• 25.01.2011, 13:33:22
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Ergebnisse der PISA-Wien-Konferenz: Umfassende Lesetests und "SOKO Lesen"

Wien (OTS) - "Die heutige PISA-Wien-Konferenz hat eindrucksvoll
bewiesen, dass es in Wien einen breiten Konsens dafür gibt, Maßnahmen
zu setzen, um die Lesekompetenz unserer SchülerInnen zu verbessern.
Insbesondere die rasche Realisierung von umfassenden Lesetests für
die 4. und 8. Schulstufe noch in diesem Schuljahr sowie die
Einrichtung einer eigenen 'SOKO Lesen' stellen die Hauptergebnisse
der Konferenz dar. Sie sind als erste Schritte zu sehen - weitere
Schritte werden folgen! Auch die ebenfalls heute vereinbarte
Einrichtung eines eigenen Beirates gemeinsam mit den
Interessensvertretungen von Wirtschafts- und ArbeitnehmerInnenseite
hat klar gezeigt, dass alle am Wiener Schulwesen Beteiligten gewillt
sind, an einem Strang zu ziehen, die Qualität der Schulen zu heben
und die Schlüsselkompetenzen unserer SchülerInnen zu verbessern",
fasste Wiens Amtsführende Stadtschulratspräsidentin Susanne
Brandsteidl die Beratungen der heutigen PISA-Wien-Konferenz zusammen.

An der Konferenz haben - neben der Amtsführenden
Stadtschulratspräsidentin - unter anderem folgende ExptertInnen und
InteressensvertreterInnen teilgenommen:

o der Direktor des BIFIE DDr. Günter. Haider,
o die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien KommR Brigitte Jank,
o der Präsident der Industriellenvereinigung Wien Mag. Georg 
  Kapsch,
o die Vizepräsidentin der Arbeiterkammer Wien Renate Lehner,
o die ÖGB-Vizepräsidentin Dr. Sabine Oberhauser
o sowie VertreterInnen der Schulpartner sowie anderer wichtiger 
  KooperationspartnerInnen.

Hintergrund der PISA-Wien-Konferenz

Das jüngste PISA-Ergebnis war für Österreich ernüchternd und hat
bewusst gemacht, wie dringend unser Land umfassende Bildungsreformen
braucht. Besonders problematisch stellte sich dabei dar, dass
Österreich insbesondere im Bereich der getesteten Lesekompetenz im
letzten Viertel der untersuchten Länder liegt und sowohl bei den
Faktoren "Spitzenleistungen" als auch "Risikogruppe" international
ausgesprochen schlecht abgeschnitten hat.

Konkrete Ergebnisse - Lesekompetenz:

o Die Gruppe an SchülerInnen mit Spitzenleistungen in Österreich 
  liegt im Bereich der Lesekompetenz bei 5 Prozent und somit 
  deutlich unter der Hälfte des Wertes erfolgreicher Ländern wie 
  Finnland 14,5 Prozent)

o 28 Prozent aller Kinder in Österreich gehören zur Risikogruppe. 
  Diesen fehlen grundlegendste Fähigkeiten und sie müssen in 
  weiterer Folge mit massiven Problemen am Arbeitsmarkt rechnen. 
  Im Vergleich zu Korea (6 Prozent) weist Österreich somit fast 
  fünfmal so viele RisikoschülerInnen auf. Im OECD-Schnitt gehört 
  jede/r fünfte Jugendliche (19 Prozent) zur Lese-Risikogruppe.

Diese negativen Ergebnisse waren der Ausgangspunkt für die
Überlegung, die heutige PISA-Wien-Konferenz einzuberufen, um speziell
für den Bereich der Leseförderung neue Maßnahmen zu diskutieren und
konsensual zu vereinbaren. Ein weiterer Grund: So wichtig es ist, von
der Bundespolitik die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen für
eine umfassende Reform des Bildungswesens einzufordern, ändert dies
nichts daran, dass seitens der Länder jede Möglichkeit zu überprüfen
ist, zusätzliche Reformschritte umzusetzen. Mit anderen Worten: Wien
redet nicht nur, Wien handelt.

Die Ergebnisse der Konferenz

o Lesetests für alle 10- und 14jährigen SchülerInnen

Als konkrete Maßnahme wurde Konsens darüber erzielt, dass es bereits
im April dieses Jahres umfassende externe Lesetests für Wiens 10- und
14jährige SchülerInnen (4. und 8. Schulstufe) geben wird. Dieserart
will man noch detaillierter herausfinden, wo Wiens SchülerInnen in
Punkto Lesekompetenz stehen. Mehr noch sollen diese Ergebnisse den
SchülerInnen als Orientierungshilfe dafür dienen, eigene Stärken und
Schwächen zu erkennen. Besonders profitieren jedoch
selbstverständlich die LehrerInnen von diesen Tests. Sie als die
"Profis der Schule" können auf Basis der Ergebnisse und ihrer
pädagogischen Diagnose-Kompetenz den Tests nachfolgend Maßnahmen
setzen, um den Unterricht gezielt anhand der Schwächen- und
Stärkenprofile Ihrer SchülerInnen zu gestalten. Die Erfüllung des
Kernauftrags der Schule, allen SchülerInnen die Fertigkeit des
"Lesens und Schreibens" zu vermitteln, soll hierdurch künftig noch
besser gewährleistet werden. Dies erfolgt im Interesse der
SchülerInnen selbst, aber auch im Interesse der beruflichen
Zukunftsperspektiven der Jugendlichen sowie der Wiener Wirtschaft.

