- 05.02.2011, 12:31:39
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Grüne Wien/Pilz: Fahrlässige Praktiken bei künstlicher Befruchtung beenden
"Geschäft mit Kinderwunsch ist gefährlich"
Wien (OTS) - Kritik an der gängigen Praktik bei künstlicher
Befruchtung übt die Gesundheitssprecherin der Grünen Wien, Sigrid
Pilz. In Österreich fehlt eine gesetzliche Obergrenze für die Zahl
der eingesetzten Embryonen bei künstlicher Befruchtung. "Das führt zu
einer immer häufiger werdenden Zahl von Mehrlingsgeburten,
Frühgeburten und den damit verbundenen Komplikationen", so Pilz
anlässlich eines Berichtes im heutigen KURIER.
So wurden im Jahr 2009 in 505 Fällen drei Embryonen und in
Privatkliniken bei 38 Frauen vier Embryos eingesetzt. "Frauen, deren
biologische Uhr tickt, sind wahrscheinlich leicht zu überzeugen, dass
durch die Transferierung mehrerer Embryos die Chance auf Einnistung
erhöht wird, die Folgen können jedoch fatal sein", warnt Pilz.
Laut einer Schweizer Studie ist das Sterberisiko der Mutter im
Vergleich zur Geburt eines einzelnen Kindes bei Zwillingen zwei bis
dreimal so hoch. Zwillinge werden vier Mal häufiger zu früh und
untergewichtig geboren, müssen sechzehn Mal so oft in die
Intensivstation und leiden fünf bis zehn Mal häufiger an einer
Zerebrallähmung. In knapp einem Viertel der vom Register 2009
erfassten Geburten nach IVF (In Vitro Fertilisation, also künstliche
Befruchtung) kamen Zwillinge zur Welt, 0,6 % waren Drillinge.
"Neben den Eltern müssen jedenfalls die neonatologischen Abteilungen
in den Spitälern mit den Folgen dieser fragwürdigen medizinischen
Vorgangsweise zurechtkommen. Frühchen nach IVF liegen oft wochenlang
in den Inkubatoren und stehen in Konkurrenz um die knappen
Ressourcen, der übervollen Abteilungen. Oft müssen Kinder wegen
Platzmangels von den Müttern getrennt in andere Spitäler verlegt
werden. An die Stelle des herbeigesehnten Elternglücks tritt die
quälende Sorge um die Lebenschancen des Wunschkindes", beschreibt
Pilz die derzeitige Situation in den Spitälern.
Pilz fordert eine gesetzliche Obergrenze für die Zahl der bei
künstlicher Befruchtung eingesetzter Embroys: Bei jeder Befruchtung
darf nicht mehr als ein Embryo eingesetzt werden, wie es derzeit in
Schweden gehandhabt wird. "Es hat sich herausgestellt, dass die
Chance auf die Geburt eines Kindes dadurch nicht signifikant geringer
wird. Schweden hat in Europa die geringste Frühgeburten- und
Komplikationsrate nach IVF. Es ist also Zeit, auch in Österreich
gesetzlich Grenzen zu setzen", so Pilz abschließend.
Rückfragehinweis:
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