasste Therapie für jeden Patienten ermöglicht. Innerhalb der
Radiologie sind daher die onkologische und die molekulare Bildgebung
stets aktuelle Forschungs-Hot Spots.
Interdisziplinäres Arbeiten ein Muss
Der interdisziplinäre Ansatz in der Behandlung von Krebspatienten ist
in Österreich vorhanden und wird auch gesetzlich vorangetrieben, vor
allem in der Planung von Krebszentren. Beispielhaft dafür ist die
Definition und Umsetzung von so genannten Brustgesundheitszentren.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Onkologen, Chirurgen,
Radiologen und anderen Fachvertretern ist essentiell und wird in den
verschiedensten radiologischen Abteilungen täglich gelebt.
"Wissen über den Einsatz und die Wertigkeit der Geräte und Wissen
über das Organ definieren letztendlich die Qualität eines
Radiologen", sagt Univ. Prof. Thomas Helbich von der
Universitätsklinik für Radiodiagnostik an der Medizinischen
Universität Wien. Da ein ganzheitlicher Ansatz nötig ist, schließt
gerade die onkologische Bildgebung mit der Subsumierung von Wissen
über Organe und Gerätetechnik diesen so wichtigen Kreis in der
Radiologie.
Krebs nicht nur darstellen, sondern verstehen
"Die onkologische Bildgebung fokussiert auf die rechtzeitige
Erkennung von Krebs, die genaue Charakterisierung von gut- und
bösartigen Tumoren, die Wahl der Therapie, das Monitoring während
einer Krebstherapie bzw. die Nachsorge", erklärt Helbich, der auch
Inhaber der neuen Professur für Molekulare Bildgebung an der
MedUniWien ist. Dabei werden die verschiedensten bildgebenden
Verfahren (konventionelles Röntgen, Ultraschall, CT, MRT und
nuklearmedizinische Verfahren) eingesetzt. "In Anbetracht der
Komplexität in der Entstehung von Krebs zeigt sich, dass eine Methode
für die oben genannten Aufgaben nicht reicht - dementsprechend ist
die kombinierte Anwendung von hochsensitiven Verfahren notwendig",
erklärt der Experte.
Molekulare Bildgebung als Schlüssel
Die molekulare Bildgebung, das heißt die Bildgebung auf Zell-Ebene,
spielt hier eine wichtige Rolle: die neuen Einsichten in die
Tumorbiologie schaffen für die klinische Praxis großen Nutzen. "Dabei
werden mehrere für die Entwicklung von Krebsarten verantwortliche
Mechanismen dargestellt, wie z.B. die Entstehung der Blut- und
Sauerstoffversorgung, Gewebswachstum und Stoffwechselprozesse der
Tumorzellen", so Helbich.
Neue kombinierte Verfahren aus der Radiologie und der Nuklearmedizin
schaffen neue Horizonte, wie etwa die Kombination aus PET
(Positronen-Emissions-Tomographie) mit CT (Computer-Tomographie) oder
MRT (Magnetresonanz-Tomographie): hier wird mittels eines "Tracer"
(eine markierte Substanz), der intravenös verabreicht wird, die
Verteilung desselben im Körper sichtbar gemacht und so chemische und
physiologische Funktionen des Organismus dargestellt (funktionelle
Bildgebung). Der Terminus "onkologische Bildgebung" ist relativ neu,
beschreibt aber treffend das, was täglich Radiologen und
Nuklearmediziner seit Jahren tun.
Entwicklungen zwar schnell, aber noch nicht flächendeckend
einsetzbar
Die Entwicklung neuer Kontrastmittel und Tracer ist schnell, die
Anwendungsgebiete sind groß, die Zulassungsverfahren jedoch manchmal
kompliziert - dennoch tut sich auf diesem Gebiet sehr viel: "Die
Implementierung in den klinischen Alltag hat bereits begonnen - so
werden diese neuen Verfahren in der Dickdarmkrebs- bzw. Lymphknoten-
und Harnblasentumor-Diagnostik eingesetzt. Mit einem Wort: die
molekulare Bildgebung wird zum integralen Bestandteil der
onkologischen Bildgebung", unterstreicht der Spezialist.
Dennoch darf man noch nicht alle neuen Erkenntnisse als
selbstverständlich sehen, die flächendeckende Nutzung bedarf noch
etwas Arbeit: neueste Methoden, Kontrastmittel und computergesteuerte
Messverfahren werden relativ rasch in den klinischen Alltag
umgesetzt, jedoch muss vorher an Studien überprüft werden, dass die
neue Methode auch das hält, was sie verspricht. Die österreichischen
Spitäler sind auch in Kooperation mit dem niedergelassenen Bereich
gut mit radiologischem Equipment ausgestattet, doch "wenn wir in
Österreich eine Zweiklassenmedizin verhindern wollen, brauchen wir
sicherlich mehr MRT bzw. PET-CT und PET-MRT Geräte", stellt Helbich
klar.
Vorsorgeprogramme: Österreich Schlusslicht?
Krebs-Vorsorge meint eigentlich Krebs-Früherkennung - am besten in
einem Stadium, wo man einfach und ohne Folgeschäden behandeln kann,
und wo der Tumor noch keine Metastasen gestreut hat. In Österreich
werden Vorsorgeprogramme von den verschiedensten Krankenkassen auf
freiwilliger Basis angeboten. Organisierte Programme mit
verpflichtender Teilnahme und adäquater Datenerfassung gibt es in
Österreich derzeit aber nicht: "Bezüglich Krebs-Screening-Programmen
gehört Österreich leider zu den Schlusslichtern innerhalb der EU",
meint Helbich.
Über die Etablierung eines Brustkrebs-Screenings wird seit mehr als
10 Jahren diskutiert, im selben Zeitraum haben andere Länder
Programme bereits erfolgreich implementiert. "Die Österreichische
Röntgengesellschaft (ÖRG) steht der Implementierung eines
Brustkrebs-Screening-Programmes immer offen gegenüber - jedoch sollte
man aus den Fehlern früherer Programme lernen. In den letzten 25
Jahren hat sich gezeigt, dass die Wertigkeit des Ultraschalls im
Brustkrebs-Screening nicht unterschätzt werden darf", meint Helbich.
Europa-weite Initiative
Koordiniert durch die europäische Dachgesellschaft ESR (European
Society of Radiology), feierten am 10. Februar 2011 radiologische
Gesellschaften aus 19 Nationen den "First European Day of Radiology".
In dieser - bisher einzigartigen - Aktion haben diverse
Veranstaltungen und abgestimmte Presse-Aussendungen den Stellenwert
der Radiologie in der modernen Medizin für die Öffentlichkeit
verdeutlicht; ihre vielfältigen Beiträge zu Erkennung, Therapie und
Genesung bei verschiedensten Krankheiten und Verletzungen wurden
dabei ins Rampenlicht gestellt.
Rückfragehinweis:
Österreichische Röntgengesellschaft (ÖRG)
Presse: Stefanie Muzik, David Zizka
Neutorgasse 9/2, 1010 Wien
Tel.: 01/ 533 40 64-523
[email protected], www.oerg.at
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