• 20.01.2011, 12:52:15
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Ärztekammer fordert Umbruch in der medizinischen Ausbildung

Dorner: Neuer Zugang durch Ausbildungskultur notwendig - Lehrpraxen müssen von öffentlicher Hand finanziert werden

Wien (OTS) - Eine grundsätzliche Veränderung der Kultur in der
medizinischen Ausbildung forderte der Präsident der Österreichischen
Ärztekammer, Walter Dorner, am Donnerstag auf einem Kongress des
Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung. Weitere zentrale
Anliegen der Ärzteschaft aus Sicht Dorners sind die Aufwertung der
Ausbildner, die Verbesserung der Ausbildung zur Allgemeinmedizin,
eine verpflichtende zumindest einjährige Absolvierung einer
Lehrpraxis, finanziert durch die öffentliche Hand, sowie die
Umsetzung des von der ÖÄK entwickelten Turnusärzte-Tätigkeitsprofils.

Die medizinische Ausbildung stehe vor einem lange fälligen Umbruch,
erklärte Dorner. So sei es dringend notwendig, in Österreich endlich
eine medizinische Ausbildungskultur zu etablieren, die nicht nur auf
Quantität, sondern vor allem auf Qualität setze. "Auch die Leistung
des Ausbildners muss gewürdigt werden", betonte der ÖÄK-Präsident.

Der Turnus müsse verbessert werden; von einer Abschaffung hält Dorner
allerdings nichts. Die Qualifizierung der künftigen niedergelassenen
Ärztinnen und Ärzte sei durch die Ausbildung in einer Lehrpraxis zu
ergänzen - finanziert durch die öffentliche Hand, konkret durch die
Sozialversicherungen. Denn im Jahr 2009 hätten die Ärztinnen und
Ärzte insbesondere im Medikamentenbereich um 70 Millionen Euro mehr
eingespart als ursprünglich vorgesehen. Deshalb müsse das Geld für
die Finanzierung der Lehrpraxen bei den sozialen
Krankenversicherungen durchaus vorhanden sein.

Weiters forderte Dorner die Umsetzung des von der ÖÄK bereits im Jahr
2000 entwickelten Tätigkeitsprofils für Turnusärztinnen und -ärzte im
Ärztegesetz. Dadurch solle sichergestellt werden, dass die
Turnusärztinnen und -ärzte sich voll auf jene Tätigkeiten
konzentrieren könnten, die für ihre Ausbildung wichtig seien. Derzeit
würden sie fast 50 Prozent ihrer Arbeitszeit mit
Dokumentationstätigkeiten verbringen. Zukünftige Fachärzte wiederum
sollen ihre Laufbahn direkt beginnen können, ohne den Turnus zum
Allgemeinmediziner absolvieren zu müssen, wünschte sich Dorner.

Einer mit der Promotion verbundenen Teilapprobation erteilte Dorner
eine klare Absage: "Wir brauchen keine Schmalspurmediziner und kein
Bakkalaureat. Das führt bloß zu einem Ärzteproletariat und
medizinischen Arbeitssklaven ohne Zukunftsperspektive." (zk/sl)

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: (++43-1) 513 18 33-14
Mail: [email protected]

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