- 01.02.2011, 09:36:33
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Pflasterlpicken und Schnellschüsse in der Jugendwohlfahrt kontraproduktiv!
Wien (OTS) - Der Österreichische Berufsverband und der
Landesverband Vorarlberg der SozialarbeiterInnen begrüssen, dass
Initiativen seitens der Landesregierung in Vorarlberg begonnen
wurden, um die Situation in der Jugendwohlfahrt in Vorarlberg zu
entschärfen.
Was gerade nach dem tragischen Tod des dreijährigen Cain so traurig
stimmt ist die Tatsache, dass diese Initiativen eigentlich schon vor
10 und mehr Jahren hätten ergriffen werden müssen und leider nur
kleine Teile der notwendigen Veränderungen darstellen.
Die Jahrzehnte lange Praxis, dass MitarbeiterInnen im öffentlichen
Dienst möglichst wenig Geld kosten dürfen und kein neues Personal
eingestellt werden darf, ist ein evidenter Faktor, der auch mit dafür
verantwortlich ist, dass es zu diesem tragischen Vorfall gekommen
ist. Auf Dauer führt diese Haltung zur dramatischen Verringerung von
Qualität, zu Burn-Out und Demotivation bei den SozialarbeiterInnen
und damit im sensiblen Bereich der Jugendwohlfahrt, nicht nur zum
Nichterreichen von Hilfsbedürftigen sondern auch zu Katastrophen.
Der Wurm steckt im System und deshalb ist zu begrüßen, wenn alle
Bereiche und Komponenten durchleuchtet werden. Der Berufsverband
knüpft an der Kritik des Landesrechnungshofes sowie des
Landesvolksanwaltes und der unerledigten Petition des Berufsverbandes
an den Vorarlberger Landtag an und fordert:
- wissenschaftliche und von objektiven Stellen unter Einbeziehung des Berufsverbandes erstellte Pensumberechnungen, eine der Qualität verpflichtete objektive Personalplanungsstudie - ein unverzügliches Ende der Diskriminierung bei der Einstufung der SozialarbeiterInnen im Landes- und Gemeindebedienstetengesetz. - eine Einstufung, die den tatsächlichen Belastungen und Verantwortlichkeiten entspricht. - die unverzügliche Einführung des Vieraugenprinzips bei der Abklärung in Gefährdungsfällen und weitere Verbesserungen der fachlichen Standards generell. - mehr Zeit sowie bessere Bedingungen und Strukturen zur Kooperation mit anderen Organisationen wie z.B. der Exekutive, Gerichten, Beratungsstellen und NGOs.
Die derzeitige Diskriminierung der SozialarbeiterInnen unterläuft
die Bestrebungen des Landes, für die verantwortliche Arbeit in der
öffentlichen Jugendwohlfahrt die besten Fachkräfte ansprechen und für
diese Aufgaben gewinnen zu können.
Denn sie sollen nicht nur in der Abklärung von Gefährdungen die
richtigen Entscheidungen herbeiführen und treffen, sondern in der
Folge auch andere Fachdienste beauftragen und deren Arbeit auf
längere Sicht koordinieren und überwachen.
Jugendwohlfahrt ist weder eine Produktionsfirma noch eine Consulting
Company!
Das Wesentliche der Dienstleistung ist Hilfe auf der Basis von
Vertrauen und Beziehung und sozialer Kontrolle. Dazu braucht es Zeit,
gut geschulte und gut motivierte SozialarbeiterInnen, die in dieser
Weise wirksam werden können.
Der Aufbau eines effektiven und humanen Jugendwohlfahrtssystems kann
nicht durch die Schulung und Einschulung in "Schnellsiedekursen" und
mit rasch ausgeliehenen Kräften aus anderen NGOs erfolgreich
bewerkstelligt werden, solche Maßnahmen können maximal eine
Überbrückung darstellen.
Was bleibt ist die Forderung nach substantiellen Reformen und
dabei ist auch auf Bundesebene ein neues und die Qualität sicherndes
Kinder- und Jugendhilfegesetz gemeint, das leider durch den Einspruch
der Bundesländer, auch Vorarlbergs, noch immer auf Eis liegt! Die
Folgen sind in allen Medien nachzulesen!
Ebenso muss die Forderung nach einem Berufsgesetz für Sozialarbeit
auf Bundesebene unterstrichen werden.
- Es kann nicht sein, dass eine Berufsgruppe, deren Aufgabe auch darin besteht sich in das Leben von Menschen einzuschalten, ihr Wohl und ihre zukünftigen Entwicklungschancen mitzubestimmen, ohne klaren gesetzlichen Rahmen agiert. - Es kann nicht sein, dass es dem Gutdünken von fachlich kaum erfahrenen Politikern oder professionell nicht qualifizierten Juristen in den zuständigen Behörden überlassen wird darüber zu entscheiden, dass sozialarbeiterische Aufgaben in der Jugendwohlfahrt als "Praktikum" von PsychologInnen in Ausbildung (Negativbeispiel Burgenland) erledigt werden. - Es kann auch nicht sein, dass sich jedes Bundesland die entsprechenden Regelungen selbst festlegt und bei Bedarf, je nach Budgetsituation, die qualitätssichernden Maßnahmen außer Kraft setzt.
Daher nochmals die Forderung des OBDS-Österreich und des
Landesverbandes Vorarlberg, Nägel mit Köpfen zu machen und endlich
umfassend die für Qualität in der Sozialarbeit und Qualität in der
Jugendwohlfahrt notwendigen, fachlich richtigen und zielführenden
Entscheidungen zu treffen. Der Berufsverband steht als
Gesprächspartner bereit.
Maria Moritz, Vorsitzende Österreichischer Berufsverband der
Sozialarbeiter/Innen www.sozialarbeit.at
Martin Bentele, Vorsitzender des Vorarlberger Berufsverbandes der
SozialarbeiterInnen
Rückfragehinweis:
Maria Moritz DSA, tel: 0699 11046488, [email protected]
DSA Martin Bentele M.S.M., tel: +43/676 6797587, [email protected]
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