- 02.02.2011, 12:04:44
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Ärztekammer: Defizite bei Kinderimpfungen
Österreich bei Masern-Impfung Schlusslicht - Kinder haben Recht auf Impfungen - Aufklärungskampagne bei Eltern, Schulen und Betrieben soll Durchimpfungsraten heben
Wien (OTS) - Deutliche Impfdefizite bei Klein- und Schulkindern
ortet der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter
Dorner. Wie aus einer aktuellen OECD-Studie hervorgehe, hinke
Österreich gerade bei der Immunisierung gegen klassische
Kinderkrankheiten wie Masern oder Keuchhusten im internationalen
Vergleich hinterher. Der Ärztepräsident forderte am Mittwoch vor dem
Hintergrund des Wiener Impftages in einer Aussendung eine breit
angelegte Aufklärungskampagne, um die Eltern auf ihre Verantwortung
hinzuweisen und die "Impffreudigkeit" bei Kindern anzuheben.
Kinder hätten ein Recht auf eine engagierte Gesundheitsversorgung,
wozu auch die zeitgemäße Prävention durch Impfungen zähle, sagte
Dorner. "Die Eltern sind verpflichtet, das Beste für ihre Kinder zu
tun und für einen ausreichenden Impfschutz zu sorgen", so Dorner.
Eine Studie der OECD habe ergeben, dass Österreich unter 28 Staaten
bei den Zweijährigen mit einer Masern-Durchimpfungsrate von 79
Prozent die unrühmliche letzte Stelle einnehme. Etwas besser sei die
Situation bei Keuchhusten: 85 Prozent der Zweijährigen seien dagegen
geimpft, was der Alpenrepublik aber trotzdem nur den viertletzten
Platz innerhalb der OECD-Staaten einbringe. Der ÖÄK-Präsident: "Es
muss unser Ziel sein, die Durchimpfungsraten auf mindestens 95
Prozent anzuheben, um die Kinder frühzeitig vor einem möglichen
schweren Krankheitsverlauf mit den damit verbundenen schwerwiegenden
Risiken zu schützen." Impfempfehlungen des Obersten Sanitätsrates
seien ein guter Anhaltspunkt für den jeweils richtigen Zeitpunkt
einer Impfung, so Dorner weiter.
Es genüge aber nicht, mit einem Kind rechtzeitig zur Impfung zu
gehen, schloss sich der ÖÄK-Impfreferent Wilhelm Sedlak an: "Wir
müssen auch verstärkte Aufklärungs- und Informationsarbeit in den
Schulen betreiben sowie in Betrieben, in denen Lehrlinge ausgebildet
werden." Auch Schulbehörden, Schul- und Betriebsärzte, Berufsschulen
und Lehrlingsausbildner seien gefordert. Sedlak: "Wir müssen alle an
einem Strang ziehen, es geht um die Gesundheit unserer Kinder." Eine
"Impfmappe" könne wertvolle Dienste in Sachen Aufklärung leisten, ist
der Experte überzeugt. Die Erstellung und Verteilung einer solchen
Impfmappe erfordere das Einverständnis von Unterrichtsministerin
Claudia Schmied. Diese habe sich jedoch für nicht zuständig erklärt,
klagte Sedlak. Dabei gebe es schon konkrete Pläne, wie die
"Impfmappe" aussehen könnte. "Eine tragende Säule wären in jedem Fall
Aufklärungsgespräche in Schulen und Lehrlingsbetrieben, die zweite
Säule würden Informationsbroschüren darstellen", sagte der Fachmann.
Die Informationsbroschüren sollten einerseits Infektionskrankheiten
abdecken, andererseits über verfügbare Impfungen sowie über deren
Wirkungsweise und mögliche Nebenwirkungen aufklären. Dies sei auch
eine Vertrauen bildende Maßnahme, die nicht zuletzt den Impfgegnern
den Wind aus den Segeln nehmen solle. "Impfgegner pochen permanent
darauf, dass Impfungen auch Nebenwirkungen haben können und
stilisieren jeden einzelnen Fall hoch. Dabei verschweigen sie aber,
dass es höchstens in fünf bis sieben Prozent aller Immunisierungen
überhaupt zu - meist harmlosen - Begleiterscheinungen wie eine Rötung
der Haut oder leichtes Jucken kommt", kritisierte Sedlak. Und: Wenn
in einer Gruppe von 20 Kindern lediglich eines nicht geimpft sei,
genieße es trotzdem den Impfschutz der restlichen 19 Kinder, da diese
keine Infektionskrankheiten verbreiten könnten. Eine Immunisierung
schütze somit nicht nur das einzelne Kind, sondern dessen gesamte
Umgebung. (sl)
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: (++43-1) 513 18 33-14
Mail: [email protected]
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