• 02.02.2011, 15:13:04
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Sozialpartner: Initiative für Bildungsdialog mit politisch Verantwortlichen

Gemeinsame Positionen von WKÖ, AK, ÖGB, LK und IV zu den 12 aktuellen bildungspolitischen Vorhaben von Unterrichts- und Wissenschaftsministerinnen

Wien (OTS/PWK071) - Die PISA-Bewertung hat das österreichische
Schulwesen hart getroffen. Der positive Aspekt der Misere ist die
dadurch entstandene Erneuerungsdiskussion des gesamten
Bildungswesens. Die Sozialpartner - Wirtschaftskammer Österreich
(WKÖ), Arbeiterkammer (AK), Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB),
und Landwirtschaftskammer Österreich (LK) - bringen sich aus diesem
Grund gemeinsam mit der Industriellenvereinigung (IV) aktiv in die
Bildungsdiskussion ein. Sie haben ein Konzept für einen intensiven
"Bildungsdialog" erarbeitet, in dem sie die zwölf aktuellen
bildungspolitischen Vorhaben der Unterrichts- und
Wissenschaftsministerinnen unterstützen und ihre gemeinsamen
Positionen dazu formulieren.

Das Ergebnis des "Bildungsdialogs" wurde heute, Mittwoch, im
Beisein der Bundesministerinnen Claudia Schmied und Beatrix Karl von
WKÖ-Präsident Christoph Leitl, AK-Präsident Herbert Tumpel,
ÖGB-Präsident Erich Foglar, LK-Präsident Gerhard Wlodkowski und
IV-Präsident Veit Sorger präsentiert. Die Sozialpartner waren sich
dabei einig, dass es für den Wirtschaftsstandort Österreich ganz
entscheidend sei, das Potential und die Talente aller in Österreich
lebenden jungen Menschen bestmöglich zur Entfaltung zu bringen.
Wichtig sei diesbezüglich die Einpassung der Vorschläge des
"Bildungsdialogs" zur Schulreform in ein bildungspolitisches
Gesamtkonzept. Die Sozialpartner und die Industriellenvereinigung
bekennen sich dazu, dass Österreich seine wirtschaftliche Stärke,
seine Attraktivität als Innovationsstandort und damit auch den
Wohlstand und sozialen Zusammenhalt nur erhalten kann, wenn im
Bereich der Bildung und Qualifizierung weitere Reformschritte gesetzt
werden.

Die Sozialpartner-Positionen zum "Bildungsdialog":

1.PädagogInnenausbildung NEU
Die Sozialpartner sprechen sich für eine gemeinsame Ausbildung aller
PädagogInnen (Kindergarten, Schule, Erwachsenenbildung) auf tertiärem
Niveau aus.

2.Neues Dienst- und Besoldungsrecht für neu eintretende Lehrkräfte
Der Lehrerberuf soll durch ein leistungsgerechtes bundesweit
einheitliches Dienst- und Besoldungsrecht attraktiver gemacht werden.
Es soll auch eine Ausdehnung der Anwesenheit von Lehrkräften an der
Schule bei verbesserten Arbeitsbedingungen beinhalten.

3.Weiterentwicklung der österreichweiten Schulaufsicht
Höhere Qualität bedarf einer neuen Schulgovernance. Das beinhaltet
eine Stärkung der Autonomie der Schulen - zB Lehrkräfte auszuwählen
Evaluierung und Qualitätsmanagement jedes einzelnen Schulstandortes
sind wichtig.

4.Sprachförderung bereits im Kindergarten
Die Sozialpartner begrüßen den Nationalen Bildungsplan für die
Kindergärten. Der Kindergarten soll die Voraussetzungen für den
erfolgreichen Schuleintritt schaffen. Das sind insbesondere
ausreichende Deutschkenntnisse. Die Sozialpartner fordern die
Bundeskompetenz für eine Rahmengesetzgebung bezüglich
Qualitätskriterien und Standards.

5.Ausbau Neue Mittelschule
Der Ausbau der Neuen Mittelschule ist ein wichtiger Punkt zur
besseren Entwicklung der Potenziale Jugendlicher zwischen 10 und 14
Jahren. Eine quantitative Beschränkung dieses Schulversuchs ist nicht
sinnvoll. Die Sozialpartner treten dafür ein, dass alle notwendigen
Schritte insbesondere in Bezug auf eine einheitliche Ausbildung aller
Lehrkräfte auf der Sekundarstufe I sowie einer Reform des Dienst- und
Besoldungsrechts in Angriff genommen werden, um so wesentliche
Voraussetzungen für eine damit mögliche gemeinsame Schule der
10-14Jährigen zu schaffen.

