• 08.02.2011, 16:52:54
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Die grauen Panther"

Ausgabe vom 9. Februar 2011

Wien (OTS) - Zwei Millionen Österreicher (bei insgesamt 8,3
Millionen Einwohnern) sind derzeit in Pension. Nun allerdings könnte
ihre Zahl sinken. Nicht, weil Österreich in einer groß angelegten
Pensionsreform das Antrittsalter hinaufsetzt. Nein, die Spitzen der
Republik lösen das Problem der alternden Gesellschaft nicht inaktiv,
sondern innovativ: Die Pensionisten werden wieder beschäftigt und
sind daher keine Pensionisten mehr. Für den künftigen Zivildienst,
der "Sozialjahr" genannt wird, sollen Pensionisten herangezogen
werden. Der Vorschlag der Caritas gefällt eigentlich allen. In
Non-Profit-Organisationen sollte dies auch kein Problem sein.

Bei den Lehrern derselbe Vorgang: Manche Schulen finden keine jungen
Lehrer mehr, sie holen pensionierte Pädagogen aus den Ruhestand
zurück. In Wien sollen 1500 pensionsberechtigte und -willige Lehrer
erst gar nicht ausscheiden, sondern schlicht verlängern.

Andere Berufsgruppen werden vermutlich folgen, die Bevölkerung wird
schließlich unabhängig von der jeweiligen Ausbildung älter.

Vielleicht ist diese Form der "Pensionsflexibilisierung" gar nicht so
schlecht. Bei den Beamten werden viele in Pension geschickt, weil die
Arbeitsstelle wegfällt und es rigorosen Versetzungsschutz gibt. Ein
späterer Pensionsantritt würde dort niemandem etwas bringen. Aber
diese Pensionisten für Sozialdienste zu begeistern, das hat Sinn.

Die Beispiele zeigen, dass die Pensionsversicherung auch am anderen
Ende vor neuen Herausforderung steht. So wie sich immer mehr Jungen
für die "Ich-AG" entscheiden, weil sie keinen Angestellten-Job
bekommen, so wird es auch bei den Älteren neue Formen der
Beschäftigung geben. Nicht nur in den Sozialberufen, sondern auch im
Dienstleistungsbereich. Schon heute finden frühpensionierte
Postbus-Mitarbeiter nichts dabei, sich ein kleines Zubrot zu
verdienen und für private Transportunternehmen Reisebusse nach
Kroatien zu lenken. Und ehemalige Buchhalter aus dem öffentlichen
Dienst erstellen als offizielle Ruheständler den Jahresabschluss für
Kleinbetriebe.

Denn die Bevölkerung altert nicht nur, sie wird auch insgesamt
gesünder. Auf den Websites der Pensionisten-Organisationen werben
heute Fitnessgeräte-Hersteller und Wellness-Anbieter.
Knoblauch-Tabletten gegen Vergesslichkeit waren gestern. Die Caritas
hat das kapiert.

Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/leitartikel

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Tel.: +43 1 206 99-474
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