- 29.01.2011, 10:00:11
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Ärztekammer: "Landarzt" vom Aussterben bedroht (1)
Situation der Landmedizin zunehmend schwieriger - Nachteile für Patienten
Wien (OTS) - Eine Warnung vor einer gravierenden Verschlechterung
der medizinischen Versorgung durch das Aussterben der Landmedizin
kommt jetzt aus der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Wie der
Referent für Landmedizin und Hausapotheken, Otto Pjeta, anlässlich
des 3. Internationalen Symposiums zur Ärztemigration am Samstag
betonte, seien die Aussichten "alles andere als rosig". Der
Ärztevertreter registriert seit 2006 eine dramatisch sinkende
Bereitschaft der jungen Ärztinnen und Ärzte sich am Land nieder zu
lassen. Pjeta: "Die Stellenbewerbungen sind um 20 Prozent
zurückgegangen und das, obwohl in den nächsten Jahren ein Drittel
aller Allgemeinmediziner in Pension geht."
Derzeit würden noch etwa 2000 Landärzte für eine wohnortnahe
medizinische Versorgung auch in abgelegenen Gebieten sorgen. Doch
Nachfolger würden sich immer schwerer finden lassen - das betreffe
mittlerweile nicht nur Allgemeinmediziner sondern auch die Fachärzte.
Kassenplanstellen könnten häufig erst nach mehrmaliger Ausschreibung
im In- und Ausland nach besetzt werden, berichtete Pjeta. "Die
beruflichen Anforderungen an diese Mediziner sind enorm. Unsere
Kolleginnen und Kollegen am Land absolvieren jährlich etwa 1,7
Millionen Hausbesuche oft mit weiten Wegstrecken. Das sind
durchschnittlich 850 pro Arzt." Viele Mediziner stünden quasi rund um
die Uhr in Bereitschaft. Das passe nur noch bedingt ins Lebenskonzept
der Jungärzte. Gerade Frauen könnten so Kind und Karriere kaum
verbinden. Dazu kämen überdurchschnittlich viele, nicht honorierte
sozialmedizinische Aufgaben.
Verschärft werde die Situation durch die von Schließung bedrohten
ärztlichen Hausapotheken. Pjeta: "Derzeit versorgen 921 Hausapotheken
rund zwei Millionen Menschen medikamentös. Fällt dieser Bereich weg,
wird eine flächendeckende medizinische Versorgung immer schwieriger.
Ohne Hausapotheken sind viele Ordinationen nämlich nicht mehr
wirtschaftlich." Dabei sei gerade für ältere multimorbide Menschen
oder auch Familien mit Kleinkindern eine wohnortnahe Versorgung
essenziell. Dank der Hausapotheken könnten sogar bei Hausbesuchen
Medikamente abgegeben werden, der Weg zur Apotheke entfalle.
"Natürlich erhöht sich damit auch die Sicherheit und Wirksamkeit
einer Medikation, wenn der Patient beim Arzt das Präparat erhält und
sofort mit der Einnahme beginnen kann", erklärte der Experte.
Pjeta forderte Politik und Hauptverband auf, schnellstmöglich für
bessere Rahmenbedingungen zu sorgen. "Wir brauchen unbedingt eine
Aufwertung und Betonung der Allgemeinmedizin." Der Ärztevertreter
trat für die Umsetzung des von der ÖÄK entwickelten Hausarztmodells
ein. "Wenn die Landbevölkerung auch in Zukunft nicht von guter
medizinischer Versorgung ausgeschlossen werden soll, dann muss es
bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für Landärzte geben."
Derzeit gibt es in Österreich 3.941 Allgemeinmediziner mit
Kassenvertrag, davon 921 mit Hausapotheke, dazu kommen 3.077
Kassen-Fachärzte. Ergänzt wird die Versorgung durch 2.177 Wahlärzte
mit dem Fach Allgemeinmedizin und 5.529 Wahlärzte mit medizinischen
Spezialfächern. (zk) (Forts.)
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: 0664/522 68 25
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