6.Ausbau ganztägige Schulangebote mit verstärkter Förderung
Der flächendeckende Ausbau von Ganztagsschulen ist wichtig, um die
Fähigkeiten aller Kinder zur Entfaltung zu bringen. . Kurzfristiges
Ziel ist, in jedem Bezirk zumindest eine Volksschule sowie eine
Schule der Sekundarstufe I mit ganztägiger Betreuung zu haben.

7. Feedback-Kultur in 4. und 8. Schulstufe - Überprüfung
Grundkompetenz
Die bereits gesetzten Schritte, in der 4. und 8. Schulstufe durch
eine schulexterne Überprüfung von Bildungsstandards ab 2012 eine neue
Feedbackkultur zu etablieren, findet die volle Unterstützung. Die
Sozialpartner gehen noch weiter: Bildungsstandards mit klar
definierten Mindestlevels sollen zu einer Verbindlichkeit von
Bildungszielen und zu einer höheren Verlässlichkeit des Schulsystems
betragen. Deren Überprüfung soll flächendeckend und die Auswertung
auf individueller Ebene erfolgen.

8.Kleinere Gruppen und Individualisierung im Unterricht
Die Schüler sollen entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten
gefördert werden. Dazu sind kleinere Schülergruppen notwendig.
Außerdem sollen Alternativen zur gegenwärtigen Fächerstruktur durch
fächerverbindende, projektartige Unterrichtsformen und eine
alternative Zeitorganisation erarbeitet werden.

9.Studienwahlberatung NEU und Bildungsweg- und Berufsorientierung
Die Sozialpartner begrüßen das Vorhaben, die Studienwahlberatung neu
zu regeln und regen an, dass sie aufgrund ihrer Expertise zu den
Beratungen über die Eckpunkte der geplanten Verordnung beigezogen
werden. Die bereits gesetzten Maßnahmen im Bereich Information,
Beratung, Orientierung in der 7. und 8. Schulstufe werden begrüßt.
Die Sozialpartner sprechen sich dafür aus, Berufsorientierung auf
diesen Schulstufen ausschließlich als verbindliche Übung anzubieten.

10.Studienplatzbezogenen Finanzierung der Universitäten und
Hochschulplan
Die österreichische Hochschullandschaft soll mit Hilfe eines
"Hochschulplans" strategisch weiterentwickelt werden. Ein
gesamtösterreichischer Hochschulplan soll in Kooperation mit den
Hochschuleinrichtungen und den Sozialpartnern erstellt werden. Die
Sozialpartner unterstützen das Vorhaben, so rasch wie möglich eine
fundierte und transparente Grundlage zu schaffen, welche die Ist-und
Normkosten für einen Studienplatz darstellbar macht. Zudem sind
unterschiedliche Szenarien und Modelle der Studienplatzfinanzierung
zu prüfen.

11.Qualitätssicherungsinitiative im Hochschulwesen
Die Sozialpartner befürworten die Arbeiten an einem
hochschulübergreifenden Rahmengesetz zur externen Qualitätssicherung
an Universitäten, Fachhochschulen und Privatuniversitäten. das
vorgesehene Mitentscheidungsrecht von Vertretern der Berufspraxis und
das Nominierungsrecht der Sozialpartner wird begrüßt.

12.LLL-Strategie und Kofinanzierungsmodell für kostenloses Nachholen
von Bildungsabschlüssen
Die Arbeiten an einer umfassenden Strategie zum LLL (Lebenslanges
Lernen) sind noch im Gange. Dabei soll auch die Vermittlung von New
Skills für Chancen auf dem Arbeitsmarkt besonders thematisiert
werden. Die Sozialpartner sehen in der Einrichtung der "Nationalen
Plattform für lebensbegleitendes Lernen" einen wichtigen Schritt und
fordern Sitz und Stimme in diesem Gremium. (BS)

Rückfragehinweis:

Wirtschaftskammer Österreich
   Rupert Haberson
   Tel.: T: +43(0)590900-4362
   http://wko.at/Presse 
   
   Arbeiterkammer
   Thomas Angerer
   Tel.: +43/1/50165-2578
   http://wien.arbeiterkammer.at 
   
   ÖGB
   Nani Kauer
   Tel.: +43/1/53444-39261
   http://www.oegb.at 
   
   Landwirtschaftskammer Österreich
   Josef Siffert
   Tel.: +43/1/53441-8521
   www.lk-oe.at
   
   Industriellenvereinigung
   Raphael Draschtak
   Telefon: +43/1/71135-2305
   www.iv-net.at

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