Ein wichtiger Nebenaspekt besteht darin, dass mittels solcher
regelmäßig stattfindender Testungen zu einer neuen Testkultur
beigetragen werden kann. Denn eines zeigt PISA ganz deutlich: Jene
Länder, in denen Testungen eine Normalität darstellen und nicht nur -
wie in Österreich - in Intervallen als "PISA-Schock" hereinbrechen,
sind erfolgreicher. Die Wiener Lesetests müssen somit auch als ein
wichtiger Beitrag zu einem künftig besseren Abschneiden der
österreichischen SchülerInnen bei der internationalen PISA-Studie
betrachtet werden.

o "SOKO Lesen"

Doch es bleibt nicht bei den Tests allein, auch der Unterricht wird
sich ändern. Ergänzt werden die Tests nämlich durch ein künftig noch
breiteres Angebot an Lesefördermaßnahmen in Wiens Schulen. Um dieses
zu entwickeln, aber auch um bestehende Maßnahmen zu überprüfen, wird
im Stadtschulrat für Wien eine "SOKO Lesen" eingerichtet. "Nur wer
als Kind mit Freude ein Buch in die Hand nimmt, wird auch sein Leben
lang begeistert lesen" - gemäß diesem Motto beraten ExpertInnen in
dieser "SOKO" schulische Lese-Initiativen. Diese sollen auf den "drei
Säulen der Schulpartnerschaft" basieren und neben Projekten für die
SchülerInnen auch Kooperationen mit den Eltern sowie eine
intensivierte Fortbildung der PädagogInnen im Bereich der
Leseerziehung umfassen.

Im Bereich der Lese-Angebote für SchülerInnen sollen - in Kooperation
auch mit außerschulischen Partnern - insbesondere folgende Projekte
intensiviert werden:

o Lesefeste
o Lesenächte 
o Leseprojekttage
o Lesewettbewerbe
o Lesereisekoffer
o Kinderliteraturwochen
o Autorenlesungen
o Bücherbörsen
o Kooperationen mit den Städtischen Büchereien
 
o Projekt LesepatInnen

Das vor kurzem präsentierte Projekt LesepatInnen, das an zahlreichen
Schulen bereits erfolgreich im Testbetrieb läuft, soll künftig noch
stärker institutionalisiert und an möglichst vielen Schulen umgesetzt
werden. Besonders erfreulich: Durch die öffentliche Präsenz dieses
Projektes konnten allein im vergangenen Monat über 300 LesepatInnen
gewonnen werden. Diese - großteils im Seniorenalter und vielfach
akademisch ausgebildet - werden nun im Rahmen einer großen
Veranstaltung am 1. Februar 2011 noch genauer über das Projekt
instruiert und schon bald möglichst flächendeckend an Wiens
Volksschulen eingesetzt.

Zum Projekt: Im Regelfall werden die PatInnen in die Lesestunde
eingeladen, die ein fixer Bestandteil im Stundenplan der Volksschule
ist. Jedes betreute Kind erhält 25 Minuten Intensivbetreuung. Es
liest laut vor, die PatInnen lesen mit, korrigieren, erklären Wörter,
kontrollieren durch Nachfragen ob der gelesene Text verstanden wurde.
Die LehrerInnen tauschen sich parallel dazu ständig mit den
LesepatInnen über die Fortschritte der Kinder aus. Das Wichtigste
dabei: Die LesepatInnen zeigen viel Engagement für "ihre
Patenkinder", die Kinder umgekehrt freuen sich auf "ihre" PatInnen.
Neben der Lesererziehung ist der generationsübergreifende Aspekt des
Projektes LesepatInnen von besonderer - gesellschaftspolitisch
positiver - Relevanz.

o Beirat der Sozialpartner

Neben dem klassischen Bildungsauftrag der Schule steht unser
Schulwesen auch in einer besonderen Verantwortung gegenüber der
Gesellschaft und Wirtschaft. Junge Menschen so auszubilden, dass sie
erfolgreiche berufliche Lebenswege einschlagen können, ist nicht
allein ein Dienst der Schule an den Jugendlichen, sondern auch die
Kehrseite einer Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft.
Der Wirtschaftsstandort Wien lebt ganz wesentlich von der Qualität
seiner Beschäftigten. Um diese Bedürfnisse künftig besser
kommunizieren zu können, um eine Plattform für wechselseitige
konstruktive Anregungen zu schaffen und um die Herausforderung einer
breiten Bildungsreform hin zu einer modernen Leistungsschule
gemeinsam zu meistern, wird ein Beirat eingerichtet, an dem der
Stadtschulrat sowie die Interessensvertretungen der Wirtschafts- und
ArbeitnehmerInnenseite als Partner beteiligt werden.
(Schluss) ssr

Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.gv.at/rk/
Dragana Lichtner und Matias Meißner
Medien- und Pressereferat des Stadtschulrates
Telefon: 01 525 25-77014
E-Mail: [email protected]

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