• 29.01.2011, 11:00:11
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Ärztekammer: "Landärzte" vom Aussterben bedroht (2)

Bald 70 Gemeinden ohne Arzt? - Gesetzesänderung zur Sicherung der ärztlichen Versorgung auf dem Land

Wien (OTS) - Ordinationen mit umfassendem medizinischem Auftrag,
wozu auch die medikamentöse Versorgung der Bevölkerung zählt, droht
eine beispiellose Schließungswelle. Das ist die Quintessenz eines von
der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) abgehaltenen internationalen
Symposiums zum Thema Landmedizin am Samstag. "Quer durch alle
Bundesländer gibt es derzeit rund 100 Fälle, in denen
Kassenplanstellen nach Schließung der Hausapotheke entweder nicht
nachbesetzt werden können oder gänzlich aus dem Stellenplan der
Krankenkassen gestrichen werden. Denn es finden sich keine
Nachfolger. Damit kommt es zu groben Versorgungslücken", warnte der
Referent für Landmedizin und Hausapotheken, Otto Pjeta.

Hintergrund ist, dass Ärzte, die in Pension gehen wollen, oftmals
ihre Hausapotheke nicht an die Nachfolgerin oder den Nachfolger
übergeben dürfen. "Typischerweise sind das kleine Landarztpraxen, mit
vergleichsweise wenig Patienten. Ohne Hausapotheken sind diese Ordis
kaum überlebensfähig." Im schlimmsten Fall drohe mangels
Niederlassungsinteressenten aufgrund der neuen Bedingungen sogar der
Verlust von Kassenplanstellen als direkte Folge der
Hausapothekenschließung. Erste Fälle wurden bereits aus Salzburg
gemeldet.

Pjeta: "Das stellt die Gesundheitsversorgung in ländlichen und oft
abgelegenen Gebieten vor gravierende Probleme. Zum Beispiel droht
gerade im gebirgigen Tirol ein Drittel aller Hausapotheken verloren
zu gehen". Gerade ohnehin nicht verwöhnte alte, kranke und immobile
Menschen, die von ihrem Arzt abhängig seien, erlitten dadurch schwere
Nachteile. Für sie sei es teils überlebenswichtig, schnell und
unkompliziert medizinisch und medikamentös versorgt zu werden.

Besonders dramatisch ist die Lage in Kleingemeinden, in denen es nur
einen Kassen-Allgemeinmediziner gibt. "Bundesweit sind das allein 116
Kassenplanstellen, die in nächster Zeit aufgrund der Rechtslage ihre
Hausapotheken verlieren." Es stehe zu befürchten, dass 60 Prozent
davon nicht mehr nachbesetzbar sein würden. "Damit verlieren 70
Ortschaften ihren Hausarzt", so Pjeta. Der Experte fordert daher eine
Änderung des Apothekengesetzes um die medizinische Versorgung in den
ländlichen Gemeinden aufrecht zu erhalten. (zk) (Schluss)

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: 0664/522 68 25

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